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Wasser und Raum Beiträge zu einer Kulturtheorie des Wassers

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2008
  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
eBook (PDF)
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Wasser und Raum

Wasser als wichtigste natürliche Basisressource für das menschliche Leben ist Gegenstand ökologischer, technischer und wirtschaftswissenschaftlicher Forschungen. Wie lautet ergänzend dazu eine kulturwissenschaftliche Theorie des Wassers? Der vorliegende Band betrachtet das Thema Wasser erstmals vom Konzept des Raumes her. Raum stellt für den Menschen eine ganz selbstverständliche Kategorie des Denkens, Sprechens und Handelns dar. Ausgehend von der These, dass Wasser als Raum immer eine kulturelle und soziale Konstruktion ist, beschreiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dieser interdisziplinären Studie sprachlich-kognitive, historisch-anthropologische, narrativ-symbolische und visuell-symbolische Dimensionen von Wasserräumen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 366
    Erscheinungsdatum: 20.02.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862340477
    Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
    Größe: 4264kBytes
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Wasser und Raum

" Sybille-Karin Moser Atmosphären,Verräumlichung und Bild. Verdinglichte Ekstasen oder von der Kunst, Wasser zu malen (S. 343-344)

1. Wahrnehmungen und Urteile

Anlässlich einer Einzel-Ausstellung von Landschaftsgemälden des kanadischenMalersKen Danby imHerbst 2004 inToronto1 sagte ein etwa fünf Jahre alter Bub vor einemWassergemälde in die Stille des Anschauens hinein zu seinemVater: "Daddy, I can hear the water!" Mit Sicherheit lag manchem von uns bereits mehrere Male ein ähnliches Urteil auf den Lippen, wenn ein Gemälde imstande war, starke Sinneserfahrungen in uns aufzurufen und die Erinnerung an einNaturerlebnis zu wecken. Uns Kunsthistoriker hemmt aber der nörgelndeVerstand. Diemeisten von uns zögern, gleich diesem Jungen unserer anschauenden Urteilskraft für ein affektives Bekenntnis ungezügelten Lauf zu lassen. Die Gründe des Zögerns müssen nicht wissenschaftliche sein; sie liegen zumeist in unserer Befangenheit, verstrickt in Vorstellungen und Vorurteilen.

Modeströmung und Eitelkeit2 haben auch vor der Wissenschaft und vor derKunstgeschichte nicht Halt gemacht.Bis vor der Jahrtausendwende – es zeichnet sich eben in aller Deutlichkeit eine Trendwende ab – war es nicht en vogue, zeitgenössische realistische Landschaftsmalerei als beachtenswert oder gar gut zu finden. Naturalismen können vom gelehrten Kunsthistoriker nur dann Würdigung erfahren, wenn es für sie historische Positionierungen im nach wie vor unhinterfragt gültigen Zeit- Raum-Kontinuum der europäischen Stilgeschichte gibt.Die gemeinhin – nennen wir sie – diagnostisch verfahrende westliche Rezeptionsästhetik sieht imKunstwerk "keine Schöpfung, sondern einDokument".

IhreArt der scheinbar "unvoreingenommenen" distanzierten Objektanalyse und Interpretation liefert jedoch nur ein schwaches Surrogat für das erhebende und klärende Erlebnis,das sich in der Begegnungmit einemKunstwerk einstellen kann. Dieses Surrogat wird dem,was sich als neue Realität, als Beziehungsgeflecht zwischen Kunstwerk und Betrachter entwickelt, dem Bild, nicht gerecht. Ein Gemälde ist etwas Geheimnisvolles.Auf eine ganz andereWeise, als es die Fotografie vermag,verkündet es:es wurde etwas gesehen.DieAf- firmation des Sichtbaren, des Existierenden, des Körperhaften stellt sich ein und erreicht den Betrachter als Signal.

Die einzige aber notwendige Bedingung für den Gewinn der Erkenntnis dessen, was hier in Gestalt eines Kunstwerks, gleichsam als Schöpfung erscheint, ist des Betrachters Fähigkeit zur unmittelbaren Hingabe. In der Psychoanalyse wird dieses Element des spontanen und interessegeleiteten Eingehens als Übertragung bezeichnet.Wir können es aber ganz einfach Liebe5 nennen, denn nicht von ungefähr bezeichnete man einen Kenner als Kunstliebhaber.

Wir sind beimThema:WelcherArt sind die Bedingungen dafür,dass ein Gemälde, in das wir uns betrachtend versenken, in uns das Sinneserlebnis des Rauschens vonWasser auslöst? Die Bedingungen sind komplex und sie sind nicht nur im Bildbetrachter, sondern ebenso imKünstler und seinen geistigen wie bildkünstlerischen Fähigkeiten zu orten. Ein Gemälde ist beides, Szene und gemalte Oberfläche. Beides geht ein in das ästhetische Problem. Das ästhetische Problem, das Kunsthistoriker wie Literaturwissenschaftler gleichermaßen beschäftigt, wurzelt tief und es hat eine Geschichte."

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