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Zauberberg Riva von Jasper, Willi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.04.2013
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Zauberberg Riva

Ein Sanatorium am Gardasee in der Literatur Am Ende des 19. Jahrhunderts gründete der Wiener Arzt Christoph von Hartungen in Riva am Gardasee ein Sanatorium, das schnell zu einem bevorzugten Dorado von Aristokraten, Diplomaten, Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern wurde. Die besondere Anziehungskraft des Ortes machte die uralte Verbindung von südlichem Naturerlebnis, Heilklima und humanistischer Kulturtradition aus, die Reminiszenzen reichen von Vergil über Dante bis zu Nietzsche. Vor dem Ersten Weltkrieg verkehrten hier prominente Persönlichkeiten wie Thomas und Heinrich Mann, Sigmund Freud, Franz Kafka und Max Brod, Christian Morgenstern, Rudolf Steiner, Magnus Hirschfeld oder Hermione von Preuschen. Willi Jasper untersucht dieses Zauberberg-Milieu mit seinen schillernden Gästen im ideengeschichtlichen Zusammenhang. Gleichzeitig dokumentarische Erzählung und kulturhistorischer Essay, zeichnet Zauberberg Riva das farbige Bild der geistigen Aufbruch- und Untergangsstimmung dieses mitteleuropäischen Mikrokosmos.

Willi Jasper, geboren 1945 in Lavelsloh (Niedersachsen), lebt als Kulturwissenschaftler und Publizist in Berlin. Er war bis 2010 Professor für deutsch-jüdische Literaturgeschichte an der Universität Potsdam. Veröffentlichungen: u. a. Biografien über Ludwig Börne, Lessing und Heinrich Mann, Betrachtungen zu 'Faust und die Deutschen' und zum 'Deutschjüdischen Parnass' - zuletzt: 'Die Jagd nach Liebe - Heinrich Mann und die Frauen'. 2013 wurde Willi Jasper die Johann-Heinrich-Merck-Medaille verliehen (weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Goethe-Gesellschaft-Darmstadt)

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 25.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783882219234
    Verlag: Matthes & Seitz Berlin Verlag
    Größe: 718 kBytes
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Zauberberg Riva

II. G ÖTTINNEN

Im Zeichen der Venus

Die Kulturlandschaft des Gardasees war für Heinrich und Thomas Mann ein besonderer Ort der literarischen Inspiration und des Streites über mythologische Deutungen. So bat Heinrich Mann im Jahre 1902 den Freund Ludwig Ewers, ihm kurzfristig für seine literarische Arbeit aus dem Brockhaus Stichworterklärungen zu Begriffen wie "Aphrodite", "Mysterien", "Eleusische Feste", "Saturnalien", "Bacchanale" und "Dionysosreligion" abzuschreiben und nach Riva zu übermitteln. Wie Christl von Hartungen sich erinnern konnte, hatten die Brüder Mann während ihrer damaligen, gemeinsamen Kuraufenthalte unter anderem ziemlich laut und laienhaft über die unterschiedlichen mythologischen Bedeutungen von Venus- und Apollonkult gestritten.

Obwohl ihm Ursprung und Etymologie des Namens unklar waren, gab Thomas sich als Anhänger von Apollon aus, den er als Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichern Reinheit und der Künste, vor allem der Musik, verehrte. Heinrich hingegen interessierte sich im Zusammenhang mit dem Minnesänger Tannhäuser mehr für die Venusberg-Sage. Nach dem mittelalterlichen Sagenmotiv lockte die schöne Venus Menschen, vor allem Männer, in ihr von Nymphen und Nixen bewohntes Bergreich, um sie zur Sünde zu verführen und so der Verdammnis zu überlassen. An Christl von Hartungen richtete Heinrich auch die Bitte, ihm aus Universitätsbibliotheken Material über italienische Versionen des Venusmythos zu besorgen. Mit dieser Aufgabe war der junge Medizinstudent, wie er im Rückblick freimütig einräumte, überfordert. Seine "Archivfunde" gingen nicht über die in allgemeinen Lexika zugänglichen Informationen hinaus. Heinrich Manns Vermutung, Venus sei ursprünglich eine italische Göttin der Bauern und Winzer gewesen, ließ sich auch durch neuere Nachschlagwerke nicht belegen. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr., so die übermittelte Erkenntnis, wurde Venus meist als Göttin der Liebe mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt, deren Kult sich als "Venus Erycina" von Sizilien, das heißt vom Berg Eryx, bis nach Norditalien ausbreitete. Die römische Mythentradition thematisierte aber auch einen Zusammenhang zwischen sinnlicher Lust und körperlichem Verfall, wie die Doppelfunktion der Göttin als "Venus Libentina" und "Venus Libitina" symbolisiert.

So durfte Heinrich Mann schlussfolgern, die Göttin Venus hätte auch in Riva Liebes- und Totenkulte beeinflusst. Allerdings hielt er daran fest, diese Kulte mit bukolischer Tradition in Verbindung zu bringen. Die Bauernidylle vom Gardasee kannte er aus eigener Anschauung. Landpartien gehörten zum Kurprogramm. Auf einer Fotografie aus dem Jahr 1905 posiert der Dichter zusammen mit Mitgliedern der Familie von Hartungen, schönen Frauen aus dem Sanatorium und einheimischen Bauern, Kindern und Ziegen geradezu symbolisch vor der malerischen Kulisse eines alten Gehöftes in der Nähe von Riva. Und im dritten Band der Göttinnen , der nicht zufällig den Titel Venus trägt, dient der Gardasee als Kulisse für die Lebensreform des Künstlers Jakobus Halm. Er lebt hier zurückgezogen auf einem einsamen Bauernhof am Seeufer, umgeben von Fischerbooten, Zypressen, Weinbergen und Rosengärten, und hat "was Besseres zu tun als malen". Mit dem Auftauchen der Herzogin von Assy, der früheren Muse des Malers, wird die bukolische Idylle gestört. In der Konfrontation von schlichter Naturempfindung und "hysterischer Renaissance" treffen nicht nur unterschiedliche Welten aufeinander, sondern auch zwei gegensätzliche Frauenideale. Jakobus lebt mit der gesunden und kräftigen Bäuerin Pasqua zusammen, die "aus ihren schönen, fragenden Tieraugen gleichmütig auf die Fremde blickt". Er versucht der Herzogin den Wandel seines Geschmacks zu erklären: "Ich hatte die klugen Frauen satt, wissen Sie. Und die liebenden gar! Immer in einem Ungewitter von Leidenschaft stehen! ... Die Pasqua ist wundervoll geistlos. Auch denk

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