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Robert Bosch Unternehmer im Zeitalter der Extreme von Theiner, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Robert Bosch

Robert Bosch (1861 - 1942) war einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer des 20. Jahrhunderts und gleichzeitig ein Pionier der sozialen Marktwirtschaft. Mit diesem Buch liegt die umfassende Biographie eines Visionärs vor, der wie kaum ein anderer über seine Zeit hinaus gedacht hat. Robert Bosch eröffnete1886 in einem Stuttgarter Hinterhaus die Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik, die heutige Robert Bosch GmbH. Hier entwickelte er bahnbrechende Innovationen für das Kraftfahrzeug und konnte als industrieller Unternehmer schon bald international große Erfolge verzeichnen. Sein Name steht heute exemplarisch für die Motorisierung des Verkehrs und die Elektrifizierung des Haushalts. Darüber hinaus wirkte er mit ausgeprägtem politischem Profil als sozial verantwortungsbewusster Stifter und Mäzen. In einer Zeit der Kriege und Umbrüche, in einem Zeitalter der Extreme, positionierte sich Bosch als überzeugter Demokrat, der die deutsche Geschichte gegen den Strich bürstete. Peter Theiner begibt sich in seiner eindrucksvollen Biographie auf die Spurensuche dieser faszinierenden Persönlichkeit - eines Wegbereiters der Moderne, der eines der ersten Weltunternehmen gründete. Peter Theiner ist promovierter Historiker und Direktor für den Bereich 'Geschichte der Philanthropie' der Robert Bosch Stiftung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 505
    Erscheinungsdatum: 23.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406705540
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 5841 kBytes
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Robert Bosch

Kapitel 2
Der Große Krieg

D er bayerische Militärbevollmächtigte in der Hauptstadt, Karl Ritter von Wenninger, sah "überall strahlende Gesichter", als er sich am 31. Juli 1914 ins preußische Kriegsministerium begab, und notierte weiter: "Händeschütteln auf den Gängen; man gratuliert sich, daß man über den Graben ist."[ 1 ] Was der Generalleutnant hier beobachtete, war die Erleichterung der Militärs über die Generalmobilmachung des Deutschen Reiches, die der Kaiser als Antwort auf die am gleichen Tage in Berlin eingetroffene Nachricht von der russischen Generalmobilmachung verkündet hatte. Damit war die Phase quälenden Wartens für die Offiziere beendet, der Erste Weltkrieg hatte begonnen. Und der Grund für die Erleichterung der Militärs war wohl weniger frivole Vorfreude auf einen Angriffskrieg. Erleichterung machte sich vielmehr breit, weil das Räderwerk der militärischen Planungen für den kommenden Zweifrontenkrieg gerade noch rechtzeitig in Gang gesetzt werden konnte, den die Militärs jetzt ohnehin für unabwendbar hielten.
Mobilmachung und Augusterlebnis

Robert Bosch, zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Bilde über die russische Generalmobilmachung, kommentierte das dramatische Geschehen auf der internationalen Bühne in einem Brief an seine Frau: "Ich gebe an und für sich die Hoffnung noch nicht auf, dass es nicht zum Kriege kommt, wenngleich ich auch nicht verstehen kann, dass es nicht möglich gewesen sein soll, innerhalb der verflossenen 8 Tage Klarheit darüber zu schaffen, ob Österreich sich verpflichtet hat, keine Gebietserweiterung vorzunehmen, und Russland dazu zu bringen zu erklären, dass es nicht eingreife, wenn Ö. die Selbständigkeit Serbiens nicht vernichtet. Dass das nicht möglich war, ist gewiss bedenklich, und man kann wohl annehmen, d.h. es ist nicht ausgeschlossen, dass weder Ö. noch R. bestimmte Erklärungen abgeben, was natürlich ein bedenkliches Zeichen ist. Wenn Russland immer weiter mobilisiert, so muss sich Deutschland im eigenen Interesse schliesslich auf den Standpunkt stellen zu sagen, entweder ihr stellt ein oder wir fangen an."[ 2 ]

Das war eine bis heute gültige Analyse der Lage und der verhängnisvollerweise unterlassenen Schritte zu einer Entspannung der explosiven Situation - und sie klang alles andere als kriegsbegeistert. Die vage Hoffnung, Österreich-Ungarn würde nach dem Attentat von Sarajevo allenfalls gegenüber Serbien, wo der Ursprung des Mordplans gesehen wurde, ein militärisches Exempel ohne weitergehende territoriale Ansprüche statuieren und damit ein militärisches Eingreifen Russlands vermeiden, diese Wunschvorstellung von einem "Halt in Belgrad" war bis hinauf zum Kaiser durchaus verbreitet. Selbst der österreichische Botschafter in London durchschaute die Absichten seiner Regierung nicht, die auf erhebliche territoriale Veränderungen auf dem Balkan nach einem Sieg über Serbien hinausliefen - zwar nicht direkt zugunsten der Doppelmonarchie selbst, wohl aber durch die Überlassung serbischer Gebiete an die südosteuropäischen Rivalen, um damit großserbischen Ambitionen den Garaus zu machen.[ 3 ] Dieses Kalkül ignorierte, dass Russland als Schutzmacht Serbiens ebenso wenig wie sein französischer Bündnispartner eine wie auch immer geartete "Zermalmung" des Balkanstaates zulassen würde. Damit würde ein großer Krieg unabwendbar, eine Entwicklung, die Robert Bosch sehr klar voraussah, ebenso wie die Möglichkeit, dass England dann in den Konflikt eingreifen und Deutschland sich folglich im Krieg gegen drei Großmächte befinden würde. Ihm blieb allerdings verborgen, dass die Reichsregierung das Vorgehen der Doppelmonarchie von Anfang an begünstigte, ja sogar beflügelte und erst im denkbar spätesten Abschnitt der Julikrise eher halbherzig zu dämpfen versuchte. Dahinter stand das ebenso machiavellistische wie von Fatalismus

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