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Von Alkohol bis Zucker Zwölf Substanzen, die die Welt veränderten von Mähr, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2010
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Von Alkohol bis Zucker

Chemische Substanzen haben unsere Welt unwiderruflich verändert. Manchem sind sie nicht geheuer, dabei wirken sie auf den ersten Blick ganz unscheinbar. Aus unserem Leben sind sie ohnehin nicht wegzudenken. Und ihre wahren Stärken bleiben dem Auge verborgen. Christian Mähr erzählt die verblüffenden Hintergründe der zwölf wichtigsten Substanzen. Wussten Sie, dass die Weltgesundheitsorganisation das seit Jahrzehnten verteufelte DDT seit Neuestem als Wundermittel gegen Malaria empfiehlt? Dass die Zuckerproduktion seit einem halben Jahrtausend stetig steigt - unterbrochen nur vom Sklavenaufstand 1800 in Haiti? Es sind Geschichten um menschliche und unmenschliche Träume, Reportagen über Wünsche, Gier, Krankheit und Hoffnung. Von Benzin bis Soda, von Anilin bis Penizillin verfolgt Christian Mähr die chemischen Spuren in unserem Leben. Christian Mähr wurde 1952 in Feldkirch im Vorarlberg geboren und lebt als Autor und Journalist in Dornbirn. Der promovierte Chemiker arbeitete jahrelang beim Österreichischen Rundfunk für die Redaktionen Wissenschaft und Umwelt. Bei DuMont veröffentlichte er den Band Vergessene Erfindungen Tod auf der Tageskarte

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 01.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832185183
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Größe: 1372 kBytes
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Von Alkohol bis Zucker

DDT

DDT - Dichlordiphenyltrichloräthan . Schon die zungenbrecherische Bezeichnung hat etwas Abschreckendes, vor allem, wenn sie wie hier in einem Wort geschrieben wird. Das erinnert an gewisse Buchstabenrätsel, bei denen man bekannte Wörter aus einer zwischenraumlosen Kette herauslesen muss. Woher soll ein normaler Mensch wissen, wo ein Wortbestandteil aufhört und der andere anfängt? Dabei bezeichnet das Wortmonster nichts anderes als die Bestandteile des Moleküls. di- und tri- sind die aus dem Griechischen stammenden Zahlbezeichnungen für "zwei" und "drei". Warum Griechisch? Weil die Wissenschaftler, die diese Benennungen im 19. Jahrhundert eingeführt haben, sich gar nichts anderes vorstellen konnten als Griechisch oder Latein, wenn es um wissenschaftliche Bezeichnungen ging, egal, ob Medizin, Zoologie, Physik oder Chemie betroffen waren. All diese Herrschaften hatten ein humanistisches Gymnasium besucht und waren mit Griechisch traktiert worden. Diese Griechenaffinität der abendländischen Naturwissenschaft ist ein Beispiel für die seltsame Tatsache, dass zeitlich weit auseinander liegende Epochen geistig näher verwandt sind als zeitliche Nachbarn. Der Grieche Demokrit hatte sich schon lange vor Christi Geburt die Atome ausgedacht (und niemals etwas in die Hand genommen, was einem wissenschaftlichen Instrument auch nur entfernt ähnlich gesehen hätte). Dabei übersah man großzügig, dass der die letzten tausend Jahre deutlich populärere Grieche Aristoteles von den Atomen überhaupt nichts hielt. Aber das durfte man verzeihen, vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass bis in die Gegenwart des 19. Jahrhunderts bedeutende Köpfe die Existenz von Atomen bezweifelten. Der österreichische Physiker Ernst Mach, nach dem die Einheit der Schallgeschwindigkeit benannt ist, pflegte jedes Gegenüber, das von Atomen zu reden begann, mit der berühmten Sentenz zu unterbrechen: "Ah, Atome! - Ham s' scho eins gsehn?"

Aber es ist wahr: Eben weil Demokrit die Existenz kleinster unteilbarer Teile der Materie, sogar unterschiedliche Sorten von ihnen durch reine Spekulation gewonnen hatte, hätte er die Struktur einer Substanz wie DDT verstanden. Hergeholt mit einer Zeitmaschine aus dem vierten Jahrhundert v. Chr., würde man ihm die Sache in fünf Minuten auseinandersetzen (flüssiges Altgriechisch vorausgesetzt). Dasselbe stieße bei einem Scholastiker des Hochmittelalters auf deutlich größere Schwierigkeiten - wie auch bei ganz normalen Mittelschülern der Gegenwart.

Wenn man es einfach macht, dieses Erklären, braucht es aber nicht einmal fünf Minuten.

Die Abkürzung Cl steht für jeweils ein Chloratom, alle Ecken in der Zeichnung sind von Kohlenstoffatomen (C) besetzt, die Wasserstoffatome (H) sind weggelassen, die dürfen Sie selber einzeichnen. Wo? Ganz leicht: überall, wo mehrere Bindungsstriche zusammenkommen, müssen vier Striche abzweigen, sind es nur drei, darf man einen vierten einzeichnen mit einem Wasserstoffatom am Ende.

Was als Erstes auffällt - eine Menge Chlor in diesem Molekül. Tatsächlich ist DDT der einprägsamste Vertreter der von Grünbewegten so heftig gescholtenen Chlorchemie. Das berüchtigte Dioxin enthält ebenfalls einen Haufen Chlor an solchen Sechsecken, ist aber deutlich giftiger als DDT. Der ukrainische Präsident Juschtschenko wird das bestätigen; er wurde mit Dioxin vergiftet und hat nur mit Glück überlebt. Dieselbe Menge DDT hätte überhaupt keine Wirkung erzeugt.

Wie entsteht eine solche Formel? Wie kommt sie in die Welt? Was ist die Absicht, so etwas herzustellen? Der Schweizer Chemiker Paul Hermann Müller erhielt 1948 den Nobelpreis für Medizin für seine Entdeckung, dass DDT Insekten tötet. Wie bitte? Man muss diesen Satz ein wenig wirken lassen: Dieses Komitee vergibt den höchsten Wissenschaftspreis an einen Menschen namens Müller für ein Mittel gegen Mücken? Dabei hat er die Substanz gar nicht selbst&nbs

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