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Die Würde des Tieres ist unantastbar Eine neue christliche Tierethik von Remele, Kurt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2016
  • Verlag: Butzon & Bercker
eBook (PDF)
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Die Würde des Tieres ist unantastbar

Bilder von Tierfabriken, Tierversuchen und der Ausrottung ganzer Arten haben eine neue Diskussion über die Würde der Tiere entfacht. Welche Stellung nehmen dazu die christlichen Kirchen ein? Ist christliche Ethik nach wie vor durch einen arroganten Anthropozentrismus gekennzeichnet? Sonntagspredigten rufen gern zur Schöpfungsverantwortung auf, doch auf den Sonntagsbraten - meist aus Tierfabriken - will keiner verzichten. Dagegen setzt Remele seinen Entwurf einer zeitgemäßen christlichen Tierethik.

Das Herz ist nur eines, und die gleiche Erbärmlichkeit, die dazu führt, ein Tier zu misshandeln, zeigt sich unverzüglich auch in der Beziehung zu anderen Menschen. Jegliche Grausamkeit gegenüber irgendeinem Geschöpf' widerspricht der Würde des Menschen'. Wir können uns nicht als große Liebende betrachten, wenn wir irgendeinen Teil der Wirklichkeit aus unseren Interessen ausschließen.
(Papst Franziskus, Enzyklika Laudato si, 92)

Kurt Remele, geb. 1956, Prof. Dr. theol., lehrt Ethik und christliche Gesellschaftslehre an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Graz, Gastprofessor an der Catholic University of America, der University of Minnesota und der Gonzaga University, Fellow des Oxford Centre for Animal Ethics.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 15.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783766642912
    Verlag: Butzon & Bercker
    Größe: 457 kBytes
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Die Würde des Tieres ist unantastbar

II. Die Bibel: Gottes Lizenz zum Töten von Tieren?

In seinem geistreichen kurzen Roman Das Leben der Tiere erzählt der südafrikanische Literaturnobelpreisträger John M. Coetzee von der Schriftstellerin Elizabeth Costello. Frau Costello erhielt vom Appleton College, einer angesehenen Hochschule in einer amerikanischen Kleinstadt, die Einladung, die prestigeträchtigen Gates-Gastvorträge zu halten. Diese Vorlesungen werden vom College jedes Jahr einer anderen prominenten Person übertragen. Zum Thema ihrer Vorlesungen am Appleton College, wo ihr Sohn John Assistenzprofessor für Physik und Astronomie ist, hat Costello nicht ihr eigenes Leben oder ihre Romane gewählt, sondern ein Problem, das sie persönlich seit längerem sehr beschäftigt, nämlich die Beziehung zwischen Menschen und Tieren, vor allem die menschliche Grausamkeit gegenüber Tieren. "Wenn ich zu Ihnen über Tiere spreche", erklärt Costello in ihrem ersten Vortrag, "will ich Sie mit der Schilderung der Schrecken ihres Lebens und Sterbens verschonen. Obschon ich keinen Grund zu der Annahme habe, dass Ihnen deutlich vor Augen steht, was Tieren in diesem Augenblick überall auf der Welt angetan wird - in Produktionsstätten (ich zögere, sie noch Bauernhöfe zu nennen), in Schlachthöfen, auf Fischtrawlern, in Versuchslabors. [...] Ich möchte Sie nur darauf hinweisen, dass diese Schrecken, die ich hier ausspare, trotzdem im Mittelpunkt dieser Vorlesung stehen."91

Nach dieser ersten Vorlesung findet ein feierliches Abendessen zu Ehren von Frau Costello statt, zu dem Professor Garrard, der Rektor des College, eingeladen hat. In der Tischkonversation kommt Garrard auf religiöse Speisevorschriften zu sprechen. Er regt damit eine lebhafte Diskussion über reine und unreine Nahrungsmittel an, über Schlachtvorschriften und über Sühnerituale, mit denen man schon in der Antike den Segen Gottes für das Schlachten und Essen von Tieren erbeten hat. "Vielleicht ist das der Ursprung der Götter", wirft Costello ein. "Vielleicht haben wir die Götter erfunden, damit wir sie verantwortlich machen können. Sie haben uns erlaubt, Fleisch zu essen. ... Es ist nicht unsere Schuld, es ist die ihre. Wir sind nur ihre Kinder." "Und das glauben Sie?", fragt die Frau des Rektors vorsichtig. Frau Costello antwortet mit einem Bibelzitat: "Und Gott sprach: Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise." Und sie fügt hinzu: "Das ist bequem. Gott hat uns gesagt, dass es in Ordnung ist."92

In diesem Kapitel werde ich mich mit Frau Costellos folgenschwerem Verdacht auseinandersetzen, Gott sei nichts Anderes als eine menschliche Projektion, die dazu diene, das Töten und Essen von Tieren zu gestatten und damit die Menschen aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Dabei steht hier nicht die metaphysische Frage nach der Existenz Gottes im Mittelpunkt, sondern die metaethische und theologische Frage, ob eine bestimmte, in einem konkreten historischen Kontext entstandene Bibelstelle legitimerweise als unangreifbare ethische Norm und als autoritativer, für alle Zeiten gültiger Ausdruck des Willens Gottes verstanden werden darf. Anders ausgedrückt: Hat Elisabeth Costello recht, wenn sie den Christen vorwirft, daran zu glauben, dass die Herrschaft des Menschen über die Tiere dieser Erde und damit auch das Recht, sie zu töten und zu essen, als göttliches Wort und göttlicher Wille unverrückbar für alle Zeiten in der Bibel festgeschrieben sind? Und hat sie recht, dass sich nach christlicher Überzeugung deshalb jede weitere ethische Diskussion darüber erübrige, ob der Mensch Tiere töten und essen dürfe?

Die kulinarische Praxis des überwiegenden Teils der Christen gibt Frau Costello recht: Bis auf wenige Ausnahmen wird Fleisch in christlichen Familien ebenso wie in Ausbildungsstätten des christlichen Klerus, in katholischen Bildungshäusern wie in evangelischen Akademien, im Vatikan wie im Bible Belt als selbstverständlicher und fester Bestandteil des Speiseplanes ge

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