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Wirtschaft zum Glück Solidarisch arbeiten, heute, weltweit

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2012
  • Verlag: Rotpunktverlag
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Wirtschaft zum Glück

Der Kapitalismus stolpert von einer Krise zur nächsten - immer mehr Menschen zweifeln an einem Wirtschaftssystem, in dem nur der Profit zählt. Doch eine andere Wirtschaft ist möglich: Sie stellt die Bedürfnisse der Menschen und die ökologische Tragfähigkeit ins Zentrum. Wirtschaft zum Glück zeigt Beispiele aus mehreren Kontinenten. Da sind etwa die Frauen des indischen Kooperativenverbands Sewa, die sogar eine eigene Akademie aufgebaut haben. Da ist die italienische Provinz Reggio Emilia, wo Genossenschaften ein Drittel der regionalen Wertschöpfung erwirtschaften. Im österreichischen Waldviertel trotzt eine Schuhfabrik mit neuen Ideen der Desindustrialisierung. In Genf arbeiten immer mehr Bauern und Gemüsegärtnerinnen direkt mit den Konsumenten zusammen und verändern so die ganze Lebensmittelversorgung. Alternative Banken zeigen, dass auch Finanzplätze jenseits der Abzockerei möglich sind. Und in China erprobt ein Dorf den solidarischen Tourismus - gegen alle Behinderungen von oben. Texte von Susan Boos, Bettina Dyttrich, Stefan Howald, Wolf Kantelhardt, Joseph Keve, Pit Wuhrer und anderen.

Bettina Dyttrich, geboren 1979, ist Redakteurin der Wochenzeitung WOZ mit den Schwerpunkten Landwirtschaft, Ökologie und Geschlechter. Im Rotpunktverlag erschien 2005 ihr Wanderbuch Kreuz und quer durchs Toggenburg. Sie lebt in St.Gallen. Pit Wuhrer, geboren 1950. Anfang der Achtzigerjahre Mitbegründer des Konstanzer Stadtmagazins Nebelhorn. Seit 1991 ist er Auslandsredakteur der Wochenzeitung WOZ. Im Rotpunktverlag u. a. erschienen Die Trommeln von Drumcree. Nordirland am Rande des Friedens (2000, vergriffen).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 22.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783858694997
    Verlag: Rotpunktverlag
    Größe: 1229 kBytes
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Wirtschaft zum Glück

Genossenschaften in der Schweiz

Stumpen für die Massen

Genossenschaften haben in der Schweiz eine lange Tradition. Heute reicht die Palette von selbstverwalteten Genossenschaftsbetrieben über traditionelle Alpgenossenschaften bis zu den Detailhandelsriesen. Dennoch gibt es Verbindendes.
Von Stefan Howald

Vom selbstverwalteten alternativen Kleinbetrieb bis zum Großverteiler: Genossenschaften prägen die Wirtschaft mit. In einem Land mit großer genossenschaftlicher Tradition lohnt sich in Zeiten der Krise ein Blick zurück in die Geschichte dieser Rechtsform. Denn wer weiß, vielleicht werden daraus bald wieder "Inseln der Zukunft", die aufzuschütten an Popularität gewinnt. Oder entlassene ArbeiterInnen erinnern sich dieser Methode der Selbsthilfe.

Die Genossenschaft ist eine Rechtsform, eine Körperschaft, die "die Förderung oder Sicherung bestimmter wirtschaftlicher Interessen ihrer Mitglieder in gemeinsamer Selbsthilfe bezweckt", wie es im Schweizerischen Obligationenrecht heißt. Jeden Gewinn, den die Genossenschaft erarbeitet, muss sie an ihre Mitglieder verteilen. Keine Aufhebung, aber eine Einschränkung des Profitprinzips.
Konsumvereine für Unfreie

In der Eidgenossenschaft steckte von Beginn weg die Genossenschaft. Das war zuerst einmal ein politisches Bündnis, aber dann auch eine soziale Institution: Alpkorporationen, Allmenden, Sennereigenossenschaften. Die freie Vereinigung der Freien. Die Unfreien hatten freilich das Nachsehen.

Die Zahl der Unfreien wuchs mit der industriellen Revolution. Am 18. Oktober 1851 zeichnete der Sozialreformer Karl Bürkli den ersten Aktienschein des Konsum-Vereins Zürich. Vorangegangen waren Versuche in Genf, Glarus und Basel, die sich ihrerseits auf die englischen Pioniere von Rochdale beriefen. 1844 hatten 28 Weber aus Rochdale bei Manchester auf Anregung des englischen Frühsozialisten Robert Owen eine Konsum- und Spargenossenschaft gegründet, um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit gegenüber den Fabrikbesitzern zu stärken. Ein paar Jahre später ging es auch in der Schweiz darum, den verarmten Massen verbilligtes Brot und gelegentlich auch verbilligte Stumpen anzubieten.

Bürkli initiierte zudem die Zürcher Kantonalbank (ZKB) - gegen Alfred Eschers Schweizerische Kreditanstalt und unter dem Slogan "Volksbank statt Herrenbank". Die Reform des Banken- beziehungsweise Kreditwesens ging mit dem Genossenschaftsprinzip parallel, angeregt durch frühsozialistische Theorien, im Falle der ZKB aber eher kleingewerblich orientiert. Auf Vorschlag von Bürkli schafften es die Genossenschaften in die 1869 angenommene Zürcher Kantonalverfassung: "Der Staat fördert und erleichtert die Entwicklung des auf Selbsthülfe beruhenden Genossenschaftswesens." Von solcher Progressivität lässt sich heute nur noch träumen.
Eine wacklige dritte Säule

Dabei hatten die Genossenschaften zur Strategie des Kampfs um die Gegenmacht gehört. Sogar Karl Marx beurteilte die frühe Kooperativbewegung als Sieg der Arbeit über das Kapital. "Der Wert dieser großen Experimente [der Kooperativfabriken] kann nicht überschätzt werden", erklärte er 1864 in der Gründungsadresse der Internationalen Arbeiterassoziation, wobei er allerdings beifügte, sie bedürften der Entwicklung auf nationaler Stufenleiter. 1870 gab es in der Schweiz rund vierzig Arbeiter-Produktivgenossenschaften.

Doch mit der Entwicklung der kapitalistischen Fabrikindustrie und den enttäuschenden Erfahrungen der ersten Genossenschaften setzte sich die marxistische Strategie durch, die radikale Umwälzung der Wirtschaft anzustreben. Die Arbeiterselbsthilfe wurde durch die Kampfmittel der Gewerkschaften und der unabhängigen Arbeiterpartei abgelöst. 1895 scheiterte ein Antrag, die Selbstorganisation als H

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