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Flut Das wilde Leben der Gezeiten von Aldersey-Williams, Hugh (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2017
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Flut

Die Hälfte der Menschheit lebt an Küsten - trotzdem wissen wir wenig über die Elementarkraft der Gezeiten. Und das obwohl deren physische Präsenz uns seit jeher beeinflusst und vielleicht sogar unsere DNA miterschaffen hat. Schon Aristoteles brachte ihre Unberechenbarkeit zur Weißglut, und ihre potenziell zerstörerische Kraft wird die Menschheit auch in Zukunft betreffen. Hugh Aldersey-Williams beschreibt, wie der Mensch die Gesetze erforscht, denen das Wasser - und damit auch das Klima - unterworfen ist. Leichtfüßig verbindet er die Wissenschaft von Ebbe und Flut mit großen Erzählungen und Mythen. Nehmen Sie Platz, das maritime Drama mit einer Länge von 12 Stunden und 30 Minuten beginnt. Hugh Aldersey-Williams, geboren 1959, ist Naturwissenschaftler und Kurator. Er hat unter anderem Ausstellungen für das Londoner Victoria and Albert Museum und die Wellcome Collection konzipiert. Zudem verfasst er Bücher zu Wissenschafts- und Designthemen. Im Jahr 2011 erschien bei Hanser 'Das wilde Leben der Elemente' und darauf folgend 'Anatomien. Kulturgeschichten vom menschlichen Körper'. Er lebt in London und Norfolk.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 20.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446256149
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Tide
    Größe: 16602 kBytes
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Flut

EIN BLICK AUF ENTSPANNTE GEZEITEN

Dreizehn Stunden

Blakeney, Norfolk

HW

NW

HW

NW

4. September 2013

05:57

18:27



3,0 m

2,9 m


Hochwasser Niedrigwasser

Zugegeben, es ist eine kauzige Idee, zwölf oder dreizehn Stunden lang aufs Meer zu schauen. Dem Gras beim Wachsen zuzusehen ist interessanter, werden Sie sagen. Aber ich lasse mich nicht abhalten. Ich weiß auch nicht, was mich erwartet, aber ich werde alles sorgfältig aufschreiben. Ich weiß wirklich nicht, was mich erwartet, und genau deshalb reizt es mich.

Zuerst musste ich mich entscheiden, wo ich dieses kleine Experiment denn durchführen wollte. An der britischen Küste sind die Gezeiten überall mächtig am Werk. Ich lebe in Norfolk, einer fast schon unanständig weit in die Nordsee hinausragenden Grafschaft. Wenn auf alten Landkarten Großbritannien als Person dargestellt ist, ist Norfolk meist der dicke Bauch. Entsprechend ausgedehnt ist die Küste, und so fiel mir die Wahl nicht leicht. Ich dachte an Blakeney Quay. Dort hatte ich einmal beobachtet, dass das Wasser so schnell die Flussbiegung hinauflief (sicher drei Meter pro Sekunde, wie ich an vorbeischwimmendem Gras ablas), dass es feste hölzerne Dalben richtig durchschüttelte. Doch gab es dort zu viele Touristen. Irgendjemand würde mich dauernd ablenken. Deshalb suchte ich mir eine Stelle ein oder zwei Kilometer weiter aus, wo mich niemand stören würde.

Es hätte natürlich auch viele andere schöne Möglichkeiten gegeben: den Tidefluss Yar, der die Isle of Wight, wo ich meine Kindheit verbrachte, praktisch in zwei Teile teilt. Griswold Point an der Mündung des Connecticut River, wo mich mein amerikanischer Cousin hinführte und wo wir zuschauten, wie die seltenen Gelbfuß-Regenpfeifer ihre Nestmulden in den Sand scharrten. Viele der verlassenen Strände, die ich vor Jahren an der Route 101 sah, als ich durch Oregon Richtung Süden fuhr. Die Hafenstadt Cádiz, die dank ihrer Lage auf einer atlantischen Halbinsel schon den Phöniziern als Hafen diente und wo sich die streunenden Katzen auf dem Wellenbrecher treffen. Oder auch Cape Trafalgar, jenen sandüberwehten Strand, wo ich einmal darüber meditierte, wie der Norfolker Seeheld Horatio Nelson die spanische Flotte besiegte.

Am Ende blieb ich aber in meiner Heimat. Die Küstenlandschaft ist hier größtenteils flach. Tiefliegende Weideflächen gehen in breite Salzmarschen über, die von einem Labyrinth schlickiger Priele und Wasserläufe, durchzogen werden, bis schließlich Dünen und Kies den Meeresstrand bilden. Diese Szenerie ist ganz anders als zum Beispiel die ins Gediegene gewendete Erhabenheit des Strandes in Lyme Regis, die Jane Austen in Persuasion (Überredung) beschreibt: "Mit seinen vielen kleinen Felsen ist der Strand ideal für die Beobachtung der Gezeiten." Mich erwartet eher das, was George Crabbe in "The Borough", einem epischen Gedicht über das Leben in East Anglia, beschreibt: "entspannte Gezeiten, die durch heiße Schlickkanäle langsam gleiten". Aus mir würde, wie bei Charles Dickens in Our mutual friend ( Unser gemeinsamer Freund ), eines jener "amphibienähnlichen Menschenwesen, die die undurchsichtige Fähigkeit besitzen, aus der Gezeitenströmung nur dadurch Kraft zu saugen, dass sie sie betrachten."

Für viele Autoren sind Ebbe und Flut offenbar so etwas wie das Pendel eines Hypnotiseurs. Der Beobachter gerät in einen Traumzustand, der sich zur gefährlichen Trance steigern

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