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Herrhausen: Banker, Querdenker, Global Player Ein deutsches Leben von Sattler, Friederike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.11.2019
  • Verlag: Siedler
eBook (ePUB)
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Herrhausen: Banker, Querdenker, Global Player

Dreißig Jahre nach seiner Ermordung: ein neuer Blick auf Alfred Herrhausen Er war geprägt von der Erziehung an einer NS-Eliteschule, verwurzelt im rheinischen Kapitalismus, vernetzt mit den Spitzen von Politik und Wirtschaft - und zugleich war Alfred Herrhausen seiner Zeit immer voraus. Seine Karriere als Quereinsteiger bei der Deutschen Bank schien unaufhaltsam, bis sie durch ein vermutlich von der RAF verübtes Attentat im November 1989 ein jähes Ende fand. In ihrer umfassenden Biographie zeigt Friederike Sattler, dass Herrhausen ein Visionär war, der immer auch die gesellschaftlichen Folgen seines Handelns mit bedachte und sich etwa für einen Schuldenerlass gegenüber der 'Dritten Welt' engagierte. Das Buch erkundet auch die Frage, inwiefern er mitverantwortlich war für die Probleme, mit denen die Deutsche Bank heute so schwer zu kämpfen hat. Friederike Sattler wurde an der Freien Universität Berlin in Wirtschaftsgeschichte promoviert und lehrt seit 2012 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Finanzgeschichte, zuletzt u. a. über den Dresdner Bank-Manager Ernst Matthiensen, die europäischen Wirtschaftseliten und die langfristige Entwicklung von Wertpapiermärkten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 816
    Erscheinungsdatum: 18.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641187767
    Verlag: Siedler
    Größe: 8020 kBytes
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Herrhausen: Banker, Querdenker, Global Player

Einleitung

Als Vorstandssprecher der Deutschen Bank sicher einer der profiliertesten Vertreter der deutschen Großbanken im 20. Jahrhundert, war Alfred Herrhausen zugleich eine Schlüsselfigur der Zeitgeschichte. Er trieb nicht nur den Aufbruch seines Hauses ins globale Bankgeschäft voran und positionierte es durch Übernahmen im In- und Ausland in der Spitzengruppe international tätiger Institute, sondern war mit seinen brillanten Analysen zur weltwirtschaftlichen Lage und pointierten Stellungnahmen zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik auch weithin in Politik und Öffentlichkeit präsent. Sich mit seiner Lebensgeschichte und seinem Wirken auseinanderzusetzen führt mitten hinein in die Zeit der 1970er- und 1980er-Jahre, eine von vielfältigen Umbrüchen geprägte Epoche, deren Auswirkungen unsere Gegenwart noch immer mitbestimmen.

Als Herrhausen Anfang 1930 in Essen geboren wurde, war für ihn der Weg an die Spitze der größten deutschen Geschäftsbank keineswegs vorgezeichnet, stammte er doch aus eher einfachen, handwerklich-mittelständisch geprägten Verhältnissen. 1 Später einmal nach den Quellen des Erfolgs seiner so beeindruckend verlaufenden Karriere befragt, tat er kund, das "Motto meines Lebens" sei folgendes gewesen: "Ich habe immer fleißig gearbeitet, weil ich mir gesagt habe, das, was du an Talenten hast, (...) das musst du verbinden mit Einsatz, Engagement und Fleiß. (...) Und es hat geklappt. Ich habe mir auch nie groß Sorgen darüber gemacht. Ich bin immer fest davon überzeugt gewesen, dass die Kombination dieser beiden Eigenschaften, Intelligenz und Fleiß, dass die ausreichen, um nach oben durchzustoßen." 2 Und als Motiv dafür, überhaupt "nach oben durchstoßen" zu wollen, gab er an: "Ich wollte immer etwas gestalten. (...) Ich wollte immer Konzeptionen entwickeln und sie realisieren. Ich wollte immer dazu beitragen, dass Zustände besser werden, dass Fortschritt eintritt, dass Lösungen erarbeitet werden, die stimmen." Sein Lebens- und Berufsweg ist in der Tat geprägt von einem hohen Leistungsideal, das er von seinen Eltern vermittelt bekam und in der Zeit auf einer NS -Eliteschule noch tiefer verinnerlichte. Es machte einen wichtigen und beständigen Teil seiner Identität aus.

Doch auf individueller Leistung allein beruhte Herrhausens Karriere nicht, auch die Zeitumstände waren trotz aller augenscheinlicher Widrigkeiten günstig. Als er 1952 mit dem Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft fertig war, hatte die westdeutsche Industrie kräftig zu boomen begonnen, und so fand er ohne Schwierigkeiten den angestrebten Berufseinstieg in der Energiewirtschaft. Bei der Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG in Dortmund, für die er 15 Jahre als Finanzexperte tätig war, stieg er - gleichsam getragen vom "Wirtschaftswunder" - bis 1967 in den Vorstand auf. Und nur zwei Jahre später erhielt er das damals höchst ungewöhnliche Angebot, als haus- und branchenfremder Kandidat in den Vorstand der Deutschen Bank nach Düsseldorf zu wechseln, das er ohne Zögern annahm, auch wenn sich daraus Spannungen im Privaten ergaben. Friktionslos und unproblematisch war dieser Wechsel also nicht, aber naheliegend, denn die Bank bot Herrhausen eindeutig die von ihm gesuchten interessanteren beruflichen Perspektiven und Herausforderungen.

Von den Kollegen als Branchenneuling anfangs durchaus kritisch beäugt, gelang es ihm bald, sich auch hier Anerkennung zu verschaffen, nicht zuletzt mit fundierten Wirtschafts- und Währungsanalysen und seinem ausgeprägten Engagement für das im Zeichen der ersten Ölpreiskrise kräftig expandierende Auslandsgeschäft. Im Frühjahr 1985 stieg er zu einem der beiden Vorstandssprecher der Deutschen Bank auf und begann, sich für deren grundsätzliche Neuausrichtung im kommenden europäischen Binnenmarkt und einer sich globalisierenden Welt einzusetzen. Gleichzeitig trat er allerdings immer

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