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Die Macht der einen Zahl Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts von Lepenies, Philipp (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.10.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die Macht der einen Zahl

Keine statistische Kennzahl beeinflusst die aktuelle Politik stärker als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Noch in den dreißiger Jahren existierten in England und in den USA unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sich wirtschaftliche Vorgänge in Zahlen abbilden ließen. Nur eine dieser Methoden, der Vorläufer des BIP, bewährte sich im Zweiten Weltkrieg als Planungs- und Informationsinstrument und wurde in der Nachkriegszeit von den USA mit aller politischen Macht im Westen als Standard etabliert. Zusammen mit der Idee des Wachstums gab diese Methode Hoffnung auf eine Zukunft unendlichen materiellen Wohlstands. Obwohl mit seiner Hilfe nur ganz bestimmte Probleme gelöst werden sollten, monopolisiert das BIP seitdem den Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge. Philipp Lepenies, geboren 1971, ist Senior Fellow am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Zuletzt gab er im Suhrkamp Verlag Joseph Townsends Über die Armengesetze heraus.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 186
    Erscheinungsdatum: 21.10.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518733479
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 3222 kBytes
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Die Macht der einen Zahl

1.?Worum es geht: Bruttoinlandsprodukt, Bruttosozialprodukt und Volkseinkommen

Konzeptuell ist das BIP ein Produkt. Rechnerisch ist es eine Summe. Die Idee des BIP basiert auf der Annahme, dass man sämtliche in einem Land bereitgestellten Güter und Dienstleistungen als ein einziges aggregiertes Gut betrachten kann, dessen Geldwert sich berechnen lässt. Das erklärt auch, warum man den Begriff im Singular verwendet und nicht etwa von "Bruttoinlandsprodukten" eines Landes spricht.

In der einfachsten Definition bestimmt sich das BIP als der "Wert der im Inland erwirtschafteten Leistung einer Volkswirtschaft in einer Periode".[ 1 ] Er bezieht sich auf alle "im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden".[ 2 ]

Unter dem Wert ist der Betrag in Geldeinheiten zu verstehen. Nicht Stückzahlen oder die Qualität von Produkten oder Dienstleistungen sind für das BIP relevant, sondern der aufaddierte Preis aller produzierten Güter. Dabei wird jedoch beispielsweise nicht der Endpreis eines Autos erfasst, sondern nur die Wertschöpfung, die der Autohersteller als letzter in der Produktionskette hinzufügt; der Wert aller Vorleistungen, die der Autobauer am Markt bezogen hat, um das Auto herstellen zu können (Rohstoffe, Dienstleistungen, Vorprodukte), muss vom Preis des Fahr 16 zeugs abgezogen werden. Auf diese Weise werden Doppelzählungen vermieden, denn der Wert der Vorleistungen wird bereits beim Reifenhersteller oder dem Polsterer, der die Sitze zum Auto beisteuert, erhoben und separat erfasst.[ 3 ]

Die Bewertung anhand von Preisen impliziert, dass nur Güter und Dienstleistungen in die Berechnung eingehen, die am Markt gehandelt werden. Was keinen Marktpreis hat, ist für das BIP bedeutungslos. Dazu gehören etwa die unbezahlte Hausarbeit oder die Nutzung von Naturressourcen, die aus der Sicht einer Marktlogik unentgeltlich zur Verfügung stehen.

Aus der Veränderung des BIP gegenüber dem Wert des vorausliegenden Vergleichszeitraums bestimmt sich das Wachstum . Es wird in Prozent ausgewiesen und ist preisbereinigt : Man versucht, die Inflation herauszurechnen. Sonst würde ein bloßer Anstieg des Preisniveaus bereits als BIP -Wachstum erscheinen, auch wenn die Menge der hergestellten Güter und Dienstleistungen gar nicht zugenommen hat.[ 4 ] 17

Brutto bedeutet, dass die während des Produktionsprozesses auftretende Wertminderung des angelegten Kapitals (insbesondere die Abnutzung der Maschinen) unberücksichtigt bleibt. Berechnet man diesen Verschleiß in Form von Abschreibungen mit ein, wird aus dem Bruttoinlandsprodukt das Nettoinlandsprodukt.

Um das Inlands produkt handelt es sich, weil nur wirtschaftliche Aktivitäten von Individuen erfasst werden, die innerhalb eines bestimmten Wirtschaftsgebiets?– häufig in den Grenzen des jeweiligen Nationalstaats?– erbracht werden (Inlands- oder Arbeitsortkonzept). Nationalität und Wohnsitz des oder der Einzelnen spielen dabei keine Rolle. In das BIP der Bundesrepublik findet die Wertschöpfung einer in Deutschland produzierenden chinesischen Firma ebenso Eingang wie die Leistung eines Pendlers, der täglich von Polen aus zu seinem Arbeitsplatz nach Deutschland fährt, nicht jedoch die Wertschöpfung einer deutschen Firma, die in der Volksrepublik produziert, oder das Einkommen eines Angestellten, der im deutschen Kehl lebt

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