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Mehdorn, die Bahn und die Börse Wie der Bürger auf der Strecke bleibt von Wacket, Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2008
  • Verlag: Redline Verlag
eBook (ePUB)
15,99 €
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Mehdorn, die Bahn und die Börse

Streckenstilllegungen, Streiks, Preiserhöhungen und Privatisierungspläne: Verlieren wir unsere Bahn? Unnachgiebig treibt Bahnchef Hartmut Mehdorn den Staatskonzern seit Jahren auf marktwirtschaftlichen Kurs - trotz aller Proteste von Mitarbeitern und Kunden und gegen alle Widerstände aus der Politik. Obwohl eigentlich Angestellter des Staates, strebt er mit aller Gewalt eine Privatisierung und den Umbau zum internationalen Logistikkonzern an. Bürger und Bahnkunden befürchten, dass dabei Volksvermögen unwiederbringlich verschleudert wird und sie letztendlich die Zeche zahlen - ganz zu schweigen vom drohenden Ende der flächendeckenden Bahn für alle. Der Journalist Markus Wacket beschäftigt sich seit Jahren mit der Entwicklung der Deutschen Bahn. Er zeigt, mit welchen Methoden Hartmut Mehdorn das Staatsunternehmen nach seinen Vorstellungen umbaut, wie er gegen Kritiker vorgeht und wie er zu einem der mächtigsten und umstrittensten Manager Deutschlands geworden ist.

Markus Wacket, Absolvent der Henri-Nannen-Schule, arbeitet als wirtschafts- und verkehrspolitischer Korrespondent für die Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Zuvor war er mehrere Jahre Reporter bei der Deutschen Welle. Markus Wackert schrieb u.a. für Die Zeit und Die Woche.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 18.03.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864146053
    Verlag: Redline Verlag
    Größe: 575 kBytes
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Mehdorn, die Bahn und die Börse

1.
Der Zug zur Börse

"Im Grunde agieren wir bereits wie ein börsennotiertes Unternehmen, wir sind es nur noch nicht.

Diesen Schritt gilt es nun zu tun. Man muss sich an den Erfolgreichen orientieren."
Hartmut Mehdorn – die Lokomotive

Der Mann hat es eilig. Es geht um seinen Traum. Mit kurzen, schnellen Schritten durchquert er die Eingangshalle, die Rolltreppe lässt er links liegen, hastet die Treppe hinauf, dann nach rechts durch die Glastür. Alles scheint hier aus Glas zu sein. Blickt er hinaus, sieht er in seinen Bahnhof. Hell, modern, effizient, sauber, kein Obdachloser weit und breit. Nicht einmal ein Zug. Nur Geschäfte und Boutiquen. So mag er es. Eigentlich ist die "Austernbar" hier ein schöner Platz für eine Feier mit ein paar Kollegen aus dem Vorstand; man könnte in kleiner Runde auf die Aktie "B" anstoßen, auf das erfolgreiche Börsendebüt der Deutschen Bahn. Ein Börsengang ist so etwas wie die Krönung für einen Manager, der Ritterschlag der Welt des Kapitals.

Es ist November und es ist kurz vor 9 Uhr morgens. Morgens feiert man nicht. Für Träume ist es schon ein bisschen spät und um seinen steht es ohnehin schlecht. Hartmut Mehdorn ist jetzt 64 Jahr alt. Er setzt sich mit dem Rücken zu den Boutiquen und blickt in die Gesichter seiner gut 25 Gäste. Fast alle Journalisten sind gekommen, und er weiß, warum: Weil das Projekt Börsengang zu scheitern droht, weil sie darauf lauern, dass er in wenigen Minuten von seinem Traum Abschied nimmt. Viele glauben, Hartmut Mehdorn geht gleich mit.

Niemand wird ihm vorwerfen, er habe nicht alles getan. Sieben Jahre hat er gerackert, sein Job gilt als der härteste in der deutschen Wirtschaft. Die Deutsche Bahn, ein Staatsunternehmen und Milliardengrab, angeblich unsanierbar mit zehntausenden Beamten. Regelmäßig landet er bei Umfragen zu Deutschlands Topmanagern ganz unten. Und doch hat er getan, was ein Mann in dieser Position tun muss: Er hat Zehntausende von Arbeitsplätzen gestrichen, hat sich von Kunden, Gewerkschaften und Mitarbeitern beschimpfen lassen. Er hat Manager gefeuert und fast alle Vorstandskollegen ausgetauscht. Er hat Verräter aufgespürt, angeprangert und gefeuert.

Aber er hat noch mehr getan als das, was andere auch machen: Er hat Machtkämpfe mit seinem Chefkontrolleur aus dem Aufsichtsrat gewonnen und seine Kunden ermahnt, ihren Müll gefälligst nicht in seinen Zügen liegen zu lassen. Er hat den Verkehrsminister entmachtet und sich mit den Schwestern der Bahnhofsmission verkracht. Er hat eine Bundesministerin öffentlich als unfähig bezeichnet und eine Ausstellung über jüdische Kinder auf dem Weg ins KZ vorerst verhindert.

Er hat in sieben Jahren wenige Worte der Entschuldigung verloren und viele Feinde gewonnen.

Sicher, er muss viel einstecken in Deutschland, "wo die Menschen als erste Fremdsprache das Meckern lernen": Die Züge spät, langsam oder zu teuer, die Schaffner muffelig oder die Bahn ist ein arroganter Monopolist. Und schuld daran ist natürlich sein Börsengang. Dann wird zurück gerempelt, gerauft, geschubst und geschimpft. Eine Lok unter Volldampf, der Kessel glüht und das Ventil muss auf.

Wohl nur solch ein Mann kann etwas so Schwerfälliges wie ein Staatsunternehmen mit 230.000 Beschäftigen, mächtigen Gewerkschaften und Politikern als Bremsklötzen voranbringen. Dahin, wo die Freiheit für das Unternehmen nach Überzeugung des Flugzeugingenieurs fast grenzenlos ist: Auf den weltweiten Logistikmarkt, mit milliardenschweren Investoren im Rücken, Asien und Amerika vor Augen und keine Politiker mehr im Weg, für die er seine ICE-Z&uu

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