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Schizo-Wirtschaft Nur radikales Umdenken und Andershandeln kann uns helfen von Scholz, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2015
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Schizo-Wirtschaft

Die Wirtschaft sind wir alle. Und diese Wirtschaft ist krank. Unternehmen, Mitarbeiter und Konsumenten sind in sich gespaltene Akteure, die verdeckt opportunistisch und gegen ihre eigenen langfristigen Interessen handeln und dies ausblenden, je nachdem in welcher Rolle und an welchem Punkt der Wertschöpfungskette sie gerade auftreten. Zusammen erzeugen sie eine Marktdynamik auf Selbstzerstörungskurs. Die Arbeitsweltexperten Christian Scholz und Joachim Zentes nehmen sich aktuelle Beispiele für derartige Widersprüche vor. Ob Daimler, Uber oder Amazon: Sie sehen Unternehmensethik ohne Realitätsbezug, Prozessketten ohne Kontrolle, Mitarbeiter ohne Bindung, Konsumenten ohne Verantwortung. Und sie zeigen, wie wir uns am eigenen Schopf aus dem Dilemma befreien und zu einer neuen gesellschaftlichen und unternehmerischen Vernunft finden könnten, die nachhaltigen Erfolg und neue Lebensqualität liefert.

Christian Scholz (links) und Joachim Zentes sind Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes und Direktoren des Europa-Instituts der Universität. Sie leiten das dortige MBA-Programm. Daneben ist Christian Scholz Direktor des Instituts für Managementkompetenz (imk), schreibt seine Kolumnen und bloggt als "Per Anhalter durch die Arbeitswelt". Joachim Zentes ist Direktor des Instituts für Handel & Internationales Marketing und Mitherausgeber von Marketing ZFP - Journal of Research and Management.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 05.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593430058
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 7774 kBytes
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Schizo-Wirtschaft

Einleitung

'Houston, you have a problem.'
Abwandlung des Satzes von John L. Swigert, Apollo 13

Die Wirtschaft sind wir alle. Und diese Wirtschaft ist krank, denn wir alle wollen alles: als Unternehmer günstiger als andere produzieren und Gewinn machen, als Mitarbeiter beste Arbeitsbedingungen haben und viel verdienen, als Kunde immer billiger und immer bequemer einkaufen, und zwar beste Qualität, und als Bürger die Zukunft der Kinder sichern und die Umwelt retten. Je nachdem, in welcher Rolle wir gerade auftreten, haben wir uns angewöhnt, die anderen Rollen auszublenden beziehungsweise nur so zu tun, als ob wir sie beachten. So wie die Unternehmen, die sich zurzeit überschlagen bei der Überarbeitung ihrer Leitbilder, sich nachhaltiges Management auf die Fahnen schreiben und mit Güte-, Öko- und Biosiegeln um sich werfen. Die aber trotzdem in einer darwinistischen Welt unter Wettbewerbs- und Kostendruck nur den kurzfristigen Nutzen ins Auge fassen.

Unser Ausgangspunkt
Unsere Gesellschaft ist geprägt durch tief greifende Verwerfungen, Widersprüche und sogar Pathologien, angesichts deren es nicht reicht, dass sich ausschließlich Unternehmen irgendwie ändern. Vielmehr ist die gesamte Gesellschaft betroffen: Unternehmen schweben nicht im luftleeren Raum. Sie sind das Ergebnis ihrer Umwelt und sie prägen die Gesellschaft. Die gesamte Gesellschaft ist 'außer Rand und Band', das Fehlverhalten aller Akteure offenkundig. Unternehmen, Konsumenten und Mitarbeiter, aber auch Politik und Medien agieren 'gespalten', was in ökonomische und soziale Irrwege mündet. Und letztlich - aber darauf werden wir nicht näher eingehen - trifft dieses Phänomen auch die katholische Kirche: So sprach Papst Franziskus im Dezember 2014 in einer Rede vor Kardinälen, Bischöfen sowie Priestern über die Vatikanverwaltung und lokalisierte dort eine 'existenzielle Schizophrenie'.
Gerade diese inneren Widersprüche prägen unsere Lebenswelt: Wir leben in einer Schizo-Wirtschaft, in der das eigene Handeln nicht den Normen entspricht, an denen man das Handeln der anderen misst oder die man selbst angeblich einhält. Dies zeigt sich in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen. Unternehmen, Mitarbeiter, Konsumenten, Politiker und Medienschaffende gleichermaßen liefern dafür vielfältige Beispiele:
Ein Schizo-Verhalten offenbart sich in unternehmerischen Widersprüchen. In ihren Leitbildern präsentieren sich Unternehmen als nachhaltig und propagieren dies gegenüber den Kunden und anderen Stakeholdern. Immer weniger gelingt es ihnen jedoch, die komplexen Prozessketten mit zahlreichen Lieferanten, Vorlieferanten und Dienstleistern, meist über den Globus verteilt, zu kontrollieren: Ökologische und soziale Missstände in den Wertschöpfungsketten sind die Folge.
Ein Schizo-Verhalten zeigt sich auch bei Konsumenten, wenn artikuliertes und faktisches Verhalten auseinanderdriften. In demoskopischen Umfragen zeigen sich Verbraucher als sozial und ökologisch orientiert oder gar engagiert. In der realen Einkaufswelt verhalten sich die meisten aber verantwortungslos. Wir alle freuen uns beim Einkaufen über Schnäppchen, ignorieren aber allzu oft die Arbeitsbedingungen, unter denen die Produkte in Niedriglohnländern hergestellt werden; gleichzeitig fordern wir von Unternehmen sozial und ökologisch korrektes Verhalten.
Ein Schizo-Verhalten sieht man auch bei den Mitarbeitern, die sich bei der Gewinnverteilung als Teil des Unternehmens empfinden, bei der Übernahme von Verantwortung aber energisch abwinken. Gerade wenn wir uns in Richtung auf das Phänomen 'Generation Z' bewegen, rücken Versorgungsansprüche immer mehr in den Mittelpunkt, während das Denken 'für' das Unternehmen in den Hintergrund rückt. Auch wenn diese mentale Entkopplung durch unternehmerische Fehlentwicklungen befeuert wird, ändert es nichts am grundsätzlichen Problem.
Ein Schizo-Verhalten gibt es ganz besonders bei Medienvertretern und Politikern. Denn

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