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Fall - Fallgeschichte - Fallstudie Theorie und Geschichte einer Wissensform

  • Erscheinungsdatum: 09.01.2014
  • Verlag: Campus Verlag
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Fall - Fallgeschichte - Fallstudie

Ob in juristischen Prozessakten, medizinischen Krankengeschichten oder sozialwissenschaftlichen Studien - stets wird die Diskussion über allgemeine Gesetze oder wissenschaftliche Theorien auf konkrete Einzelfälle bezogen, die als Fallgeschichten erzählt oder in Akten archiviert werden. Der Band bietet eine disziplinübergreifende Bestandsaufnahme des Stellenwerts von Fällen, Fallgeschichten und Fallstudien in den modernen Wissenschaften vom Menschen. Versammelt sind u.a. Beiträge aus den Bereichen Medizin, Jura, Literatur- und Sozialwissenschaft.

Susanne Düwell, Dr. phil., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik in Bochum, Nicolas Pethes ist dort Professor für Neugermanistik.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 333
    Erscheinungsdatum: 09.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593422800
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3033kBytes
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Fall - Fallgeschichte - Fallstudie

Fall, Wissen, Repräsentation - Epistemologie und Darstellungsästhetik von Fallnarrativen in den Wissenschaften vom Menschen
Susanne Düwell/Nicolas Pethes
Der ?Fall? ist in den letzten Jahren mit erstaunlicher Vehemenz in den Fokus der wissenschaftstheoretischen und -geschichtlichen Aufmerksamkeit gerückt. Wie oft ist das eigentlich Bemerkenswerte an einer solchen Konjunktur, dass es so lange gedauert hat, bis die zentrale Funktion von Fallbeispielen, Fallstudien und Fallgeschichten für die modernen Wissenschaften vom Menschen Gegenstand der Forschung wurde. Erst die Infragestellung übergreifender theoretischer Systeme in der philosophischen Debatte sowie die wachsende Aufmerksamkeit für rhetorische und mediale Formen im Prozess der Wissensbildung haben in den vergangenen Jahrzehnten die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Relevanz singulärer Evidenzen, medialer Aufzeichnungspraktiken und narrativer Strukturen für die moderne Wissenschaftskommunikation gewürdigt und diskutiert werden kann. Fälle sind aus dieser Perspektive gewissermaßen ?kleine Erzählungen?, die bereits im Zeitalter der ?großen Erzählungen? weit mehr als exemplarische Veranschaulichungen umfassender Theoriegebäude waren, im Rahmen von Ansätzen wie emplotment of history (Hayden White), rhetoric of science (Alan Gross), inscribing science (Timothy Lenoir) und narrative medicine (Rita Charon) aber zunehmend als eigenständiger Untersuchungsgegenstand wahrgenommen werden.
Der vorliegende Sammelband nimmt diesen wissensgeschichtlichen Kontext in den Blick, um in Gestalt eines systematischen Aufrisses zu entfalten, was unter dem Begriff des ?Falls? verstanden wird und welche Funktionen mit der Verwendung von Fällen verbunden werden. Auch wenn dieser Aufriss ein Panorama der verschiedenen akademischen Disziplinen eröffnet, die mit Falldarstellungen arbeiten, so ist seine Absicht keineswegs nur wissenschaftshistorischer Natur. Vielmehr geht es darum, auf die eminente Bedeutung hinzuweisen, die dem Fall bis in die bio-, technik- und sozialwissenschaftlichen Diskurse der Gegenwart zukommt. Denn auch wenn die Methodendiskussion der Sozialforschung im 20. Jahrhundert immer wieder auf die mangelnde Repräsentativität exemplarischer Einzeluntersuchungen hingewiesen hat, erweist sich der Ausgang vom Einzelfall in einer ganzen Reihe von Wissens- und Praxisfeldern weiterhin als zentral.
Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes ist die Annahme, dass diese anhaltende Relevanz von Einzelfällen für das Selbstverständnis der Humanwissenschaften überaus voraussetzungs- und folgenreich gewesen ist. Insbesondere die moderne Semantik des Individuums verdankt sich nicht nur philosophischen Reflexionen, sondern auch den materiellen Praktiken der Protokollierung, Archivierung und Publikation von Fällen in den ver-schiedenen Institutionen der modernen Wissenschaft und Verwaltung. Vor diesem Hintergrund wird man diese Fälle nicht als eine mehr oder minder austauschbare Darstellungsweise für ein unabhängig von diesen Darstellungen verhandelbares Wissen betrachten. Vielmehr handelt es sich um eine zentrale Repräsentations- und Wissensform, die in den vergangenen 250 Jahren eine bislang erst in Ansätzen in den Blick genommene Menge an Papieren, Texten und Daten hervorgebracht hat, deren Analyse für eine Reflexion der modernen Humanwissenschaften, die sich nicht als bloße Ideengeschichte versteht, unumgänglich ist: In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts - so unsere Ausgangsüberlegung - hat sich der Fall als spezifische Wissensform der Humanwissenschaften etabliert und bis heute beruhen das theoretische Wissen über Menschen wie die Grundlegung praktischer Entscheidungen, die sie betreffen, zu einem großen Teil auf einem in die verschiedenen Filiationen der sich ausdifferenzierenden Einzeldisziplinen verzweigten Archiv von Fällen - von der Pädagogik, Psychologie und Gerichtsmedizin über Psychiatrie, Sexualwissenschaft und Psychoanalyse bis hin z

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