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Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog Konflikt- oder Integrationspotential?

  • Erscheinungsdatum: 17.01.2013
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
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Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog

Aufbauend auf zwei grundsätzlichen Beiträgen zum Verhältnis von Menschenrechten und interreligiösem Dialog einerseits und zum Verhältnis von Menschenrechten und Religionen andererseits wird das gesamte Spektrum des Themas ausgeleuchtet. So kommen neben den unterschiedlichen christlichen Konfessionen auch islamische, jüdische und asiatische Perspektiven zu Wort. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen sowie Vertreter verschiedener Religionen und Kulturen bieten Einblicke in den interdisziplinären, interreligiösen und interkulturellen Diskurs über den Stellenwert der Menschenrechte.

Prof. Dr. Friedrich Johannsen lehrt Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Leibniz Universität Hannover.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 194
    Erscheinungsdatum: 17.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170271067
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 7766 kBytes
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Die Menschenrechte im interreligiösen Dialog

Menschenrechte und die Religion/en 1

Harry Noormann

Zwischen dem Starken und Schwachen
ist es die Freiheit, die unterdrückt, und es ist
das Gesetz, was befreit.

Jean Baptiste Henri Lacordaire
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Als in Ruanda 1994 innerhalb von 100 Tagen nahezu 1 Million Menschen der Tutsi-Minderheit auf bestialische Weise vor den Augen der Weltöffentlichkeit von den herrschenden Hutu umgebracht wurde, geschah dies in einem Land, das gemeinhin als die am stärksten christianisierte Region Afrikas gilt: 2/3 Drittel der Bevölkerung waren seinerzeit katholisch. Katholische Hutu massakrierten katholische Tutsi. Erdrückende Zeugnisse dokumentieren, dass führende Persönlichkeiten der Religion der Nächstenliebe kräftig Öl ins Feuer des Hasses und der Gewaltexzesse gegossen haben. Der ethnische Genozid war getränkt auch mit religiösem Eifer; umso erstaunlicher der Schleier der Unwissenheit und des Schweigens über die Rolle der kleinen, 10 %igen Minderheit der Muslime im Land. Wer hat von der "Sensibilisierungskampagne" an muslimischen Schulen gegen die Gewalteskalation erfahren, die unter Berufung auf den Koran das Tötungsverbot und die islamischen Werte der Gleichheit aller ungeachtet ihrer Religion oder Ethnie eingeschärft hat? Das Eintreten muslimischer Autoritäten und Gemeinschaften für das Lebensrecht aller, für aktive Gewaltlosigkeit und für den Schutz von Verfolgten hat vielen Bedrohten das Leben gerettet und ein mutiges Zeugnis religiös motivierter Menschlichkeit hinterlassen 2 - gleichermaßen verstörend für das stereotype Bild "des" Islam und "des" Christentums in der medialen Öffentlichkeit.

Das Beispiel zeigt auf drastische Weise die Fahrlässigkeit der Redeweise über das vermeintliche Verhältnis dieser oder jener Religion zur Menschenrechtsbewegung, wie sie der Titel auch dieses Beitrags suggeriert. Andererseits wird niemand der ganz allgemeinen Behauptung widersprechen wollen, dass eine kannibalistische Religion es schwerer hat, einen Zugang zur Idee der Menschenwürde zu finden als jene, deren Schriften die Gläubigen auf die Heiligkeit allen Lebens verpflichtet. Die methodologische Aporie ist unauflösbar, aber heuristisch zu wenden: Die abstrakte Rede von "der" Religion arbeitet mit vorläufigen Annahmen, die offen bleiben müssen für widersprechende Phänomene und umgekehrt.

Für die großen Religionen stellt die Menschenrechtstradition eine vierfache Herausforderung dar. Zum einen haben die begründungsoffenen und säkularen Prinzipien der Menschenrechtskonventionen eine normativ-ethische und rechtliche Dynamik entfaltet, deren Zustimmungsfähigkeit weiter reicht als die der einzelnen Religionen - so wenig wie Staaten können sich Religionen ihnen entziehen. Sie müssen ihnen ihre - wenn auch kritische - Referenz erweisen. Seit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) 1948, über die Menschenrechtspakte von 1966 (in Kraft seit 1976) bis zur "dritten Generation der Menschenrechte" (Wien 1993) und der UN-Milleniumserklärung im Jahre 2000 haben sich die Menschenrechte (MR) zum normativen Horizont für die "menschliche Entwicklung" (UNPD) im weltweiten Maßstab entwickelt. 3 Trotz massiver Kritik und Vorbehalte haben sie eine transkulturelle und transnationale Revolution in der Völkergemeinschaft bewirkt, deren moralische Autorität von eklatanten Missachtungen der Menschenrechte immer wieder schwer beschädigt, aber nicht widerlegt worden ist und wird.

Zweitens werden die Religionen durch den Menschenrechtskodex an ihrem Beitrag zur gesellschaftlichen Humanisierung behaftet. Es ist an ihnen, Ängste zu widerlegen, die mit der "Wiederkehr der Religion" in der politischen Arena vielfach verbunden sind. Die MR fordern drittens dazu heraus, den interreligiösen Dialog auf ethische Schlüsselprobl

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