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Handbuch der Mythologie von Jamme, Christoph (eBook)

  • Erschienen: 01.06.2014
  • Verlag: Philipp von Zabern
eBook (ePUB)
47,99 €
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Handbuch der Mythologie

Ob Prometheus, Romulus, Freyja oder der Gelbe Kaiser: Die Mythen der Welt sind von beeindruckender Vielfalt. Sie prägen unser kulturelles Gedächtnis und beeinflussen die Wahrnehmung fremder Länder und Bräuche. Dies Handbuch macht mit der Mythologie der einflussreichsten Kulturen bekannt. Neben der griechisch-römischen und der germanischen Mythologie werden erstmals auch die in Mesopotamien, Ägypten, Asien, Amerika und Ozeanien vorherrschenden Mythen berücksichtigt. Fundierte Einzelartikel erklären Bedeutung und Wirkung ausgewählter Mythen. Zahlreiche Abbildungen von Kunstwerken und Kultgegenständen dokumentieren deren künstlerische Darstellung von der Antike bis zur Moderne. Informationen zum Mythos in Wissenschaft und Künsten runden den Band ab.

Kai Brodersen ist seit 2008 Professor für Antike Kultur an der Universität Erfurt, deren Präsident er von 2008 bis 2014 war.

Produktinformationen

    Größe: 11780kBytes
    Herausgeber: Philipp von Zabern
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 368
    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    ISBN: 9783805348348
    Ausgabe: 2. Aufl.
    Erschienen: 01.06.2014
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Handbuch der Mythologie

1. Europa

Griechische Mythologie Christoph Jamme/Stefan Matuschek

Einleitung

W ie der Begriff kommen auch die bis heute maßgeblichen Beispiele für den Mythos aus der griechischen Antike. Ursprünglich bezeichnet der Ausdruck die in Hesiods Theogonie und in den homerischen Epen Ilias und Odyssee erzählten Götter- und Heldengeschichten. Die Genealogie der griechischen Götter, der Trojanische Krieg und die abenteuerliche Irrfahrt des Kriegsheimkehrers Odysseus: Das ist vom ersten Aufkommen des Wortes an bis heute die Basis, auf der alle Rede vom Mythos steht. Wie komplex die Definitionsangebote für den Mythosbegriff im ausdifferenzierten Wissenschaftsbetrieb auch geworden sind, so stabil bleibt die Grundlage der hesiodischen und homerischen Texte. Denn sosehr moderne Mythosbegriffe auch moderne Phänomene wie Hollywoodfilme oder Markenprodukte mit einschließen, sie werden genau dann nicht mehr als Mythosbegriffe gelten können, wenn sie ihre Beziehbarkeit auf Hesiods und Homers Erzählungen verlieren. Die Theogonie, die Ilias und die Odyssee geben die nachhaltigste phänomenale Orientierung, was denn konkret unter Mythos zu verstehen ist. So prägt sein altgriechischer Ursprung den Begriff bis heute. Mit der zeitlichen geht die kulturräumliche Ausdehnung einher. Wenn man etwa von germanischen oder auch außereuropäischen Mythen und Mythologien spricht, überträgt man das altgriechische Konzept auf andere Kulturen. Damit wird man den jeweiligen kulturellen Besonderheiten freilich nicht gerecht. Denn wenn auch viele Kulturen traditionelle Götter- und Heldenerzählungen kennen, bleibt deren Kennzeichnung als 'Mythos' doch eine spezifisch altgriechische Position. In diesem Begriff liegt ein Moment der Distanznahme und der Aufklärung: Mythos ist ein potenziell kritischer Begriff, der die Erzählung von Göttern und Helden als von Menschen gemachte Erzählung von den historischen Tatsachen und der göttlichen Offenbarung trennt. Damit gehört der Mythosbegriff zur altgriechischen Philosophie. Er ist ein Erkenntniswerkzeug, mit dem die antiken griechischen Philosophen Rechenschaft über das zu geben versuchen, was in ihrer Kultur traditionelle Geltung hat, ohne einem historischen oder philosophisch-logischen Wahrheitsanspruch zu genügen. Dieses Moment der Distanznahme, der potenziell kritischen Reflexion macht den Mythosbegriff aus. Er ist damit ein Zeugnis des mit den Vorsokratikern beginnenden, ab etwa 600 v. Chr. überlieferten philosophischen Denkens.

Für die Entstehung der altgriechischen Göttergeschichten nimmt man indes eine ursprüngliche Einheit von Mythos und Religion an. Die erzählten waren zugleich die geglaubten und verehrten Götter. Für viele von ihnen sind Tempel und andere Kultstätten erhalten oder archäologisch rekonstruierbar. Insofern zeugt die Mythologie von der Religion im antiken Griechenland. Sie ist nicht nur Erzählung, sondern auch rituelle Praxis. Durch die überragende Bedeutung der homerischen Epen indes erscheint der Mythos zugleich als Dichtung und wird dann im philosophischen Denken als solche, d.h. als Erzeugnis dichterischer Fantasie reflektiert. Die religiöse Dimension ist damit allerdings nicht negiert oder verloren. Vielmehr gehen Religion und Kunst eine Verbindung ein, wie sie gerade für die griechische Antike kennzeichnend und für die Orthodoxie-Vorstellungen monotheistischer Religionen unvorstellbar ist. Die Kunst gilt als Gottesdienst und Gotteszeugnis. Die Attische Tragödie, die die mythischen Überlieferungen in immer neuen dramatischen Zuspitzungen variiert und sinnlich vergegenwärtigt, ist kein Schauspiel im modernen, säkularen Sinne, sondern hat als Teil des Dionysos-Kults eine gottesdienstliche Dimension. Zugleich aber ist sie ein Künstler-Wettkampf: Die Tragödiendichter traten mit ihren individuellen

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