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Kiffen, Kaffee und Kajal Eine kurze Geschichte von allem, was uns lieb und orientalisch ist von Pamuk, Kerim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.09.2019
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Kiffen, Kaffee und Kajal

Wenn Sie gerne Schach spielen, Pasta essen und sich auf dem Sofa lümmeln, sind Sie was? Richtig, ein Orientale! Klingt komisch? Ist aber so. Denn diese Dinge gelangten aus dem Orient nach Europa. Und das ist nur die Spitze des Dönerberges, denn das Abendland wurde schon seit Jahrhunderten kulturell, kulinarisch und wissenschaftlich überflutet, unterwandert und beeinflusst, oder kurz und korrekt: bereichert. Sogar im Allerheiligsten der Spießerseligkeit hat sich der Orient richtig breitgemacht, im deutschen Wohnzimmer. Glauben Sie nicht? Dann folgen Sie Kerim Pamuk auf seiner vergnüglich-investigativen Tour durch 1500 Jahre Kulturgeschichte und Migration. Sie werden das Fremde im Vertrauten und das Vertraute im Fremden entdecken: Wo "wir" draufsteht, sind sehr oft "die" schon drin! Guten Morgen, Abendland! Der Orient - seit Jahrhunderten unter uns Wie der Orient nach Deutschland kam Ein unterhaltsames und entlarvendes Antihysterikum Wirkt gegen unausrottbare Vorurteile und gefühlte Ängste Kerim Pamuk, 1970 in der Türkei geboren, kam mit neun Jahren nach Hamburg, wo er heute lebt und arbeitet. Als Schriftsteller und Kabarettist bewegt er sich im Spannungsfeld seiner beiden Kulturen. Seine Bühnenprogramme finden begeisterte Resonanz. Mit 'Alles roger, Hodscha', 'Allah verzeiht, der Hausmeister nicht' und 'Der Islam, das Islam, was Islam?' hat Pamuk bereits drei erfolgreiche Bücher vorgelegt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 23.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641210267
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Größe: 2221 kBytes
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Kiffen, Kaffee und Kajal

DANKBARER DÖNER

Gewöhnlich erwartet der gemeine Deutsche von Menschen mit nichtdeutschen Wurzeln, die in seinem Land leben oder leben wollen, zuallererst Dankbarkeit. Von dieser Erwartungshaltung sind die schon hier geborenen Nachkommen der Einwanderer, die keine andere Heimat als Deutschland kennen, selbstverständlich nicht ausgenommen. Auch sie sollen dankbar sein, ihre Kinder und Enkelkinder natürlich auch noch. Für alles Mögliche sollen sie "Danke" sagen: Für den mehr als ein halbes Jahrhundert lang dauernden und vergeblichen Versuch ihnen und ihresgleichen ein passendes Etikett aufzukleben. Zuerst hießen die meist dunkelhaarigen Neuzugänge "Gastarbeiter". Während auf den meisten anderen Flecken der Erde Gäste von ihren Gastgebern bewirtet werden, sollen hier Gäste für die Gastgeber arbeiten, Gastfreundschaft à la Teutonia. Danach wurden sie zu "Ausländern" gestempelt, den beziehungstechnischen Höhepunkt erreichten sie als "Mitbürger", verwandelten sich weiter zu "Migranten", nahmen die nächste Image-Stufe abwärts zu "Menschen mit Migrationshintergrund" und endeten als "Muslime", obwohl die große Mehrheit dieser Menschen weder religiös war oder ist, noch sich über die eigenen Religion definiert. Von diesen sprachlichen Stempelversuchen waren Migranten aus dem "christlichen Raum" ausgenommen, sie durften weiterhin Griechen, Italiener, Spanier, Kroaten und Serben heißen.

Weiterhin soll der Migrant dankbar sein, dass er hier leben, arbeiten und/oder Hartz IV beziehen, die Vorzüge der deutschen Straßenverkehrsordnung und des Steuerrechts genießen, bei der Mülltrennung mitmachen und bei Wahlen nicht wählen darf. So wie aber Integration und Respekt keine Einbahnstraßen sind, ist auch Dankbarkeit keine, denn die Inländer haben ebenfalls allen Grund dankbar zu sein. Sie wurden bereichert, nicht nur durch die Milliarden, die jene arbeitenden Gäste in die Rentenkasse und Steuersäcke steckten, sondern auch durch die Kulinarik, die Orientalen nach Europa und Deutschland "eingeschleppt" haben.

Beginnen wir mit dem offensichtlichen und zumindest in den alten Bundesländern für alle sichtbaren kulinarischen Einfluss, an dem kein Passant in keiner Fußgängerzone optisch und olfaktorisch vorbeikommt, dem Dönerimbiss. Er gehört zur zweiten Stufe des migrantischen Unternehmertums. Die erste Stufe bildeten Gemüseläden, die vor allem türkische Einwanderer eröffneten, wenn Sie keine Lust mehr auf Fabrik, Schichtarbeit und Vorarbeiter hatten. Dies lag nahe, da die meisten Einwanderer aus den ländlichen Gebieten Anatoliens kamen und sich als Bauern im besten Sinne mit Obst und Gemüse auskannten. In der zweiten Stufe gestaltete sich der Schritt vom Angestellten zum eigenen Chef weniger kompetenzlastig: "Ich esse gerne Fleisch und so einen Spieß rundherum absäbeln kriege ich auch noch hin!"

Ganz im Gegensatz zum urorientalischen Prinzip "Mehr ist mehr" eröffneten sie Imbisse, die durch ihr asketisches Interieur jeden Spartaner beeindruckt hätten. Weiße Stehtische und Hocker aus Plastik, Besteck aus Plastik, Salz-, Pfeffer-, und Chilistreuer aus Plastik und Teller selbstverständlich auch. Gäbe es große Kühltresen aus Plastik, der türkische Gastronom wäre entzückt. Überflüssig zu erwähnen, dass ihm der große blutrote Dönerspieß in dickem Plastik verschweißt geliefert wird, den er mit einem Feuerzeug vom Fleisch trennt. Wieviel verbrannter Kunststoff bei dem Prozedere am Spieß hängen bleibt, ist schwer einzuschätzen, aber die ersten Dönerkunden des Tages schätzen das besondere Aroma.

Von oben strahlt im Imbiss grundsätzlich grelles weißes Licht, das auch Folterknechte des CIA gerne einsetzen und von unten wird diese Illumination vom grellweiß gekachelten Boden hervorragend reflektiert. Dadurch sieht man zwar jeden Krümel auf dem Boden, aber für die Reinigung braucht man wie beim Schlachter nur Wasser, Chemie und Schrubber. Natürlich wird der farbliche Kontrapunkt

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