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Mikrokredite in Deutschland: Zwischen Potenzialen und Symbolpolitik von Kaminski, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2011
  • Verlag: Diplomica
eBook (ePUB)
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Mikrokredite in Deutschland: Zwischen Potenzialen und Symbolpolitik

Mikrokredite sind besonders aus der Entwicklungspolitik bekannt. Sie genießen spätestens seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus und die Grameen Bank im Jahr 2006 den Ruf, dass sie in der Lage seien, wirtschaftlich orientiertes Denken und altruistisches Engagement im Kampf gegen Armut für alle involvierten Parteien als eine 'Win-win Situation' zu deren Vorteil zu verbinden.
Im September 2009 wurde unter dem ehemaligen Bundesarbeitsminister Olaf Scholz und nachfolgend unter Ursula von der Leyen auch in Deutschland ein Mikrokreditfonds als 'Schutzschirm für Kleinunternehmen' politisch initiiert. Dieser soll vor allem eine Existenzgründung für Frauen, Arbeitslose und Immigranten erleichtern und helfen, gesellschaftliche Diskriminierungen gegenüber diesen Gruppen abzubauen.
Christoph Kaminski betrachtet die Mikrokreditbewegung und den 'Mikrokreditfonds Deutschland' umfassend und unvoreingenommen aus verschiedenen Perspektiven und erläutert, inwieweit die Hoffnungen von positiven Wirkungen eines speziellen Mikrokreditprogramms in Deutschland gerechtfertigt sind. Dazu setzt er die Historie von Mikrokrediten ins rechte Licht und erklärt die relevanten wirtschaftswissenschaftlichen Theorien. Auch die speziellen Rahmenbedingungen, das Vergabesystem und die aktuellen empirischen Erkenntnisse zu Unternehmensgründungen durch Frauen, Arbeitslose und Immigranten gehen in seine Untersuchung ein. Dadurch werden Schwachstellen, Risiken und negative Auswirkungen durch voreilige Symbolpolitik aufgedeckt und Anregungen gegeben, wie das Mikrokreditprogramm und damit die Förderung von Existenzgründungen in Deutschland nachhaltig verbessert werden kann.

Neben seinem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der TU Dortmund sammelte Christoph Kaminski u.a. Erfahrungen in der Privatkundenberatung einer deutschen Großbank sowie als Geschäftsführer, Vorsitzender und Vorstandsmitglied in verschiedenen gemeinnützigen und politisch aktiven Organisationen. Darüberhinaus arbeitete er während seines Studiums in einer Beratungsgesellschaft für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung.
Die Erfahrungen aus diesen unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern ermöglichen es dem Autor, die Thematik der Mikrokreditvergabe objektiv und umfassend aus verschiedenen Perspektiven zu veranschaulichen. Auch nach seinem Universitätsabschluss als Diplom-Kaufmann führt Christoph Kaminski sein Engagement in der Sozial- und Entwicklungspolitik fort. Derzeit ist er in der kanadischen Finanzabteilung von Médecins Sans Frontières in Toronto tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 01.08.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842817241
    Verlag: Diplomica
    Größe: 1222 kBytes
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Mikrokredite in Deutschland: Zwischen Potenzialen und Symbolpolitik

Textprobe: Kapitel 4.2, Rechtlicher Rahmen der Mikrokreditvergabe: In Kapitel 3 wurden bereits wirtschaftswissenschaftliche Theorien zur Förderung effizienter Programme und zur Bekämpfung von partiellem Marktversagen erläutert. Demnach können gezielte Eingriffe die Effizienz eines Mikrokreditprogramms erhöhen. Werden durch diese Eingriffe jedoch intakte Marktmechanismen gehemmt, können sie auch einen gegenteiligen Effekt bewirken. Gesetze und Verordnungen haben aus diesem Grund einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Organisation des Mikrokreditangebotes und damit auf die Entwicklung der gesamten Bewegung. Im Folgenden werden daher die auf den Mikrokreditmarkt einflussreichsten rechtlichen Voraussetzungen der EU und Deutschlands dargelegt. Europäische Ebene: Im weiteren Sinne finden sich in der EU zwei verschiedene Institutionen, die Mikrokredite anbieten; Banken und Nicht-Banken. Dementsprechend fallen Mikrokredite auch in den Gesetzesrahmen der jeweiligen Institution Die Gesetzgebung für den Bankensektor ist weitestgehend durch das Europäische Bankenrecht reguliert und harmonisiert, während sich die Gesetze für Nicht-Banken als Mikrofinanzierer von Land zu Land stark unterscheiden können. Ausschlaggebend, ob ein Mikrofinanzierer unter das Bankenrecht der EU fällt, ist dabei die Frage, ob dieser das Recht besitzt, Einlagen seiner Kunden anzunehmen. Mikrofinanzanbieter, die dies betrifft, müssen demzufolge sämtliche Anforderungen des europäischen Bankenrechts erfüllen, wie bspw. Transparenzstandards, Mindestkapitalanforderungen, und Berichtspflichten. Daher wird in vielen europäischen Ländern dieser Freiraum genutzt, um Programme zu entwickeln, in denen sich Nicht-Banken ausschließlich auf die Kreditvergabe konzentrieren, ohne dass dadurch die Notwendigkeit einer europäischen Banklizenz und den damit verbunden Pflichten besteht. Einige Mitgliedstaaten der EU, darunter auch Deutschland, haben jedoch zumindest teilweise schärfere Bankgesetze als die EU, so dass in diesen Staaten bereits das Kreditgeschäft nur durch lizensierte Banken vollzogen werden darf. Außerdem existieren wie in Deutschland auch in einigen anderen Staaten Gesetze und Vorschriften zu Zinsdeckeln, um Verbraucher und Kreditnehmer vor Überschuldung und räuberischer Kreditvergabe zu schützen. Eine Zinsobergrenze erschwert allerdings die Effizienz und Nachhaltigkeit von Mikrokreditprogrammen, da die höheren relativen Kosten der Kreditvergabe nicht über den Effektivzins auf die Antragsteller übertragen werden können. Die Lizensierungs- und Genehmigungsverfahren für Mikrokreditinstitute unterscheiden sich in Folge dessen von Staat zu Staat und die Bandbreite der verschiedenen Mikrofinanzinstitute reicht von Wohltätigkeitsorganisationen über Genossenschaftsbanken bis hin zu privaten Geschäftsbanken. Der daraus resultierende Mangel an Regulierung und Aufsicht durch Institutionen der EU bedeutet jedoch nicht zwangsweise eine Hemmnis für die Entwicklung der Mikrokreditprogramme. Wahrscheinlich ist aus Kostenvorteilen sogar eher das Gegenteil der Fall. So wurde z.B. das französische Mikrokreditprogramm erst durch die Abschaffung des verpflichtenden Zinsdeckels entscheidend beschleunigt und effizienter gestaltet. Nationale Ebene: Gewerbliche Mikrofinanzierer, die in Deutschland nicht als Bank lizensiert sind, dürfen zwar als Intermediär, jedoch nicht als Kreditgeber tätig werden. Denn im Sinne der Begriffsbestimmung aus
1 des Kreditwesengesetzes (KWG) sind gewerbsmäßige Unternehmen, die Gelddarlehen gewähren, zu den Kreditinstituten zu zählen und benötigen zur legalen Ausführung ihrer Geschäfte nach
32 Abs.1 KWG eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstaufsicht (BaFin). Um diese Erlaubnis und damit das Recht der Kreditvergabe zu erhalten, sind hohe Markteintrittsbarrieren zu bewältigen. Laut
33c KWG beträgt das Anfangskapital für Finanzdienstleistungsinstitute, also Mikrofinanzierern, die auf eigene Rechnung

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