text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Macht und Geld Über die gesellschaftliche Bedeutung monetärer Verfassungen von Postberg, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.02.2013
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
22,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Macht und Geld

Christian Postberg beleuchtet zwei große geldwirtschaftliche Umbrüche: Im europäischen 13. Jahrhundert kam Silbergeld gesamtgesellschaftlich in den Umlauf, es entstand eine Kaufmannsschicht und Arbeit wurde käuflich. Im 20. Jahrhundert wurde statt Vollgeld das Kreditgeld maßgeblich. Der Finanzsektor erfuhr dadurch einen rasanten Aufstieg, während es zugleich zu Instabilität und Inflation kam. Vor dem Hintergrund dieser beiden Umbrüche untersucht der Autor auf der Basis eines machttheoretischen Zugangs, inwiefern sowohl Zwänge und Chancen einer Gesellschaft als auch die soziale Ungleichheit zwischen deren Mitgliedern durch die Art des Geldes geprägt sind. Dabei stellt er eine der dringendsten Fragen des modernen Kapitalismus: Ist Geld in seiner zeitgenössischen Ausprägung noch ein verlässlicher Indikator gesellschaftlicher Bedürfnisse und Abhängigkeiten? Christian Postberg, Dr. rer. soc. oec., ist Soziologe und promovierte an der Universität Graz, Österreich.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 188
    Erscheinungsdatum: 14.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593420073
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2212 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Macht und Geld

?Geld ist Macht!? - Diese Feststellung ist eine jener Volksweisheiten, denen man schwer widersprechen kann und die man besser früh als spät zu seiner rhetorischen Grundausstattung zählt, um sich beim Debattieren über die neuesten Wendungen der Weltgeschichte notfalls einen würdevollen Rückzug sichern zu können. ?Wer Geld hat, entscheidet, wo es lang geht. Es musste ja so kommen - denn schließlich regiert das Geld die Welt.? Der soziologische Gehalt dieser Feststellung wiegt so schwer, dass sich Fragen des Fachs bezüglich sozialen Wandels eigentlich erübrigen. Wird jedoch die Volksweisheit mit einer Frage nach dem ?warum? oder einem ?inwiefern? konfrontiert, zeigt sich schnell, dass der Hausverstand überfordert um Antworten ringt. Mit der Nachfrage verabschiedet sich die Sicherheit gemeinsam mit der Trivialität. Übrig bleibt ein großes soziologisches Problemfeld. Der soziostrukturellen Bedeutung von Geld in seiner spezifisch historischen Ausprägung machttheoretisch näher zu kommen, ist das Ziel dieser Untersuchung. Da es dem Machtbegriff nicht an begrifflicher Vieldeutigkeit und Anwendungsproblemen mangelt, sind dafür theoretische Vorarbeiten notwendig. Dem ersten Kapitel kommt daher die Aufgabe zu, ein machtheoretisches Vokabular zu formulieren, welches eine prozesshistorische Anwendung gestattet und sich genuin für die Analyse von Machtwandel eignet. Um die Relevanz dieses Bestrebens darzulegen, werden zunächst begriffsgeschichtlich Konzeptionen von Macht erarbeitet, denen ein verdinglichendes Verständnis von Macht gemein ist. Der mystisch-transzendentale Ursprung dieses Machtverständnisses und das Folgeproblem der Zustandsreduktion sollen herausgestellt werden. Die ausdrückliche Betonung des Beziehungs- und Prozesscharakters ist der Grund, warum in der Folge der Machtbalancebegriff von Norbert Elias Bevorzugung erfährt, dessen theoretische Basis dargelegt und letztlich auch weiterentwickelt wird. Hinsichtlich der machttheoretischen Wirkung zweier verschiedener Geldarten, des Vollgelds des 13. Jahrhunderts und des zeitgenössischen Kreditgelds, findet das Vokabular dann seine Verwendung.

Das sozialwissenschaftliche Rätsel, welches sich bezüglich des ?langen? 13. Jahrhunderts (1150-1350) stellt, ist die auffällig hohe soziale Prägekraft der ersten europäischen Silberfunde des Hochmittelalters. Warum war just nach den Silberfunden eine starke, auf feudale Gesellschaftsstrukturen erodierend wirkende Dynamik zu beobachten? Was machte, mit anderen Worten, Silber als Geld so besonders für das Interdependenzgeflecht, dass es zu grundlegenden Veränderungen Jahrhunderte währender Strukturen beitragen konnte? Und warum waren es nicht die Personen, die das Silber weitgehend autonom aus den Stollen schlugen, oder die ritterlichen Edelmänner, denen das Stück Land gegeben war, auf dem sich das Silber befand, die am signifikantesten vom neuen Silberreichtum profitierten? Der Ertrag des ersten historischen Teils kann zu einem besseren Verständnis des Einflusses der Geldverbreitung auf das Interdependenzgeflecht als Ganzes sowie auf die charakteristischen Machtpositionen dieser Zeit, jene des Feudalherrn und Bauern bzw. des Zentralherrn und des städtischen Dienstleisters, beitragen. Dies beinhaltet den exemplarischen Beitrag zur sozialhistorischen Fragestellung, ob der vermehrte Geldgebrauch lediglich ein Symptom der abendländischen Dynamik unter vielen ist, oder ob es sich eher umgekehrt verhielt und die Verbreitung von Geld die große Dynamik des 13. Jahrhunderts maßgeblich beförderte. Zudem wird die nötige geldhistorische Kontrastfläche für den folgenden, sich mit modernem Kreditgeld befassenden Abschnitt bereitet. Die so entstehende Vergleichsmöglichkeit der machttheoretischen Wirkung von zwei unterschiedlichen Geldarten hilft aufzuzeigen, dass die jeweiligen Prinzipien, auf denen die Geldfunktion gründet, und ihre jeweils spezifische institutionelle Ausformung von großer sozialer Bedeutung s

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen