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Treffen sich zwei Gene Vom Wandel unseres Erbguts und der Natur des Lebens von Fischer, Ernst Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.03.2017
  • Verlag: Siedler
eBook (ePUB)
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Treffen sich zwei Gene

Warum wir ein neues Verständnis der Gene brauchen! Die Fortschritte der Genetik sind enorm - und die herkömmliche Vorstellung, Gene hätten einen festen Ort und klar definierte Aufgaben, ist nach neuesten Erkenntnissen überholt. Ernst Peter Fischer zeigt, warum wir ein verändertes Verständnis der Gene brauchen: Sind sie doch etwas Bewegliches, mit dem unsere Erbanlagen einen ständigen Wandel vollziehen. Ernst Peter Fischer, geboren 1947 in Wuppertal, studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology. 1987 habilitierte er sich im Fach Wissenschaftsgeschichte und lehrte in den Jahren darauf an den Universitäten Konstanz und Heidelberg. Als Wissenschaftspublizist schreibt er unter anderem für Die Welt und Focus. Fischer ist Autor zahlreicher Bücher, darunter der Bestseller "Die andere Bildung" (2001) und die Max-Planck-Biographie "Der Physiker" (2007). Für seine Arbeit erhielt er mehre Preise, u. a. den Sartorius-Preis der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Bei Siedler erschien zuletzt "Die Verzauberung der Welt. Eine andere Geschichte der Naturwissenschaft" (2014).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 06.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641174507
    Verlag: Siedler
    Größe: 2277 kBytes
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Treffen sich zwei Gene

EINLEITUNG
Abschied vom Determinismus der Gene

Bei Wikipedia ist unter dem Stichwort "Gen" zu lesen: "Die Definition, was ein Gen ist, hat sich ständig verändert und wurde an neue Erkenntnisse angepasst", sodass keine Version so etwas wie Endgültigkeit für sich beanspruchen kann. Und dann gibt der Artikel höchst konkret die folgende Auskunft: "Für den Versuch einer aktuellen Definition benötigten fünfundzwanzig Wissenschaftler [der University of California in Berkeley] Anfang 2006 zwei Tage, bis sie eine Version erreichten, mit der alle leben konnten." Diese Definition lautet: "A gene is a locatable region of genomic sequence, corresponding to a unit of inheritance, which is associated with regulatory regions, transcribed regions and/or other functional sequence regions." Eine sinngemäß ins Deutsche übertragene Version könnte lauten: "Ein Gen ist ein Abschnitt aus dem Erbmaterial (dessen chemischer Name mit dem Trio DNA abgekürzt wird, wie vielen bekannt sein dürfte). Es tritt als Einheit der Vererbung in Erscheinung und kann mit anderen Regionen der Erbanlagen in Verbindung treten. Bei diesem Wechselspiel wird es den sie umhüllenden Zellen möglich, etwas hervorzubringen - nämlich Genprodukte. Mit diesen können sie Reaktionen durchführen, die sie für ihr Leben und das des Organismus brauchen, der aus ihnen besteht und von ihren Genen her aufgebaut worden ist."

Wie nicht anders zu erwarten, haben sich inzwischen andere Konsortien gemeldet, die mit der obigen Definition nicht einverstanden sind und deshalb einen eigenen Vorschlag vorgelegt haben. Alle diese Bemühungen sollen an dieser Stelle in einem Satz zusammengedrängt werden. Er lautet: "Ein Gen ist eine Vereinigung von Abschnitten des Erbmaterials, in der die Information zur Anfertigung einer kohärenten Menge von Produkten steckt, deren Funktionen sich überlappen."

Leider werfen solche verdichteten Sätze mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben. "Heute kennt kein Molekularbiologe mehr alle wichtigen Tatsachen über das Gen." So beginnt die vierte Auflage eines wirkungsmächtigen und weit verbreiteten Lehrbuchs aus dem Jahr 1987, das vor den erwartungsvollen Studenten auf mehr als tausend Seiten eine Molecular Biology of the Gene ausbreitet. 1 Wenig überraschend sind die folgenden Auflagen der inzwischen mehrbändigen Molekularbiologie des Gens noch dicker und imposanter geworden. Längst wird es keinem einzelnen Wissenschaftler mehr zugetraut oder zugemutet, die "wichtigen Tatsachen über das Gen" zuverlässig und umfassend darzustellen. Die Autoren selbst kennen sich wahrscheinlich gerade einigermaßen in den von ihnen verhandelten Teilbereichen aus, oder etwas zynisch formuliert: Je länger einzelne Experten mit dem Gen arbeiten, desto weniger wissen sie darüber. Dieses Buch möchte zeigen, dass die Gene wie das Leben sind, nämlich unerschöpflich, unergründlich und enorm beweglich.

Die Gene haben sich extrem gewandelt, seit sie erstmals Eingang in ein modernes Lehrbuch gefunden haben. Soll heißen: Das Verständnis für die genetischen Prozesse und Abläufe im lebendigen Körper hat sich fast bis zur Unkenntlichkeit verändert, seit sich die Naturwissenschaften erfolgreich und im großen Stil damit befassen. Mit dem Zeitpunkt ihres erstens Auftritts in einem Lehrbuch ist das Jahr 1965 gemeint. Damals erschien die erste Auflage des Werks Molekularbiologie des Gens , die inzwischen als klassischer Text verehrt wird. Ihr heute noch aktiver amerikanischer Verfasser, der 1962 mit Nobelwürden ausgestattete James D. Watson (geb. 1928), gehört zu den legendären Figuren der neueren Lebenswissenschaften, weil er 1953 gemeinsam mit dem britischen Physiker Francis Crick (1916-2004) in Cambridge einen faszinierenden Vorschlag für die Struktur des Stoffes, aus dem die Gene sind, ausarbeiten konnte. Gemeint ist die elegante Spirale des Lebens,

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