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Mr. Smith und das Paradies Die Erfindung des Wohlstands von Wallwitz, Georg von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2016
  • Verlag: Berenberg Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Mr. Smith und das Paradies

Gier, Angst und Schrecken? Ist der Finanzkapitalismus vor allem da, um Nicht-Bescheidwisser das Fürchten zu lehren? Georg von Wallwitz unternimmt in seinem zweiten Buch den gewohnt augenzwinkernden Versuch, zu erklären, was wir für unerträglich kompliziert halten: Wie 'unser' Kapitalismus entstand; wer ihn sich ausgedacht hat; wofür er gut ist und wofür er nichts taugt; wie man ein Land ruiniert oder es vermeiden kann; wie man der Armut entgeht; warum man Steuern zahlen soll; Gerechtigkeit und Verteilung; Krisen und Wachstum; Gier und Banken; Real- und Finanzwirtschaft; und: spielt Geld überhaupt eine Rolle? Voilà - die gesamte Ökonomie auf kleinstem Raum und, wie stets bei diesem Autor, mit, möglichst, guter Laune. Georg von Wallwitz, geboren 1968 in München, studierte Mathematik und Philosophie in England und Deutschland, war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und ging nach seiner Promotion als Visiting Fellow nach Princeton. Seit 1998 arbeitet er im Fondsmanagement, zunächst bei der DWS in Frankfurt und seit 2004 selbständig als Mitinhaber einer Vermögensverwaltung in München. Er schreibt in regelmäßigen Abständen ein 'Börsenblatt für die gebildeten Stände'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 16.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783937834917
    Verlag: Berenberg Verlag GmbH
    Größe: 1600 kBytes
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Mr. Smith und das Paradies

So reißt jeden seine Leidenschaft hin

VERGIL, EKLOGEN II, 65
THEORIE UND PRAXIS DER VERARMUNG

Voltaires Einsichten liegen gut 250 Jahre zurück und sind eigentlich ganz einfach zu verstehen. Schafft die Privilegien und die Willkürherrschaft ab und setzt Verstand und Wissenschaft an ihre Stelle, lasst die Kaufleute in Frieden und Sicherheit wirtschaften, stellt die Tüchtigen über die Faulen, und das Land wird in Wohlstand erblühen. Und tatsächlich brachte die Verbindung von Ökonomie und Politik die Industrielle Revolution hervor, welche, nach einer längeren Elendsstrecke, den allgemeinen Wohlstand deutlich verbesserte. So klingt heute konsensfähig, was damals revolutionär war. Aber der Barock steckt uns noch tief in den Knochen, tiefer, als es die Vernunft wahrhaben möchte, und so sehnt sich der Einzelne nach wie vor nach einer Vorzugsbehandlung. Niemand, der in einer gefestigten Stellung ist, hat gerne Konkurrenz und freien Wettbewerb. Sie bedeuten nur vermehrte Anstrengung und verminderten Gewinn, nichts Schönes.

Die großen Krisen in Europa, den USA und Japan seit der Jahrtausendwende, welche noch in dem stolzen Bewusstsein begangen wurde, das Ende der Geschichte sei zum Greifen nah, haben viel mit lähmenden Partikularinteressen zu tun und sind gewissermaßen ein gelebtes Stück Barock. In jedem Land liegt das Problem etwas anders, aber überall hat es denselben Effekt. Privilegien entstehen ganz natürlich, und wenn sie einmal errichtet sind, wenn die Wenigen sich einmal daran gewöhnt haben, auf Kosten der Vielen zu leben, kostet jede Veränderung so viel Kraft wie eine Revolution. Sie werden schnell Teil einer Kultur, graben sich in die Lebensweise und die Erwartungen ein, denn kaum etwas hat so viel Beharrungsvermögen wie der Glaube an das eigene Erwähltsein. Ein Staat, der nicht Opfer einer Vetternwirtschaft werden möchte, muss daher starke und zentralisierte Institutionen haben, um sich gegen die schlechte Gesellschaft zu wehren. Bei aller Stärke muss er aber auch offen, durchlässig und gut kontrolliert sein, um nicht selbst zur Quelle von Privilegien zu werden. In dieser Balance, die stets neu gefunden werden muss, befinden sich nicht viele Gemeinwesen.

Die Aufklärung hat jedenfalls nicht das Ende der Privilegien gebracht, nirgendwo, allenfalls das Ende der gepuderten Perücken. In jedem Land, in jeder Gesellschaft entstehen jene unverdienten Vergünstigungen, die Voltaire angeprangert hatte. Der Mechanismus funktioniert heute, jenseits der Aufklärung, etwa folgendermaßen: Kleine Gruppen von Leuten, die viel zu gewinnen haben und die einander aus der Szene kennen, schließen sich gerne zusammen, wenn es darum geht, ihren Anteil am Kuchen noch zu vergrößern. Sind es nicht zu viele, verteilt sich die Beute auf eine geringere Anzahl von Mitjägern und für jeden Einzelnen lohnt sich der Einsatz. Man stelle sich etwa die sehr überschaubare Zahl der Firmen in der Private-Equity-Industrie vor, die gerne weniger Steuern zahlen würden. Für die großen Spieler kann das eine Ersparnis im hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich bedeuten, und für jeden von ihnen würde sich eine entsprechende Gesetzesänderung bezahlt machen, selbst wenn er die Lobbyarbeit vollständig selbst bezahlen müsste. Für die Gruppe insgesamt lohnt es sich allemal.

Gerne hängen sich dann auch noch die Anwälte dieser Firmen an das Projekt, denn sie wittern die Gelegenheit, ihre Honorare in (ebenfalls von der Steuer zu befreienden) Beteiligungen an den Private-Equity-Investitionen bezahlen zu lassen. So haben ein paar Wenige ein massives Interesse an einer kleinen Änderung des Gesetzes, wonach die Bezahlung der Private-Equity-Manager nicht mehr als Einkommen besteuert wird. Das Thema ist obskur genug, dass es einer breiten Öffentlichkeit verschlossen bleibt, und so finden sich genügend sympathische Abgeordnete, die das Vorhaben bald Gesetz werden lassen. Ans Licht kommt so eine Konstruktion eigentlich n

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