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King of Oil Marc Rich - Vom mächtigsten Rohstoffhändler der Welt zum Gejagten der USA. von Ammann, Daniel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2010
  • Verlag: Orell Füssli
eBook (ePUB)
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King of Oil

Als Sohn deutschsprachiger Juden floh Marc Rich während des Zweiten Weltkriegs in die USA. Als Rohstoffhändler brach er in den Siebzigerjahren das Kartell der großen Ölkonzerne. Als Herr über das 'schwarze Gold' wurde er 17 Jahre lang von amerikanischen Agenten gejagt. Nun nimmt der mysteriöse Milliardär erstmals Stellung. Marc Rich, Gründer von Glencore, handelte mit Khomeinis Iran, Castros Kuba und Südafrikas Apartheid-Regime. Von den USA wurde er wegen 'Handels mit dem Feind Iran' und wegen Steuervergehen verfolgt. In der Schweiz, wo er seit seiner Flucht aus den USA lebt, blieb er trotz heftiger medialer Kritik unbehelligt. Für den israelischen Geheimdienst Mossad verrichtete er gar diskrete Dienste. Daniel Ammann hat jahrelang recherchiert und den legendären Rohstoffhändler kritisch befragt. Entstanden ist eine Biografie, die individuelles Schicksal mit der Weltpolitik verknüpft. Eine Geschichte über Macht und Moral, in der vieles nicht so ist, wie es scheint.

Daniel Ammann hat sich als investigativer Journalist international einen Namen gemacht. Für sein Marc-Rich-Porträt erhielt er den renommierten Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik. Seine Recherchen zu den Ermittlungsmethoden der Schweizer Justiz, die den Bundesanwalt zu Fall brachten, wurden mit dem Ehrenpreis für Finanzjournalisten ausgezeichnet. Ammann leitete die Wirtschaftsressorts der "Weltwoche" und des Schweizer Nachrichtenmagazins "Facts". Er lebt in Zürich.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.08.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783280036518
    Verlag: Orell Füssli
    Größe: 1562kBytes
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King of Oil

2 Der schlimmste Teufel

Es ist ein bitterkalter Morgen, als ich in St. Moritz zu meinem Auto gehe. Unter den Schuhen knirscht der Schnee, der Atem dampft. Minus 22 Grad zeigt das Thermometer und man glaubt, im ältesten und glamourösesten Winterkurort der Welt die Kälte klirren zu hören. Bevor ich losfahren kann, muss ich eine zähe Eisschicht von den Wagenfenstern kratzen. Um meine Nervosität zu überdecken, fluche ich leise und hoffe, dass der Motor trotz der Eiseskälte anspringen wird. "Bitte", flehe ich, als ich den Zündschlüssel drehe.

Der Mann, mit dem ich an diesem Morgen kurz vor Weihnachten zum Skifahren verabredet bin, hasst kaum etwas so sehr wie Verspätungen. Soviel weiß ich bereits über ihn. Als ich einmal mit ihm über seine Ehe sprach, sagte er über seine Ex-Frau: "Sie kam immer zu spät. Immer." 7 Es klang nicht ironisch.

Zu spät kommen ist keine Option. Nicht hier, nicht jetzt. In einer halben Stunde soll ich Marc Rich treffen. Kein Rohstoffhändler vor ihm und keiner nach ihm war derart erfolgreich. Keiner löste weltweit derartige Emotionen aus wie Marc Rich. Freunde und Mitarbeiter bewundern ihn als einzigartiges Genie. Ein Mann, der den internationalen Handel geradezu revolutioniert hat. Feinde verachten ihn als skrupellosen Profiteur, der seine Großmutter verkaufen würde, wenn der Deal nur gut genug wäre. Ist die Rede von Marc Rich, der heute 75 Jahre alt ist, scheint es nur noch Schwarz oder Weiß zu geben. Dass er im Januar 2001 von Bill Clinton begnadigt wurde, hat daran nichts geändert. Im Gegenteil: Die Begnadi gung, die als eine der "berüchtigsten" in der Geschichte der USA bezeichnet wird, 8 führen seine Gegner als Beweis dafür an, dass sich Rich alles kaufen kann - sogar Straffreiheit, vom Präsidenten einer Supermacht.

Ich möchte herausfinden, wer dieser Mann - jenseits aller Klischees und Vereinfachungen - wirklich ist. Wie wurde der arme jüdische Flüchtlingsjunge Marcell Reich aus Belgien zu Marc Rich, zu "einem der vermögendsten und mächtigsten Rohstoffhändler alle Zeiten" 9 , wie die "Financial Times" schrieb? Wie schaffte er es, mit einer Handvoll Leuten fast aus dem Nichts heraus den globalen Handel mit Erdöl und anderen Rohstoffen zu dominieren? Welche seiner Entscheidungen waren ausschlaggebend, was waren die Meilensteine seiner atemberaubenden Karriere? Wie weit musste er dafür gehen? Wo setzte er Grenzen? Welches waren seine größten Erfolge, welches seine schlimmsten Niederlagen? Was treibt ihn an? Was lässt sich von seinem unternehmerischen Geschick lernen?

Ich habe Glück. Der Motor meines schwarzen Opel springt sofort an. Nur die Lautsprecher sind offenbar nicht für derartige Temperaturen geschaffen. Sie geben Mick Jaggers Gesang seltsam dumpf wieder: "Please allow me to introduce myself / I'm a man of wealth and taste." Die Straße ist, kurz vor 8.00 Uhr morgens, schneebedeckt und menschenleer. Vorsichtig fahre ich am zugefrorenen See entlang zum luxuriösen "Suvretta House" hinauf, dem besten Hotel am Platz. In wenigen Tagen wird es vom internationalen Jetset und vom europäischen Adel, der hier gern Weihnachten und Silvester feiert, belegt werden. An diesem Morgen wirkt das Hotel inmitten verschneiter Tannen beschaulich und ruhig. Nur eine Gruppe Schneemänner steht still am Eingang, mit Karotten als Nasen.

"Pleased to meet you / Hope you guess my name / But what's puzzling you / Is the nature of my game", schallt es aus den Boxen. "Sympathy for the Devil", von den Rolling Stones im symbolträchtigen Jahr 1968 komponiert, läuft wieder auf allen Radiostationen. Ich biege rechts ab zur Talstation des Sessellifts Suvretta, um dort dem schlimmsten Teufel zu begegnen. Das war exakt der Begriff, den Marc Rich auf sich selbst gemünzt hatte: "Ich wurde als schlimmster Teufel dargestellt", sagte er mir bei unserem letzten Gespräch ohne einen Anflug von Selbstmitleid in seinem B

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