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Auswirkungen der Fairtrade-Zertifizierung auf den afrikanischen Blumenanbau Das Beispiel Naivasha, Kenia. von Happ, Jonathan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.07.2016
  • Verlag: Books on Demand
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Auswirkungen der Fairtrade-Zertifizierung auf den afrikanischen Blumenanbau

Wie können wir guten Gewissens Blumen zum Muttertag als Symbol der Zuneigung verschenken, die unter schlimmsten Arbeitsbedingungen von jungen Müttern geerntet wurden? Die immer wieder kritisierten Zustände auf den riesigen Blumenfarmen speziell in Äquatorialafrika verunsichern viele Kunden bei ihrer Kaufentscheidung. Die Arbeitsbedingungen in den Gewächshäusern zeichnen sich durch niedrige Löhne und hohen Pestizideinsatz aus. Einen möglichen Ausweg aus dieser Situation verspricht die Siegel-Organisation 'Fairtrade', die neben agrarischen Produkten von Kleinbauern auch gewissenhafte Blumenproduzenten mit ihrem Siegel zertifiziert. Den Arbeitern soll damit eine langfristige Lebensplanung und den Produzenten eine Schlüsselrolle in der Lösung sozialer Probleme in ihrer Region ermöglicht werden. Doch ist die Hoffnung des europäischen Fairtrade-Konsumenten gerechtfertigt, mit dem Kauf von zertifizierten Blumen ein Produkt zu erwerben, das auch hohen moralischen Ansprüchen gerecht wird? Oder handelt es sich bei dem Zertifikat um eine bloße Marketingmaßnahme? Der Autor stellt die formulierten Ziele des Fairtrade-Handels infrage: Kommen die Mehreinnahmen den Menschen, ihren Lebens- und Arbeitsbedingungen zugute? Welchen Effekt haben die Fairtrade-Standards auf die lokale Gemeinde? Ein Vergleich von Arbeitsbedingungen und dem Engagement einer Fairtrade-Farm mit denen verschiedener konventioneller Farmen aus der Region Naivasha in Kenia gibt Aufschluss über die Auswirkungen der Zertifizierung am Produktionsstandort.

Jonathan Happ bereist seit vielen Jahren Ostafrika und beschäftigt sich dort mit den sozialen Folgen der Rohstoffgewinnung. Neben den Untersuchungen zur kenianischen Blumenindustrie arbeitete er bereits zu Palmenölanbau in Uganda und dem geplanten Uranabbau in Tansania. Als Promotionsstudent am Institut für Stadt- und Kulturraumforschung untersucht er derzeit die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Kenias informellen Goldminen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 18.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739269115
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 7128kBytes
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Auswirkungen der Fairtrade-Zertifizierung auf den afrikanischen Blumenanbau

2Multidimensionale Armut als Instrument der Entwicklungsmessung

Um die Frage nach einer Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeitern beantworten zu können, muss erörtert werden, woran eine solche Verbesserung gemessen werden kann. In der geographischen Diskussion um die Betrachtung und Klassifikation von Gesellschaften seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich gezeigt, dass die bisherigen Ansätze zur Betrachtung von Chancenungleichheit, Entwicklung und Armut methodische Probleme aufweisen. Die eindimensionale Betrachtung von individuellem Einkommen, ob in Form des "Pro-Kopf-Einkommens" oder gemessen am Anteil der "absoluten Armut", zeigt sich fehleranfällig (u. a. BOHLE & GRANER 1997, S. 738; BRATZEL & MÜLLER 1979, S. 145; GIESE 1985, S. 174; STORKEBAUM 1984, S. 151; ZIAI 2010, S. 23-29). Und auch der Ansatz des "Human Development Index" (HDI) konzentriert sich zu stark auf Durchschnittswerte, die insbesondere das Vorankommen der Nationen symbolisieren (u. a. CAPLAN 2009; UNDP 2010, S. 15, 90, 110; ZIAI 2010, S. 25). Während sich die Performance der Länder durch diese Methoden gut abbilden lässt, bringen sie hingegen wenig Licht ins Dunkle der Probleme, wodurch die Aussagekraft der bisherigen Ansätze im Detailbereich lückenhaft bleibt.
2.1Der Ansatz des MPI

Die "Vereinten Nationen" (UN) haben zum zwanzigsten Jubiläum des "Human Development Reports" (HDR) den Begriff der "mehrdimensionalen Armut" und den "Index für mehrdimensionale Armut" (MPI) eingeführt, der auf einen Methodenvorschlag von ALKIRE und SANTOS zurückgeht (ALKIRE & SANTOS 2010). Der Ansatz verzichtet bei der Darstellung von Armut, die als ein Grundproblem der Entwicklung erkannt wurde, gänzlich auf die Analyse von Einkommen. Stattdessen greifen die Forscher auf die nach außen hin sichtbaren Formen immaterieller Armut zurück, die sie in den klassischen HDI-Bereichen Bildung, Gesundheit und Lebensqualität lokalisieren und als Deprivationen bezeichnen. Dadurch soll das Armutsphänomen besser erfasst und mögliche Veränderungen präziser abgebildet werden. Im Fokus stehen dabei nicht Einzelpersonen, sondern Haushalte.
2.2Auswahl der Deprivationen


Tab. 1: Dimensionen und Indikatoren Multidimensionaler Armut

Quelle: Eigene Darstellung, nach LEPENIES 2010, S. 2

"Der einfache und politikrelevante MPI ergänzt monetäre Methoden, indem dabei ein breiterer Ansatz verwendet wird. Er ermittelt überlappende Formen von Deprivationen auf der Haushaltsebene in denselben drei Dimensionen wie der HDI und zeigt die durchschnittliche Zahl armer Menschen sowie die Formen von Deprivation, mit denen arme Haushalte konfrontiert sind." (UNDP 2010, S. 117)

Aufgrund des mehrdimensionalen Ansatzes werden nur die Haushalte als entsprechend arm definiert, bei denen parallel mehrere Deprivationen auftreten, deren Summe in der Gewichtung mindestens 30% ergibt. Ein Haushalt, der nur innerhalb eines Indikators Mängel aufweist, gilt nicht als mehrdimensional arm (LEPENIES 2010, S. 1 f.; UNDP 2010, S. 118). Durch diesen Ansatz ist die Methode relativ robust gegenüber

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