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Das Trojanische Pferd Klassische Mythen erklärt. von Schmeh, Klaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2007
  • Verlag: Haufe-Lexware
eBook (ePUB)
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Das Trojanische Pferd

Jeder hat schon einmal vom gordischen Knoten oder vom Faden der Ariadne gehört. Doch woher stammen diese Redensarten und wie kann man sie geschickt in eigene Reden und Gespräche einbauen?

Inhalte:

75 Redensarten, die auf die Antike zurückgehen.
Woher stammen sie, wie hängen sie mit anderen Mythen zusammen und welche Motive finden sich in Literatur und Oper?

Klaus Schmeh ist Fachjournalist und erfolgreicher Buchautor. Hauptberuflich ist er Informatiker und als Produktmanager in der Industrie tätig. Er gehört zu den führenden Verschlüsselungsexperten Deutschlands.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 18.09.2007
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783648009314
    Verlag: Haufe-Lexware
    Größe: 1397kBytes
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Das Trojanische Pferd

37. Prokrustes-Bett (S. 82-83)

Der griechische Sagenheld Prokrustes, seines Zeichens Riese und Sohn des Poseidon, hatte einen wenig ehrbaren Beruf: Er war Wegelagerer. An der Straße von Eleusis nach Athen bot er arglosen Reisenden eine Unterkunft an. Nahm ein Wanderer die Einladung an, dann fand er sich umgehend gefesselt auf einem Eisenbett liegen. Handelte es sich um einen großen Menschen, dann gab ihm Prokrustes ein kleines Bett und hackte ihm die Füße ab, damit der arme Kerl hineinpasste. War der Gast dagegen klein, dann legte ihn der Riese in ein großes Bett und zog ihn gewaltsam in die Länge. Am Ende sorgte jedoch Theseus – ebenfalls ein Sohn des Poseidon – dafür, dass Prokrustes das Handwerk gelegt wurde. Er schlug seinen Halbbruder mit dessen eigenen Waffen: Er legte Prokrustes in ein zu kleines Bett und haute ihm den Kopf ab.

Viel mehr als das Gesagte gibt es über Prokrustes nicht zu berichten, denn dieser spielt in der griechischen Mythologie nur eine Nebenrolle. Dennoch gehört das "Prokrustes-Bett" zu den bekanntesten Gegenständen aus der antiken Sagenwelt – bis heute ist es als Redewendung in Gebrauch. Als "Prokrustes-Bett" bezeichnet man eine Vorrichtung, die irgendwelche Dinge bearbeitet und keine Rücksicht darauf nimmt, dass diese unterschiedlich beschaffen sein können. Mit dem Satz "Was nicht passt, wird passend gemacht" lässt sich die Funktionsweise eines Prokrustes-Betts am besten beschreiben. Oder anders ausgedrückt: Ein Prokrustes-Bett schert alles über einen Kamm.

In der Bildungspolitik ist das Prokrustes-Bett eine beliebte Argumentationshilfe für die Befürworter eines mehrgliedrigen Schulsystems. Es ergebe keinen Sinn, so deren Argumentation, Kinder in ein Prokrustes-Bett namens Gesamtschule zu stecken. Die Gegenpartei hält normalerweise dagegen, dass die Gesamtschule gerade kein Prokrustes-Bett sei, da sie sich den Bedürfnissen der Schüler anpasse. In der Wirtschaft ist ein Prokrustes-Bett ein wirkungsvoller Ideenkiller, wenn jemand versucht, etwas zu vereinheitlichen. Nehmen wir etwa an, einer Ihrer Kollegen schlägt den unternehmensweiten Einsatz eines bestimmten Computer-Programms vor, um den bisherigen Wildwuchs – jede Abteilung setzt etwas anderes ein – zu beenden.

Wenn Sie etwas gegen diese eigentlich sinnvolle Maßnahme haben, dann sollten Sie wie folgt argumentieren: "Ich halte nichts davon, für diese Aufgabe ein Prokrustes-Bett in Form der Software XY einzusetzen. Schließlich hat jede Abteilung andere Anforderungen." Wer mag angesichts dieses gebildet klingenden Einwands noch widersprechen? Ähnliche Gegenargumente funktionieren natürlich auch, wenn irgendwelche Erbsenzähler im Unternehmen Prozesse oder Strukturen einheitlich gestalten wollen. Wollen Sie Ihre Einwände rhetorisch auf die Spitze treiben, dann hilft vielleicht ein Hinweis wie der folgende: "Diese Gleichmacherei erinnert mich an das Prokrustes-Bett. Und Prokrustes wurde am Ende der Kopf abgeschlagen."

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