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Betrügereien im Umfeld des Überseehandels im Athen des 4. Jahrhundert v. Chr. vor dem Hintergrund des athenischen Handels und des Fremden- und Handelsrechts von Nowak, Benjamin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.06.2010
  • Verlag: GRIN Verlag
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Betrügereien im Umfeld des Überseehandels im Athen des 4. Jahrhundert v. Chr. vor dem Hintergrund des athenischen Handels und des Fremden- und Handelsrechts

Studienarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike, Note: 1,0, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Institut für Klassische Altertumswissenschaften), Veranstaltung: Kriminalfälle im Athen des 4. Jahrhunderts v. Chr., Sprache: Deutsch, Abstract: Ein Blick auf die topografischen Verhältnisse Griechenlands verdeutlicht, dass griechischer Handel größtenteils mit Überseehandel gleichzusetzen ist. Aus den schriftlichen und archäologischen Quellen wissen wir heute, dass es neben Sklaven und Luxusgütern vor allem das lebenswichtige Getreide war, das aus den fruchtbaren Regionen Siziliens, Ägyptens und des pontischen Raumes nach Athen importiert wurde. Da beim antiken Überseehandel zum einen Fremde, Griechen und Nicht-Griechen, aufeinander trafen und zum anderen immer auch Konfliktpotential durch die Eigeninteressen der beteiligten Personen gegeben war, blieben Streitigkeiten nicht aus. Personen mit sehr unterschiedlichen Motivationen und finanziellen Möglichkeiten waren die Träger dieses Handels. Von den wenigen bekannten Großreedern abgesehen, waren diese einerseits zahlreiche kapitalstarke Finanziers sowie kleinere Investoren, die die hohen Zinserträge der Handelsfinanzierung schätzten, andererseits die Berufsseefahrer mit ihren Sklavenmannschaften, die Kapitäne ohne eigene Schiffe und die eigentlichen Händler, die ein Darlehen zum Ankauf der Waren aufnehmen mussten oder wollten. Dass solche Geschäfte die Möglichkeit des Betruges einräumten, gilt nicht erst für die Gegenwart. Es geht in dieser Abhandlung um den Kreditbetrug im Überseehandel Athens zu klassischer Zeit. Zunächst sollen dazu die Mechanismen des Handels, insbesondere dessen Finanzierung, untersucht und einiges zu den daran Beteiligten ausgeführt werden. Eine Beschreibung der Dikai Emporikai in ihrer Substanz und historischen Entwicklung sowie ihre Verortung innerhalb des attischen Rechts werden diese grundlegenden Untersuchungen ergänzen. Leitende Fragen dieser Untersuchung sind: Wie funktionierte antiker griechischer Handel, wer trug ihn? Wie wurde von wem betrogen und wie wurde Betrug sanktioniert? Wie verfuhr Athen mit den beteiligten Fremden, Metoikoi oder Xenoi und wie mit den eigenen Bürgern? Und falls überhaupt, welche über-attische Bedeutung ist dem beizumessen? Die Synthetisierung der wirtschafts-, sozial- und rechtsgeschichtlichen Aspekte der Thematik soll die Beantwortung dieser Fragen ermöglichen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 46
    Erscheinungsdatum: 09.06.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783640640461
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V152174
    Größe: 343kBytes
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Betrügereien im Umfeld des Überseehandels im Athen des 4. Jahrhundert v. Chr. vor dem Hintergrund des athenischen Handels und des Fremden- und Handelsrechts

3. Die Dikai Emporikai

3.1. Charakteristik dieser Verfahren

Die Dikai Emporikai , von Cohen als Seehandelsgerichte bezeichnet, von Reed und anderen hingegen treffender charakterisiert als Gerichtsfälle, in denen Händler, Seefahrer und Finanziers, gleich welcher Herkunft, in Handelssachen von und nach Athen in Streit gerieten, stehen im athenischen Recht in exponierter Lage. [57]

Über die Vorausetzungen derartiger Klagen, wird in der Forschung noch immer diskutiert. Die meisten Indizien bieten die diesbezüglichen demosthenischen Reden, die bspw. die Syngraphe wiedergeben oder sich auf die Gesetze, die Emporikoi Nomoi , berufen. [58] Unstrittig scheint danach zunächst, dass es im Zusammenhang mit Handelsgeschäften von und nach Athen statthaft war, eine solche Klage einzureichen und dass sie insbesondere, aber nicht nur, fremden Händlern offenstand, die ansonsten keine Möglichkeit hatten, in Athen zu prozessieren, es sei denn zwischen Athen und ihrer Polis bestand ein bilaterales Abkommen, das auch, aber nicht ausschließlich, die gegenseitige Gerichtsbarkeit im Falle von Streitigkeiten im Umfeld des Handels zusicherte. Eine Dike apo Symbolon vor den Thesmotheten war in diesem Fall möglich. [59]

Über die Frage der Notwendigkeit schriftlicher Verträge ist verschiedentlich diskutiert worden. Einige Forscher sehen sie als absolut notwendig an, da sonst keine Gerichtsbarkeit gegeben sei, andere hingegen betonen, dass Dike Emporike erhoben werden könne, wenn von und nach Athen gehandelt werde und auch, wenn eine Syngraphe vorliege. [60]

Die zumeist rechtsgeschichtliche Interpretation dieser Voraussetzungen hängt auf das Engste von der Lesart der entsprechenden Passagen, bspw. Dem. 32.1-2; 33.1 und Dem. 34.42 ab. [61] Einhellig ist die Auffassung, dass die Kompliziertheit der Verträge, bspw. in der Rede gegen Lakritos , und die Monate, die zwischen Vertragsabschluss und Erfüllung liegen, die Schriftlichkeit, anders als im normalen Darlehensgeschäft Athens, üblich machten. Zudem entstand dadurch eine größere Rechtssicherheit und Prozesse ließen sich so schneller durchführen, da dem vorgelegten Vertrag eine größere Beweiskraft zukam als der Stellung von Zeugen. [62]

In der Praxis ging es, ausweislich der weiter unten vorgestellten Reden, vorrangig um Konflikte im Zusammenhang mit der Kreditierung der Handelsunter-nehmungen. Die Kläger berufen sich dabei auf nicht vertragskonformes und gesetzeswidriges Verhalten. Diesen, aus den Quellen rekonstruierten und sicherlich nicht vollständig überlieferten Emporikoi Nomoi , folgend, war es Athenern und Metöken sowie deren Untergebenen - man denke an als Agenten beschäftigte Sklaven - verboten, auf Handelsunternehmungen Kredit zu gewähren, die Getreide und andere wichtige Güter irgendwohin außer nach Athen importierten bzw. der athenischen Gesellschaft dauerhaft Geld entzogen. Zwei Drittel des nach Athen eingeführten Korns mussten dort gelöscht und durften nicht ausgeführt werden. [63] Außerdem war es den Händlern verboten, mehrere Darlehen auf dieselbe Ware aufzunehmen und die Sicherheit für das Seedarlehen - das Schiff bei Naukleroi , die gleichzeitig Emporoi waren und die Hypothek an der Ware bei schifflosen Emporoi - mehrfach zu verpfänden. Finanziers, die wissentlich diesen Bestimmungen zuwider laufende Reisen finanzierten, hatten keine Möglichkeit, im Betrugsfall zu prozessieren. [64]

In den Reden geht es zumeist um Schwierigkeiten der Rückzahlung der Seedarlehen und um betrügerisc

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