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Gegen die Gewalt Warum Liebe und Gerechtigkeit unsere besten Waffen sind von Pfeiffer, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.11.2019
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
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Gegen die Gewalt

Deutschlands bekanntester Kriminologe zieht Bilanz Statistiken zeigen: Deutschland war selten so sicher wie heute. Mit der gefühlten Kriminalitätstemperatur stimmt das aber nicht überein. Seit über vierzig Jahren beschäftigt sich der bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer mit der Gewalt in Deutschland. Egal, ob es um Jugendkriminalität, häusliche Gewalt oder den vermeintlichen Anstieg der Straftaten durch Auslänger geht, Pfeiffer ist ein gefragter Experte. Sein Buch klärt auf: Er zeigt, wo wir im Kampf gegen die Gewalt schon Siege gewonnen haben, aber auch, wo wir uns neuen Herausforderungen stellen müssen. Anhand aktueller Forschungsergebnisse und persönlicher Erfahrungen erklärt Pfeiffer, wie wir diesen begegnen sollten: Mit einem neuen Gemeinsinn, mehr Liebe und Gerechtigkeit - zum Wohle aller. Christian Pfeiffer, geboren 1944, ist Kriminologe und ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Von 2000 bis 2003 war Pfeiffer für die SPD niedersächsischer Justizminister. In den Medien ist er ein gefragter Experte, der mit seinen Thesen immer wieder Kontroversen auslöst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 04.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641234195
    Verlag: Kösel
    Größe: 2026 kBytes
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Gegen die Gewalt

W ie wurde ich Kriminologe?

Ausgangspunkt sind für mich meine Kindheit und Jugend in einer Bauernfamilie. Ich bin das jüngste von vier Kindern (zwei Brüder, eine Schwester). Bis Oktober 1952 leben wir auf einem mittelgroßen Hof in Biegen in der Nähe von Frankfurt / Oder. Zu Hause erleben wir eine große Geborgenheit in der Familie. Sie ist von starken, sehr liebevollen Eltern geprägt und von einer wunderbaren Tante Dora, Schwester unserer Mutter, die immer bei uns lebte. Doch plötzlich ist Schluss mit dieser Idylle.

Unsere Eltern und Tante Dora entscheiden sich zur Flucht aus der DDR . Sie leiden unter den ständigen Übergriffen der Politikfunktionäre auf das bäuerliche Leben und auf die Schulbildung von uns Kindern. Sie sehen für sich und uns vier keine Zukunft in einem Land, das zu einer engstirnigen, kommunistischen Diktatur geworden ist. Im Oktober 1952 reisen wir ohne großes Gepäck in drei verschiedenen Zügen nach Berlin. Wir verlassen den Hof, der seit 1648 im Besitz der Familie war. Ich bin acht Jahre alt. Auf einmal sind wir arm, besitzen nur das, was wir am Leibe tragen und was in ein paar Päckchen im Westen angekommen war.

Diese Armut ist durchaus belastend. Aber als viel schlimmer habe ich etwas anderes empfunden - die Ausgrenzung als Flüchtling. In der dritten Grundschulklasse bin ich das einzige evangelische Kind. Ich spreche noch kein Bayrisch. Und so werde ich gehänselt, als Außenseiter behandelt, nicht zu Geburtstagen eingeladen. Ich gehöre einfach nicht dazu. Dazu eine kleine Geschichte:

Die Jungen meiner Klasse laden mich plötzlich dazu ein, beim Fangen auf dem Schulhof und dem angrenzenden Hofgelände eines Bauern mitzuspielen. Ich bin glücklich. In der Rolle des Jägers will ich einen schnellen Jungen erwischen. Der macht auf dem Weg zur Einfahrt des Hofes einen erstaunlichen Umweg. Das ist meine Chance. Ich nehme den kurzen, direkten Weg - und lande im Feuereifer des Jagens in der Jauchegrube. Sie ist nur von einer Strohschicht bedeckt. Alle anderen wissen das. Am Rande steht der Knecht, den die Jungen vorher informiert haben. Er zieht mich raus. Die anderen lachen und feixen. Vor mir liegt der Fußweg quer durch die Kleinstadt, weinend und von Kopf bis Fuß stinkend. Meine Außenseiterrolle verliere ich erst am Gymnasium im oberbayerischen Mühldorf am Inn. Alle Flüchtlingskinder meines Jahrgangs besuchen dieselbe Klasse. Das erleichtert es mir sehr, mich schrittweise auf meine neue Heimat einzulassen.

Nach Abitur und Bundeswehr entscheide ich mich dafür, an der Universität München Jura zu studieren. Streitfragen zur Gerechtigkeit haben mich schon in der Schulzeit stark interessiert. Mein Schwerpunkt liegt klar im Öffentlichen Recht. Vor allem das Verfassungsrecht fasziniert mich. Nach dem Examen will ich gestützt auf ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes an der London School of Economics and Political Science über zwei englische Staatsphilosophen recherchieren. Die Untersuchung soll meine verfassungsrechtliche Doktorarbeit vorbereiten. Doch auf einmal wird mir in der Einsamkeit der ersten Wochen in der fremden Welt Londons etwas richtig bewusst: Ich habe mich im Studium zu stark an den Erwartungshaltungen meiner Familie und Freunde, meiner Professoren und meines Doktorvaters orientiert. Meine Ziele haben sich dadurch von außen nach innen entwickelt. So will ich nicht weitermachen. Das Jahr in London nutze ich nun zur Befreiung von freundschaftlich-liebevoller Bevormundung. Ich begebe mich auf die Suche und lande plötzlich in der Vorlesung des Psychologieprofessors H. J. Eysenck.

Eysenck ist damals ziemlich berühmt. Er hat ein umstrittenes Buch über Kriminalität und Persönlichkeit geschrieben. Eine zentrale Aussage lautet, besonders die Gewaltkriminalität sei primär das Resultat von ererbten Einflussfaktoren. Was er zur Persönlichkeit von Straftätern schreibt, erscheint mir zu ideologisch und nicht hinreic

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