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Die Evolution des Miteinander Ein Evolutionsforscher erklärt, wie soziale Kooperation den Aufstieg der Menschheit ermöglichte von Hippel, William von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2019
  • Verlag: riva Verlag
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Die Evolution des Miteinander

Alle grundlegenden Aspekte unseres heutigen Verhaltens wurden durch die Verlagerung des Lebensraums unserer Vorfahren vom sicheren Regenwald in die Savanne geprägt. In ihrem Kampf ums Überleben auf dem offenen Grasland haben sie Teamarbeit und soziales Verhalten erlernt und so eine völlig neue Art von Intelligenz erlangt, die unsere Stellung auf diesem Planeten für immer verändert hat. Der Psychologe William von Hippel zeigt anhand von drei Wendepunkten der Evolution, wie Erlebnisse unserer Vorfahren die menschliche Entwicklung und unser Leben heute geprägt haben. Dieses Buch ist ein frischer und provokanter Blick auf unsere Spezies, der neue Hinweise darüber gibt, wer wir sind, was uns glücklich macht und wie wir dieses Wissen nutzen können, um unser Leben zu verbessern. William von Hippel wuchs in Alaska auf. Er promovierte an der University of Michigan und lehrte anschließend an der Ohio State University, bevor er nach Australien ging, wo er heute Professor für Psychologie an der Universität von Queensland ist. Er hat mehr als hundert Artikel, Essays und Bücher veröffentlicht und seine Forschungsergebnisse wurden in New York Times, USA Today, The Economist, BBC, Le Monde, El Mundo, Der Spiegel und The Australian vorgestellt. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Brisbane, Australien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 11.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783745305067
    Verlag: riva Verlag
    Größe: 2702 kBytes
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Die Evolution des Miteinander

1

Die Vertreibung aus dem Paradies

Sie und ich sind die Nachkommen von schimpansenartigen Kreaturen 1 , die vor sechs oder sieben Millionen Jahren den Regenwald verließen und in die Savanne zogen. Auf den ersten Blick erscheint die Entscheidung unserer Vorfahren, die Bäume zu verlassen, recht seltsam, denn solange sie sich unter den Baumkronen aufhielten, gab es so gut wie keine Raubtiere, die in der Lage gewesen wären, erfolgreich Jagd auf sie zu machen. Nicht einmal erstklassige Baumkletterer wie Leoparden greifen Schimpansen in Bäumen an: In ihrem eigenen Lebensraum sind Schimpansen einfach zu schnell und zu gefährlich. Am Boden hingegen werden sie zur einfachen Beute. Auf zwei Beinen sind sie unbeholfen und auch auf alle Vieren vergleichsweise langsam, außerdem eher klein: Für Großkatzen wie Löwen, Leoparden und Säbelzahntiger, die einst das östliche Afrika durchstreiften, waren sie eine leicht zu erlegende Zwischenmahlzeit.

Also wozu die Bäume verlassen? Was brachte unsere Vorfahren dazu, die Sicherheit und schiere Fülle des Lebens unter dem Baumkronendach gegen eine schwerfällige und unbeholfene Existenz auf dem Boden einzutauschen? Darüber gibt es unter den Wissenschaftlern eine lebhafte Debatte, weithin befürwortet wird inzwischen jedoch die aktualisierte Version der "Savannen-Hypothese". Sie wurde im Jahr 1925 von Raymond Dart im Zuge der Vorstellung seiner Entdeckung des Australopithecus africanus vorgeschlagen, den er auch den "Menschen-Affen aus Südafrika" nannte. Im tropischen Regenwald, stellte Dart fest, würden sich Menschen kaum entwickelt haben, weil das Leben für sie dort zu einfach gewesen sei. Weiter schrieb er: "Für die Entstehung des Menschen war eine Lehrumgebung nötig, die die Sinne schärfte und die die höheren intellektuellen Fähigkeiten stimulierte - eine offenere Steppenlandschaft, in der der Wettkampf zwischen Schnelligkeit und Schläue härter war und wo Geschicklichkeit im Denken und in der Fortbewegung für die Erhaltung der Art eine entscheidende Rolle spielte." 2

Damit, dass die Entwicklung des Menschen in der Savanne begann, hatte Dart recht, doch im Jahr 1925 war ihm noch nicht klar, welche Kräfte uns dorthin gebracht hatten. Heute glauben wir, dass es tektonische Aktivitäten entlang des Ostafrikanischen Grabenbruchs waren, die uns von unseren schimpansenähnlichen Vorfahren getrennt haben. Die gesamte Erdoberfläche, einschließlich der Landmassen, die die Kontinente ausmachen und den Grund der Ozeane bilden, sitzt auf tektonischen Platten. Diese Platten wandern auf einem darunterliegenden Mantel umher, der, wenn er aus einem Vulkan austritt, die Form eines dickflüssigen Suds hat. Unter der Erdkruste ist dieser Sud aber einem so starken Druck ausgesetzt, dass er eher die Konsistenz von biegsamem Straßenteer bekommt. Die Hitze, die der Erdkern ausstrahlt, verursacht in diesem Mantel unglaublich langsame, aber starke Strömungen, und diese Strömungen führen die Platten mit sich. Manchmal krachen sie in Superzeitlupe aufeinander. Als zum Beispiel Asien von Indien gerammt wurde, entstand nebenbei der Himalaya (der sich jedes Jahr ein paar Zentimeter erhöht). Manchmal reißen diese Platten auch auseinander und bewegen sich voneinander weg, wie in Afrika, wo sich die Ostseite langsam vom Rest des Kontinents ablöst: Es beginnt im Norden mit dem roten Meer und endet im Süden an der Küste von Mosambik.

Die tektonischen Aktivitäten entlang dieses geografischen Reißverschlusses schufen den "Ostafrikanischen Grabenbruch", und hier und da erhoben sich langsam große Teile von Äthiopien, Kenia und Tansania zu einem hohen Plateau. Die topografischen Veränderungen führten zu einem lokalen Klimawandel: Nach und nach trockneten die Regenwälder auf der Ostseite des Bruchs aus und wurden zur Savanne. Wie sich also herausstellt, verließen nicht wir die Bäume, sondern die Bäume verließen uns.

Weil unsere schimpansenartigen Vorfa

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