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Tatort Projekt Wenn die Wahrheit das Geschäft stört von Irrgang, Jacqueline (eBook)

  • Verlag: Wiley-VCH
eBook (ePUB)
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Tatort Projekt

Jacqueline Irrgang sieht ihre Lebensstationen wie Projekte und so liegt es nahe, dass sie bis heute mit Herz und Verstand Projekte managt. Sie ist ausgebildete Executive Interimsmanagerin (EBS), Unternehmensberaterin und diplomierter systemischer Coach. Mehr zur Autorin finden Sie auf www.ccq.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 200
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783527659463
    Verlag: Wiley-VCH
    Größe: 1292 kBytes
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Tatort Projekt

Warum

Mein Leben als Projekt

Es gibt viele Möglichkeiten, über ein Projekt zu sprechen. Das Leben als Projekt zu verstehen, mag etwas sonderbar klingen. Doch je mehr ich darüber nachdenke, umso deutlicher erkenne ich, dass genau dieses Prinzip sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht. Mein Leben ist nichts anderes als ein Aneinanderreihen von Lebensabschnitten, die man als Projekte bezeichnen kann.
Schwierige Geburt

Im August 1959, an einem heißen Sommertag, kam ich in Paris im 14. Arrondissement zur Welt. Sicher für meine Mutter eine schwierige Geburt. Allein in einem fremden Land, nicht verheiratet und nicht zu wissen, wie es weitergehen soll. Sie wurde von der eigenen Familie in Deutschland geächtet und vom französischen Staat drangsaliert. Nur, was treibt eine deutsche alleinstehende Frau nach Paris? Warum verlässt jemand seine Komfortzone und geht in ein fremdes Land? Ich hatte nie die Gelegenheit, diese Fragen meiner Mutter zu stellen. Sie verweigert Antworten bis heute. Aus den bruchstückhaften Erzählungen, die, warum auch immer, vieles im Dunkeln halten, habe ich mir einen eigenen Reim gemacht.

Die Mutter meiner Mutter - also meine leibliche Oma - starb bei der Geburt meiner Mutter. Mein Großvater stand nun da mit zwei kleinen Kindern. Mein Onkel - der Bruder meiner Mutter - war gerade zwei Jahre alt. Ich glaube, dass mein Großvater eher aus pragmatischen Gründen als aus Liebe seine zweite Frau geheiratet hat. Meine Stiefoma liebte wohl meinen Großvater. Diese Liebe wurde nie erwidert. So übertrug sie die nicht erwiderte Liebe auf meinen Onkel. Meine Mutter war das "Aschenputtel". Nach ihren Erzählungen muss ihre Kindheit die Hölle gewesen sein. So stelle ich mir vor, dass sie damals die Flucht nach vorne angegetreten hat und in ein ihr völlig unbekanntes Land geflüchtet ist. Einfach nur weg von zu Hause.

In Paris lernte sie meinen Vater kennen. Zu dem Zeitpunkt wusste sie nicht, dass er bereits verheiratet war. Unerfahren und nicht aufgeklärt war sie auf einmal schwanger. Mein Vater wollte oder konnte seine damalige Frau nicht verlassen. Nun stand meine Mutter alleine da. Keinen Mann, keine Familie, die ihr den Rücken stärkte, und dann noch schwanger. Meine Geburt stand also nicht gerade unter einem guten Stern.

Erschwerend kam hinzu, dass es in den 50er-Jahren fast ein Verbrechen war, ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen. Wenn dann in der Geburtsurkunde auch noch unter der Rubrik Vater "unbekannt" stand, war es für eine alleinstehende Mutter in einem fremden Land schwer, sich gegen die Gesetze zu wehren. So wurde ich direkt nach der Geburt der Mutter weggenommen und zu einer sogenannten "Nourrice" gebracht. Das sind Pflegeeltern, die oft eigene Kinder haben und fremden Kindern ein Zuhause geben. Wir Kinder unterschiedlicher Herkunft lernten früh, Kinderzimmer und Spielzeug zu teilen. Das Spielzeug gehörte uns allen. Neue Kinder waren jederzeit willkommen, und Regeln waren dazu da, das Miteinander für jeden gerecht zu gestalten. So wurde ich von Kindesbeinen an auf das Projekt "Leben" vorbereitet.

Meine Kindheit war bis zu meinem vierten Lebensjahr beschaulich. Ich wuchs liebevoll in einer Großfamilie auf, und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich durchaus länger bleiben können. Doch kennen Sie das? Sie fühlen sich wohl, sind glücklich und können sich gar nicht vorstellen, dass all dies auf einmal vorbei sein kann. Aber plötzlich ist alles durcheinander, und Sie wissen nicht, warum. Später erkennen Sie, dass es ein wichtiger Einschnitt in Ihrem Leben war, ein Einschnitt, um zu lernen und daran zu wachsen. So erging es mir.

1963 nämlich entschied sich meine Mutter, nach Deutschland zurückzukehren. Mich nahm sie mit. Ich wurde aus meiner Komfortzone rausgerissen und ging in eine für mich ungewisse Zukunft. Was meine Mutter bewogen hat, nach Deutschland zu gehen, weiß ich bis heute nicht. Was ich aber weiß, ist,

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