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Deutschland dreht durch Die Wahrheit über die AfD von Bednarz, Liane (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.02.2015
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Deutschland dreht durch

Die AfD ist in aller Munde. Aber was steckt wirklich hinter der neuen Partei? Die altbekannte Rechte? Oder etwa doch eine 'Partei neuen Typs', bürgerlich und mit wirtschaftlichem Sachverstand? Liane Bednarz und Christoph Giesa verfolgen die Entwicklung vom ersten Tag an und haben sich nun die Mythen rund um die AfD vorgenommen und auf ihre Stichhaltigkeit überprüft. Und zwar mit spitzer Feder, zu keinem Zeitpunkt trocken und in dieser Form bisher einmalig.

Liane Bednarz, Jahrgang 1974, ist Juristin und Publizistin. Zahlreiche Veröffentlichungen in der "Tagespost", im "Tagesspiegel", in "Christ & Welt"/DIE ZEIT, im "European" und auf den Autoren-Blogs "Starke Meinungen" und "CARTA". 2014 wurde sie mit dem Feuilletonpreis "Goldener Maulwurf" ausgezeichnet. Sie lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 76
    Erscheinungsdatum: 03.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446248946
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Größe: 3754 kBytes
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Deutschland dreht durch

Der Mythos von den Einzelfällen

Im ersten Kapitel ist deutlich geworden, dass es sich bei der AfD nicht um etwas Neues, sondern um eine herkömmliche Partei irgendwo am rechten Rand handelt. Natürlich könnte man sich jetzt darüber streiten, wo genau sie zu verorten ist. Und wahrscheinlich hat dazu jeder seine ganz eigene Meinung und dafür jeweils treffende Beispiele. Viel wichtiger ist deshalb etwas ganz anderes: Wie sehen die politischen Forderungen der Partei, auf konkrete Probleme heruntergebrochen, aus? Welches Leitmotiv setzt sich im täglichen Umgang miteinander durch? Was wäre zu erwarten, kämen AfD-Politiker in führende Funktionen? Wie schon in der Einleitung deutlich wurde: Wir vermuten, dass das Leitmotiv der AfD der Hass ist. Hass gegen alles, was anders ist. Oder wie es der Bielefelder Professor Wilhelm Heitmeyer genannt hat: "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". 51 In diesem Konzept werden verschiedene Formen der Menschenfeindlichkeit aufgezählt, die nicht überschneidungsfrei sein müssen. Dazu gehören: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, die Abwertung von Sinti und Roma, Asylbewerbern, Behinderten, Obdachlosen und Langzeitarbeitslosen sowie Homophobie und Sexismus. Finden sich diese Ausprägungen flächendeckend auch in der AfD? Oder handelt es sich doch, wie die Parteispitze immer wieder gerne behauptet, um "Einzelfälle"?

Die größten Blöcke gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in der öffentlichen Wahrnehmung sind sicherlich Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Islamfeindlichkeit und Antisemitismus. Auf diese wollen wir daher zunächst den Blick lenken. Gleich zu Beginn, auf dem Gründungsparteitag der Bundes-AfD, rückte der wohl meist fotografierte Mann der Veranstaltung, ein Russlanddeutscher namens Viktor Kasper, in den Fokus der Berichterstattung. Er war durch eine schwarz-rot-goldene Schärpe und das fleißige Schwenken einer Deutschlandfahne aufgefallen, was für sich genommen erst einmal nur etwas skurril, aber nicht problematisch wirkte. Als dann allerdings erste Zweifel an seiner demokratischen Haltung aufkamen, sprangen ihm und der AfD fleißige Kommentatoren in den sozialen Netzwerken zur Seite: "Wo käme man denn hin, wenn man gleich als Nazi bezeichnet würde, nur weil man seine patriotische Gesinnung zeigt?", wurde da empört hyperventiliert. Dummerweise war dieser fröhliche Fahnenschwenker aber dann doch kein unbedarfter Patriot, sondern ein Aktivist mit Verbindungen zur NPD und Anmelder einer Demo, "die wegen mutmaßlicher Nähe zu rechtsextremen Kreisen untersagt wurde", wie die Bild herausfand. 52 Die AfD hatte ihren ersten offiziellen Problemfall und leitete nach eigenen Angaben ein Ausschlussverfahren ein, zu dessen Stand sie sich allerdings auch anderthalb Jahre später nicht äußern will. 53

Dass von diesem Fall in irgendeiner Form ein positives Signal ausgegangen wäre, kann man nicht behaupten. Vielmehr ist das Gegenteil richtig: Die AfD hat bis heute quer durch alle Landesverbände mit öffentlichkeitswirksamen menschenfeindlichen Ausfällen ihrer Mitglieder zu kämpfen. Eine dreistellige Zahl von Fällen ist dokumentiert - eine schier unglaubliche Quantität für eine so junge Partei mit einer immer noch recht geringen Mitgliederzahl, die sich gerade einmal im Bereich der Hälfte dessen bewegt, was die Piratenpartei zu ihrer besten Zeit erreichen konnte. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch deutlich höher liegen, weil ja nur derjenige auffallen kann, der sein rechtsradikales oder gar rechtsextremes Gedankengut öffentlich äußert. Stefan Milkereit etwa, der im Bundesvorstand der AfD saß und auf Twitter zeigte, dass er wissenschaftlich mindestens so viel drauf hat wie Thilo Sarrazin. Dessen gesellschaftspolitischen Beitrag hatte er bereits zuvor als den wichtigsten nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. 54 Adenauer? Adorno? Brandt? Kohl und Genscher? Ach was! Sarrazin! Aber Milkereit wollte offenbar genauso hoch hinaus

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