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Die Illusion wertfreier Ökonomie Eine Untersuchung der Normativität heterodoxer Theorien von Egan-Krieger, Tanja von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.08.2014
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Die Illusion wertfreier Ökonomie

Im November 2011 erregte eine Zeitungsmeldung Aufmerksamkeit: Studenten der Harvard University verließen ihren Einführungskurs aus Protest über die herrschende "konservative Ideologie", die 2007 in die Finanzkrise geführt habe. Nach dem gängigen Selbstverständnis der Wirtschaftswissenschaften gilt es dagegen als sicher, dass ökonomische Theorien wertfrei sind. Tanja von Egan-Krieger zeigt auf, warum dieser Schein trügt. Unter erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten begründet sie die Unausweichlichkeit einer Normativität ökonomischer Theorie und untersucht verschiedene heterodoxe Theorien auf ihren wirtschaftsethischen Gehalt. Tanja von Egan-Krieger, Dr. phil., ist wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Universität Greifswald.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 14.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593425269
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2498 kBytes
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Die Illusion wertfreier Ökonomie

Im November 2011 machte eine Meldung die Runde, die sicherlich bei einigen Ökonomen für Befremden sorgte: Siebzig Studenten der Harvard Universität haben aus Protest den Einführungskurs in Ökonomik verlassen, den jährlich ca. 700 Studenten besuchen. Als Grund dafür gaben sie an, mit der 'konservativen Voreingenommenheit' des Kurses unzufrieden zu sein. Die gleiche 'konservative Ideologie' sei es auch, die in die Finanzkrise geführt habe, und deshalb verließen sie in Solidarität mit der Occupy-Bewegung den Hörsaal (vgl. The Harvard Crimson 2011).
Nach dem gängigen Verständnis der Wirtschaftswissenschaften muss diese Kritik fehl gehen. Denn danach erklärt die Mainstream-Ökonomik lediglich das 'reale' Wirtschaftsgeschehen und hält sich mit Bewertungen desselben zurück. Wertvorstellungen - ob nun konservativ oder modern, rechts oder links - haben nach diesem Verständnis in den Wirtschaftswissenschaften nichts zu suchen. Und so antwortete Gregory Mankiw, der Professor, der den betreffenden Einführungskurs seit Jahren hält und der zudem Autor eines der meistverkauften Lehrbücher der Ökonomik ist, in der New York Times:
'If my profession is slanted toward any particular world view, I am as guilty as anyone for perpetuating the problem. Yet, like most economists, I don't view the study of economics as laden with ideology.' (The New York Times 2011)
Doch wie kommen die Harvard-Studenten darauf, dass der ökonomischen Theorie, die sie im Einführungskurs beigebracht bekommen, eine spezifische Normativität zugrunde liegen würde, die auch der Politik der Konservativen in den USA eigen sei? Sehen wir uns ein Zitat aus einem Artikel von Mankiw an:
'One implication of the Just Deserts Theory is that it gives a new normative interpretation of the equilibrium of a competitive market economy. Under a standard set of assumptions, a competitive economy leads to an efficient allocation of resources. But we economists often say that there is nothing particularly equitable about that equilibrium. Perhaps we are too hasty in reaching that judgment. After all, it is also a standard result that in a competitive equilibrium, the factors of production are paid the value of their marginal product. That is, each person's income reflects the value of what he contributed to society's production of goods and services. One might easily conclude that, under these idealized conditions, each person receives his just deserts.' (Mankiw 2010: 295)
Eine 'wertfreie' Aussage? Schon einmal gab es in der Geschichte der Ökonomik eine Auseinandersetzung darüber, ob ökonomische Theorien Werte enthalten dürfen. Der sogenannte Werturteilsstreit, der im Jahre 1909 auf einer Tagung des Vereins für Socialpolitik in Wien begann, drehte sich um genau diese Frage: Müssen, dürfen, sollen ökonomische Theorien normative Gehalte beinhalten? Diese Frage wird heute nicht nur kraft der Kritik von Ökonomie-Studenten an der Standardökonomik wieder aktuell, sondern auch aufgrund der Entwicklung unterschiedlichster sogenannter heterodoxer ökonomischer Theorien, die sich aus der Kritik an der Standardökonomik (der orthodoxen Ökonomik) heraus entwickelt haben. So sind in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe von heterodoxen ökonomischen Theorieschulen entstanden oder wieder erstarkt, die eigene Forschungsnetzwerke und Zeitschriften gegründet haben. Vielen heterodoxen Ökonomen ist bewusst, dass es auch unterschiedliche normative Ausgangspunkte sind, die sie zu einer Ablehnung der Standardökonomik führen.
Die Auffassungen darüber, in welcher Weise normative Gehalte einen Einfluss auf die ökonomische Theoriebildung haben und was daraus für den Umgang mit ihnen folgt, gehen jedoch innerhalb der heterodoxen Ökonomik weit auseinander. Darüber hinaus sind gründliche Reflexionen über die Normativität ökonomischer Theorien selbst innerhalb der heterodoxen Ökonomik eher selten anzutreffen. Vordergründig geht es ihren Vertretern zumeist um die ma

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