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Bankomat Die Millionenverluste der Südtiroler Sparkasse von Franceschini, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.12.2015
  • Verlag: Edition Raetia
eBook (ePUB)
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Über eine halbe Milliarde Euro an Verlusten, der Wert der Aktien innerhalb weniger Jahre um zwei Drittel gesunken, der Dolomit-Investmentfonds ein Verlustgeschäft für die Anleger - die Südtiroler Sparkasse erscheint als Opfer der Wirtschaftskrise. Doch damit lassen sich die Millionenverluste nicht erklären. Sie sind das Ergebnis von Fehlentscheidungen, ignorierten Warnungen der Bankenaufsicht, faulen Krediten lokaler Unternehmen, Experimenten mit Immobilienfonds und einer ungezügelten Expansionspolitik. Und immer wieder taucht in den Berichten der Banca d'Italia das Wort 'Interessenskonflikt' auf, das für viele in Südtirols Wirtschaft ein Fremdwort zu sein scheint. Geboren 1964 in Eppan, ist freier Journalist, Buchautor und Dokumentarfilmer. Er studierte an der Universtität Innsbruck Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft. Er arbeitete für den Rai Sender Bozen, die Wochenzeitung FF und südtirol profil und von 1996 bis 2013 als politischer Redakteur für die Neue Südtiroler Tageszeitung. Für die sechsteilige TV-Dokumentation 'Bombenjahre. Geschichte der Südtiroler-Attentate' erhielt er 2005 den Claus-Gatterer-Preis. Bei Edition Raetia: 'SELfservice. Ein Südtiroler Skandal' (2014).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 12.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788872835609
    Verlag: Edition Raetia
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Riservatissimo

Das vernichtende Urteil der Banca d'Italia

Verluste in Südtirol größer als in Norditalien

D ie Watsche sitzt. Als die Herren und die Dame der Banca d'Italia am 30. Juni 2015 kurz nach 17 Uhr den Hauptsitz der Sparkasse verlassen, um noch den Zug nach Rom zu schaffen, sitzt man im Verwaltungsrat noch fast eine Stunde lang zusammen. Die Stimmung unter den zwölf Anwesenden erinnert an ein Begräbnis.

Gerhard Brandstätter, Carlo Costa, Nicola Calabrò, Marco Carlini, Sieglinde Fink, Stephan Jäger, Hans Krapf, Katrin Rieper, Klaus Vanzi und die Aufsichtsräte Martha Florian von Call, Massimo Biasin und Walter Schweigkofler sitzen an diesem Nachmittag wie begossene Pudel da. Fast drei Stunden lang haben die hohen Vertreter der Bankenaufsicht und die Spitze des Bozner Banca-d'Italia-Sitzes damit verbracht, dem Verwaltungs- und Aufsichtsrat der Sparkasse ein Zeugnis zu überreichen, das vernichtender kaum hätte sein können.

Dass mit Ciro Vacca an diesem Nachmittag auch der Leiter des Inspektions- und Prüfdienstes der römischen Bankenaufsicht in die Sparkasse kommt, zeigt, wie ernst man in Rom die Situation rund um die Südtiroler Traditionsbank sieht. Vacca und die Chefinspektorin der Banca d'Italia, Maria Carla Malinconico, stellen dem Verwaltungsrat einen 13 Seiten langen Bericht vor, der die Geschicke der Sparkasse noch lange beeinflussen wird.

Fünf Monate lang, vom 8. Oktober 2014 bis zum 6. März 2015, haben acht Inspektoren der Banca d'Italia die Sparkasse auf Herz und Nieren geprüft. Es gibt kaum einen Kreditakt, den die Abgesandten der Bankenaufsicht nicht unter die Lupe genommen haben. Dazu hat man alle Abteilungen und Bereiche der Bank auf den Kopf gestellt und analysiert.

Die Ergebnisse der Inspektion werden in 15 sogenannten "Beanstandungen" im Abschlussbericht der Bankenaufsicht beschrieben, der an jenem Nachmittag Gerhard Brandstätter & Co vorgelesen und überreicht wird.

Was sich die Führung der Südtiroler Bank dabei anhören muss, ist der eindeutig schärfste und härteste Bericht, den die römische Bankenaufsicht jemals einer größeren Südtiroler Bank zugestellt hat. Der Bericht ist dabei nur das Vorspiel für Verwaltungsstrafen in Millionenhöhe gegen die früheren Verwaltungs- und Aufsichtsräte, die noch folgen werden.

Vor allem aber ist der Bericht ein Logbuch der Misswirtschaft und des völligen Versagens der Sparkassenführung in den Jahren zwischen 2009 und 2014. Die Situationsbeschreibung der Bank ist erschreckend, die Eigenständigkeit scheint ernsthaft gefährdet zu sein.
Note 5 - Vorwiegend negativ

Als Aufsichtsbehörde prüft die Banca d'Italia periodisch die italienischen Banken und gibt bei solchen Inspektionen am Ende eine Bewertung ab. Die Bewertungsskala erinnert an Schulnoten und reicht von 1 bis 6, wobei 1 "positiv" (favorevole) , 2 "vorwiegend positiv" (in prevalenza favorevole), 3 "teilweise positiv" (parzialmente favorevole), 4 "teilweise negativ" (parzialmente sfavorevole), 5 "vorwiegend negativ" (in prevalenza sfavorevole) und 6 "negativ" (sfavorevole) bedeutet.

Die Prüfung endet für die Sparkasse mit der Note 5. Weiß man, dass die Bewertung 6 automatisch die Ernennung eines Kommissars nach sich zieht, dann wird klar, wie ernst es um die Sparkasse bestellt ist. Bereits in den ersten Zeilen des Berichts heißt es:

"Die Prüfung wurde mit dem Ergebnis vorwiegend negativ [im Original: in prevalenza sfavorevole] abgeschlossen. Dieses Ergebnis ist auf das hohe Kreditrisiko und auf die daraus folgenden Auswirkungen auf die wirtschaftliche und Vermögenssituation der Bank zurückzuführen, aber auch im Kontext einer unangemessenen Führung der Gruppe zu sehen."

Weil die Banca d'Italia formal die Sparkasse sowie deren Tochterunternehmen - die

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