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Warum eigentlich genug Geld für alle da ist von Mekiffer, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Carl Hanser Fachbuchverlag
eBook (ePUB)
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Warum eigentlich genug Geld für alle da ist

Reichen 20 Stunden Arbeit pro Woche aus? Ist es wirtschaftlicher, zu teilen als zu sparen? Ja, sagt der junge Ökonom Stefan Mekiffer und spricht für eine ganze Generation. Wir müssen weg von der Vorstellung einer Wirtschaft, wie sie uns von Ökonomen eingeimpft wird; weg vom Bild einer Maschine, deren Stellschrauben die Politik dreht, hin zu dem eines organischen Systems. Mekiffer zeigt uns, wie wir in Zukunft leben werden - mit Grundeinkommen, lokalen Währungen und Negativzinsen. Um das zu schaffen, müssen wir jedoch die Rolle des Geldes neu definieren: von einem Instrument, das uns einengt, zu einem Mittel der Freiheit. Ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Form der Ökonomie. Stefan Mekiffer, Jahrgang 1988, hat Wirtschaft, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaften und Philosophie in Maastricht, Paris und Berlin studiert. Neben seiner Tätigkeit als Autor gründet Stefan Mekiffer gerade einen Waldgarten und tritt als Klezmer-Musiker auf. Er lebt in Berlin und Landau.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446447110
    Verlag: Carl Hanser Fachbuchverlag
    Größe: 1797 kBytes
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Warum eigentlich genug Geld für alle da ist

Prolog

Die Ökonomik, also die Lehre von der Wirtschaft, hat eine Doppelfunktion: Auf der einen Seite erklärt sie wirtschaftliche Vorgänge, auf der anderen Seite erteilt sie Ratschläge. Sie ist sowohl beschreibend als auch empfehlend, sowohl deskriptiv als auch normativ: Eine schöne Theorie, die Sie da aufgestellt haben, Herr Ökonom, aber was machen wir jetzt? Wie retten wir die Arbeitsplätze, unsere Ersparnisse, die Biosphäre?

Damit unterscheidet sich die Ökonomik von anderen Wissenschaften. Physik und Biologie zum Beispiel untersuchen die Natur und das Lebendige, und wir wenden ihre Erkenntnisse in der Landwirtschaft, beim Bau von Motoren oder bei der Planung von Kraftwerken an. Aber die Gültigkeit ihrer Gesetze ist unbeeinflusst von unseren Theorien, denn wir Menschen untersuchen damit primär nicht uns selbst, sondern etwas von uns Unabhängiges. Den geworfenen Stein interessiert es nicht, ob wir die Gesetze der Gravitation kennen, und die Bäume wachsen, egal ob wir wissen warum.

Die Ökonomik dagegen fußt auf der Empfehlung. Sie hat sich aus der Ethik der antiken Philosophen entwickelt, die sich fragten, wie Armut und Reichtum entstehen und was zu tun ist. Seit der biblische Josef 1 dem Pharao sieben fette und sieben dürre Jahre prophezeite und ihn anwies, Steuern zu erheben und Kornkammern anzulegen, haben alle Wirtschaftsdenker von Aristoteles bis Adam Smith eines gemein: Sie erzählen eine Geschichte über die Wirtschaft, die erklärt, was arm und reich ist, und begründen daraus, was vernünftiges, wirtschaftliches, gutes Handeln ist. Aus Narrativ und Analyse bilden sie die Empfehlung, und nach ihrem Rat formen wir Handeln, Institutionen, Politik.

Wenn Sie Ökonomik an einer Universität studieren, lernen Sie auch eine Geschichte, die ungefähr so lautet: Früher handelten die Leute nur durch Tausch, was sehr unpraktisch war - also erfanden sie Geld. Dadurch entstanden Märkte sowie Arbeitsteilung, Spezialisierung und Maschinen, womit sich Güter effizienter produzieren ließen und uns reich und mächtig machten. Die Märkte garantieren, dass jeder, der zum Wohlstand beiträgt, Geld verdient. Diese Mechanik ist berechenbar, und die Modelle prognostizieren, dass die Wirtschaft weiter wachsen wird, solange wir neue Techniken erfinden, um neue Güter zu produzieren. Diese bringen immer mehr Reichtum, bis irgendwann das "ökonomische Problem" gelöst sein wird und wir nicht mehr arbeiten müssen. Zwar gibt es einige Märkte, die nicht perfekt sind, aber für deren Feinjustierung existieren ja die Werkzeuge der Ökonomik.

Ich möchte nicht behaupten, dass diese Story falsch ist - so einfach ist das nicht. Aber sie ist deskriptiv und normativ zugleich: Wir beschreiben uns damit selbst und handeln nach ihr. Ökonomik ist zirkulär: Sie verändert die Welt, die sie beschreibt, mit jedem Ratschlag, den sie erteilt. Sie erzählt eine Geschichte über uns und die Welt, über Arm und Reich, handelt danach und macht sie dadurch wahr.

In diesem Buch möchte ich dieser Geschichte, der Erfolgsstory der Märkte, die wir alle kennen, eine andere gegenüberstellen. Ihre Hauptrolle spielt das Geld, ein besonderes Artefakt, das halb Ding, halb Gedanke ist. Als abstraktes, ausgedachtes Objekt hat es unsere Mathematik, Physik und Philosophie inspiriert, hat unser Handeln und Denken revolutioniert wie kaum eine andere Erfindung. Wir haben begonnen, seine Zahlen auf uns selbst anzuwenden, Wirtschaft zu messen und zu modellieren wie eine große Maschine, die alle reich machen soll. Das Ergebnis ist die oben kurz skizzierte Geschichte der Mainstream-Ökonomie. Davon handelt der erste Teil dieses Buchs.

Der zweite Teil beschreibt, wie die Mechanik des Geldes, unterstützt von einer moralisch aufgeladenen Wirtschaftstheorie, die Welt des Wirtschaftens einer großen Maschine angeglichen hat. Auf der Suche nach dem versprochenen Wohlstand lassen wir die Zahlen wachsen und übergeben wachsend

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