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Wut von Woodward, Bob (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.10.2020
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook

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Wut

Trump im Visier der Journalistenlegende Bob Woodward: Ein Präsident zwischen Corona und Wirtschaftskrise, zwischen unbeirrbaren Anhängern und neuem Widerstand
Donald Trump hat die USA in eine tiefe Krise geführt. Die Corona-Pandemie, deren Gefahr er bewusst runterspielte, legt offen, welche Wunden seine Präsidentschaft gerissen hat. Nun stehen Gesundheitssystem und Wirtschaft am Rande des Zusammenbruchs. Wie reagiert der US-Präsident auf die Krise? Bob Woodward hat in den vergangenen Monaten 18 Interviews mit dem Präsidenten geführt, mit Mitarbeitern und Opponenten gesprochen, Mails, Tagebücher und vertrauliche Briefe ausgewertet, um das Portrait eines Mannes zu zeichnen, der zwischen Verdrängung, Angriff und Momenten des Zweifels schwankt. Eine bahnbrechende, scharfsichtige, intime Reportage: das bleibende Buch über Trumps Präsidentschaft.

Bob Woodward, 1943 in Geneva, Illinois, geboren, ist Leitender Redakteur der Washington Post, für die er seit knapp 50 Jahren berichtet. Der Journalist wurde mit zwei Pulitzer-Preisen ausgezeichnet, 1973 zusammen mit Carl Bernstein für die Berichterstattung über die Watergate-Affäre, die zur Abdankung Richard Nixons führte, und 2003 als Chefreporter der Washington Post für die journalistische Arbeit über die Anschläge von 9/11.

Produktinformationen

    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 550
    Erscheinungsdatum: 19.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446269781
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Rage
    Größe: 2095 kBytes
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Wut

Prolog

Während der täglichen Topsecret-Besprechung des Präsidenten am Nachmittag des 28. Januar 2020, einem Dienstag, kam im Oval Office der Ausbruch eines mysteriösen Virus zur Sprache, das Symptome hervorrief, die einer Lungenentzündung ähnelten. Beamte des Gesundheitswesens und Präsident Trump persönlich erklärten der Öffentlichkeit, dass dieses Virus ein geringes Risiko für die Vereinigten Staaten bedeute.

»Dies wird die größte Bedrohung der nationalen Sicherheit sein, der Sie sich in Ihrer Präsidentschaft stellen müssen«, erklärte der Nationale Sicherheitsberater Robert O'Brien dem Präsidenten. Damit vertrat er so entschieden und heftig wie nur möglich einen erschütternd gegensätzlichen Standpunkt.

Trump schreckte auf. Dann stellte er Beth Sanner, der Hauptreferentin für die Geheimdienste, einige Fragen. Sie sagte, China sei besorgt und die Geheimdienst-Community werde die Sache beobachten, aber es sehe so aus, als würde es nicht annähernd so ernst wie beim tödlichen Ausbruch des Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) 2003.

»Das wird die härteste Sache, mit der Sie konfrontiert werden«, beharrte von seinem Platz am Resolute Desk aus O'Brien, dem durchaus bewusst war, dass Trump noch mitten in seinem Impeachment-Verfahren im Senat steckte, das zwölf Tage zuvor begonnen hatte und seine Aufmerksamkeit beanspruchte. O'Brien glaubte, Sicherheitsberater müssten versuchen, um Ecken zu schauen, weil es ihre Pflicht sei, vor einer drohenden Katastrophe zu warnen. Und dieses Problem war dringend. Nicht irgendein geopolitisches Thema, das vielleicht erst in drei Jahren akut würde. Dieses Virus konnte sich in den USA sehr schnell ausbreiten.

O'Brien, 53, Jurist, Autor und ehemaliger Unterhändler bei internationalen Geiselnahmen, war Trumps vierter Nationaler Sicherheitsberater. Er besetzte diese Schlüsselstelle erst seit vier Monaten und hielt sich selbst nicht für jemanden, der mit der Faust auf den Tisch schlug. Aber er war geradezu leidenschaftlich davon überzeugt, dass der Ausbruch der Krankheit eine echte Gefahr darstellte.

»Ich stimme dieser Schlussfolgerung zu«, sagte Matt Pottinger, der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater, von einer Couch weiter hinten im Oval Office aus. Trump wusste, dass der 46-jährige Pottinger, der seit drei Jahren, also seit Beginn von Trumps Präsidentschaft, dem Nationalen Sicherheitsrat angehörte, auf einzigartige Weise, um nicht zu sagen, perfekt dafür qualifiziert war, so eine Einschätzung abzugeben.

Seine Warnung besaß Autorität und großes Gewicht. Pottinger hatte sieben Jahre in China gewohnt und war während des SARS-Ausbruchs dort Reporter für das Wall Street Journal gewesen. Als China-Experte sprach er fließend Mandarin.

Der umgängliche, weltlichen Dingen nicht abgeneigte Workaholic Pottinger war auch ein dekorierter ehemaliger Geheimdienstoffizier der Marines gewesen und hatte auf dem Höhepunkt dieser Laufbahn als Co-Autor an einem einflussreichen Bericht über die Unzulänglichkeiten der US-Geheimdienste mitgeschrieben.

Pottinger wusste aus erster Hand, dass die Chinesen Meister darin waren, ein Problem zu verschleiern und zu verheimlichen. Er hatte mehr als dreißig Storys über SARS geschrieben und darüber, wie die Chinesen bewusst monatelang Informationen über den Schweregrad der Krankheit zurückgehalten und deren Verbreitung heruntergespielt hatten. Dieser unsachgemäße Umgang hatte SARS erlaubt, sich rund um den Globus auszubreiten. Das Journal hatte Pottingers Arbeit für einen Pulitzer-Preis eingereicht.

»Was wissen Sie?«, fragte Trump Pottinger.

Pottinger sagte, er habe in den vergangenen vier Tagen am Telefon gehangen, um Ärzte in China und Hongkong anzurufen, mit denen er in Verbindung geblieben war und

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