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Symbolik zwischen Leben und Tod Jugendkultur als Ausdruck oder Korrektiv sozio-kultureller Strömungen von Trattner, Agnes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.09.2015
  • Verlag: Archiv der Jugendkulturen Verlag
eBook (ePUB)
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Symbolik zwischen Leben und Tod

Todessymbole wie Totenköpfe, Skelette und Knochen in Form von Tattoos, auf Kleidungs- und Schmuckstücken oder Accessoires sind seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fester Bestandteil verschiedener jugendkultureller Szenen. Seit dem Beginn des neuen Jahrtausends erfahren die Symbole eine neue Dimension, da insbesondere Emos sie mit Lebenssymbolen wie Blumen, Schmetterlingen, Herzen und mit grellen, bunten Farben kombinieren. Sie führen damit Leben und Tod zumindest auf einer symbolischen Ebene zusammen und verleihen einem gesellschaftlich tabuisierten Thema Ausdruck. Da die Lebensphase Jugend in der wissenschaftlichen Literatur nicht vor dem Hintergrund einer anstehenden Vergänglichkeitsbewältigung interpretiert wird, bleibt in den vielfältigen Studien zur Adoleszenz offen, wie Jugendliche mit der gesellschaftlichen Verdrängung des Todes bzw. der Verklärung von Jugend umgehen und welche Bedeutung in diesem Zusammenhang jugendkulturelle Symbole sowie jugendkulturelle Gemeinschaften haben. Die Arbeit nähert sich diesen Fragen mit einem historischen Blick auf die kulturellen Umgangsformen mit Sterben und Tod sowie auf die gesellschaftlichen Vorstellungen von Jugend. Dabei werden die Zusammenhänge der gesellschaftlichen Todesverdrängung und der Verklärung von Jugend herausgearbeitet. Der Idealisierung von Jugend wird die reale Situation, in der sich Jugendliche befinden, gegenübergestellt, wobei der Fokus auf der Bewältigung von Vergänglichkeit als zentraler Aufgabe der Adoleszenz gerichtet ist. In einer empirischen Studie, die qualitative und quantitative Methoden verbindet, kommen Jugendliche, die eine Affinität zu Todessymbolen aufweisen, selbst zu Wort. Eine besondere Aufmerksamkeit erfährt die aktuelle und international verbreitete Jugendszene der Emos.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 28.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945398012
    Verlag: Archiv der Jugendkulturen Verlag
    Größe: 6680 kBytes
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Symbolik zwischen Leben und Tod

EINLEITUNG

Jugendliche Gruppen wie die Emos oder Satanisten sind Gruppierungen von Jugendlichen bei denen die Faszination des Abscheulichen im Vordergrund steht, sie wollen durch eine Überbetonung von Verzweiflung, Trauer, Auseinandersetzung mit dem Tod auf der einen Seite provozieren, weil sie selbst massiv gestörte Beziehungen untereinander oder zu ihren Ursprungsfamilien haben und es ist der Versuch auf sich aufmerksam zu machen und letztlich ist es ein Hilfeschrei nach Nähe und nach Beziehung. ( Lüdke 2008, Min. 2:47-3:20) 5

Diese Aussage steht repräsentativ für das massenmedial dargebotene Bild von Emos, einer seit dem Beginn des neuen Jahrtausends international verbreiteten jugendkulturellen Szene. Seinem Lebenslauf 6 bzw. seiner Homepage 7 zufolge ist Lüdke promovierter Erziehungswissenschafter sowie approbierter Kinder- und Jugendpsychotherapeut und zumindest für den Sender RTL ein Experte auf ganzer Linie.

Lüdke bedient in seiner Aussage sämtliche Vorurteile, die man bereits von den Gothics kennt. Beide Jugendszenen werden gerne in einem Atemzug mit Satanisten genannt. Ihre Szeneangehörigen seien übermäßig traurig und würden sich allzu viel mit dem Tod beschäftigen. Ihre angebliche Todesaffinität und Faszination am Abscheulichen resultiere aus einer Lust an Provokation, fuße in problematischen Beziehungen mit bzw. in ihrem Umfeld und sei ein pathologischer Versuch Aufmerksamkeit zu erregen. Darüber hinaus wird Gothics wie Emos gerne vorgeworfen, dass sie selbstmordgefährdet seien. Insbesondere den Emos wird unterstellt, dass zu einer authentischen Szenezugehörigkeit selbstverletzendes Verhalten wie Ritzen gehöre.

So unterschiedlich die Szenen der Gothics und Emos auch sind, zeigen doch beide in ihrem Stil todesaffine Symbole wie zum Beispiel die Farbe Schwarz, Totenköpfe, Skelette oder Knochen. Derartige Todessymbole weisen in der abendländischen Geschichte eine lange Tradition auf und sind seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fester Bestandteil der Selbstinszenierung verschiedener jugendkulturell geprägter Szenen. So finden sich Totenköpfe, Skelette oder Knochen in Form von Tattoos, auf Kleidungs- und Schmuckstücken sowie auf Accessoires beispielsweise bei den Rockabillies, Skinheads, Punks, Heavy Metals oder Gothics. Diesen Todessymbolen und der Farbe Schwarz kommt insbesondere bei den Gothics eine besondere Bedeutung zu, die nicht von ungefähr auch als "Schwarze Szene" bezeichnet werden. Im Unterschied dazu kombinieren Emos die bereits aus anderen Szenen bekannten Todessymbole mit Lebenssymbolen wie Blumen, Schmetterlingen, Herzen sowie mit grellen und bunten Farben.

Symbole zeichnen sich in Cassierers Definition durch "Vielseitigkeit und Wandelbarkeit aus" im Gegensatz zum Zeichen, das damit, worauf es sich bezieht, "fest und eindeutig verbunden" ist (vgl. Cassirer 1990, S. 64f.). Symbole verbinden "die gegenständliche mit der nicht-gegenständlichen, der imaginären oder geistigen Welt" und sind laut Seifert eine "Reaktion des Individuums auf seine Umwelt", denn "Wirklichkeitserfahrung und Wirklichkeitsbewältigung korrespondieren mit symbolischer und kreativer Aneignung bzw. Auseinandersetzung" ( Seifert 2004, S. 24). Seiferts Einschätzung zufolge artikulieren Jugendkulturen in ihrem symbolischen Ausdruck nicht nur gesellschaftliche Probleme, sondern suchen auch nach kreativen Lösungsstrategien, indem sie starre Zeichen verändern und damit neue Wege sichtbar machen. Mit ästhetischen Mitteln verhandeln sie - meist unbewusst - gesellschaftlich relevante Themen auf einer symbolischen Ebene (vgl. ebd., S. 18f.).

Die Symbole der Emos verweisen auf ein gesellschaftlich verdrängtes Thema, indem sie Leben und Tod auf einer symbolischen Ebene zusammenführen und so den Tod ins Leben zurückholen.

Die Symbole der Emos verweisen auf ein gesellschaftlich verdrängtes Thema, indem sie

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