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Zwischen Feindsetzung und Selbstviktimisierung Gefühlspolitik und Ästhetik populistischer Kommunikation

  • Erscheinungsdatum: 22.07.2020
  • Verlag: Campus Verlag
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Zwischen Feindsetzung und Selbstviktimisierung

Populistische Kommunikation ist geprägt durch Rhetoriken, Bilder, Dramaturgien und Inszenierungsweisen, die auf die Affekte und Gefühle ihrer Adressaten zielen. Dieser Band nimmt die medienästhetische und performative Dimension zeitgenössischer und historischer Varianten des Populismus in den Blick. Die Beiträge analysieren die Formatierungen populistischer Kommunikationsakte in sozialen Netzwerken, in Nachrichtenmedien, Kinofilmen und populären Fernseh- bzw. Internetformaten im Spannungsfeld von Feindsetzung und Selbstviktimisierung. Lars Koch ist Professor für Medienwissenschaft und Neuere deutsche Literatur an der TU Dresden. Torsten König ist wiss. Mitarbeiter am Institut für Romanistik an der TU Dresden.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 22.07.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593443874
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 6746 kBytes
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Zwischen Feindsetzung und Selbstviktimisierung

Zwischen Feindsetzung und Selbstviktimisierung. Gefühlspolitik und Ästhetik populistischer Kommunikation. Eine Annäherung Lars Koch, Torsten König und Gerd Schwerhoff Kann man noch Neues und Originelles zum Thema des vorliegenden Bandes sagen? Die Popularität des "Populismus" scheint in der gegenwärtigen sozialwissenschaftlichen Forschung ungebrochen, Tendenz steigend, wie die wachsende Zahl der Publikationen dazu in jüngerer Zeit belegt. In den vergangenen 15 Jahren ist dieser Trend zweifelsohne dem akuten und massiven Auftauchen politischer Phänomene geschuldet, die mit dem Label "Populismus" umschrieben und geordnet werden, von den Programmen migrationsfeindlicher und europaskeptischer Parteien über den Politikstil von Hugo Chávez oder Donald Trump bis hin zu Pegida und diversen identitären Bewegungen. Gleichwohl lässt sich die Auseinandersetzung mit der Thematik schon sehr viel früher beobachten. 1969 widmete sich eine interdisziplinäre Tagung an der London School of Economics dem Phänomen. "Ein Gespenst geht um in der Welt - der Populismus", schreiben die Herausgeber Ernest Gellner und Ghita Ionescu in der Einleitung zum Tagungsband. Dass Populismus zu verschiedenen Zeiten als Problem von größter Gegenwartsrelevanz begriffen wurde, zeigt das wiederholte Aufgreifen der Marx-Paraphrase etwa bei Helmut Dubiel 1986 oder Bernd Stegemann 2017. Auch der vorliegende Band begründet sein wissenschaftliches Interesse an der Thematik mit der Notwendigkeit von Gegenwartsdiagnostik, insbesondere vor dem Hintergrund des globalen Rechtspopulismus, dessen Einfluss auf politische Systeme und Gesellschaften wächst. Historische Dimensionen des Phänomens figurieren gleichwohl als notwendige Kontrastfolien für strukturelle Vergleiche. Die in den letzten Jahren erfolgten Untersuchungen zum Populismus richten den Fokus auf Strukturen und Organisationsformen der politisch Handelnden, auf soziale Determinanten oder auf ideologische Dimensionen. Vergleichsweise wenig Beachtung fanden dagegen bisher Aspekte der Form populistischer Kommunikation unter medienästhetischen Gesichts-punkten. An diesem Punkt setzt die Untersuchungsperspektive des vorliegenden Bandes an. Sie geht davon aus, dass eine Beschreibung des Populismus ohne die Reflexion seiner medialen und medienästhetischen Bedingtheiten nicht auskommt und fragt nach den performativen Dimensionen populistischer Kommunikation in unterschiedlich gestalteten Ausdrucksformen. Sie versteht sich dabei als Beitrag zu einer "kritischen Theorie des Populismus", der Forschungslücken schließen und neue Reflexionsimpulse geben möchte. Ein solches Unterfangen sieht sich mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert. Will man den Terminus "Populismus" als analytische Kategorie verwenden, ist zunächst zu berücksichtigen, dass er gleichzeitig Kampfbegriff in der politischen Auseinandersetzung ist. "Populistisch" ist eine Schmähvokabel, die von allen politischen Lagern, von den einen mehr, den anderen weniger, mit dem Ziel der moralischen Delegitimierung des Gegners in Anschlag gebracht wird. Versuche, den Begriff positiv zu wenden, wie jüngst durch Chantal Mouffes Plädoyer für einen "linken Populismus" geschehen, kehren zwar die Vorzeichen um, ändern aber nichts an seinem Wertungscharakter. Angesichts der kaum zu verhindernden Überlappung von Objekt- und Beschreibungssprache stellt sich also die Frage, inwieweit der politische Kampfbegriff "Populismus" zugleich ein Instrument wissenschaftlicher Analyse und Erkenntnis sein kann. Eine Lösung des Problems zeichnet sich ab, wenn man "Populismus" mit den aktuellen Entwicklungen in der Forschung deskriptiv als eine "politische Mobilisierungslogik" versteht, die durch keine spezifische politische Ideologie und Programmatik, wohl aber durch rekonstruier- und vergleichbare Adressierungsstrategien und Resonanzkalküle gekennzeichnet ist. Konzeptuell lässt sich diese Logik zunächst vor allem formal und mit Blick auf die sie bedingen

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