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An den Ufern der Oder Genesis eines Kriegsendes von Bölscher, Bernd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
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An den Ufern der Oder

In diesem Buch werden die militärischen Ereignisse in Nordostdeutschland während der letzten Monate des 2.Weltkriegs nachgezeichnet und ihre Bedeutung für den Ausgang des Krieges bewertet. Eine wenig bekannte Rolle spielte dabei die 1.Marine-Infanterie-Division, welche das Vordringen sowjetischer Angriffsspitzen in Nordostdeutschland Anfang März 1945 in einem Ausmaß verzögerte, dass der Roten Armee die Gewinnung von Brückenköpfen auf dem Westufer der Oder bei Stettin zunächst versagt blieb. Diese Rolle der Marine im Landkrieg war von den militärischen Planern nicht beabsichtigt, sie ergab sich einfach; doch sie hat möglicherweise den weiteren Verlauf des Kriegsendes beeinflusst. Der aufopferungsvolle Einsatz bei Stettin hatte zur Folge, dass die Kampfkraft der Division fortan weit überschätzt wurde. Als die Truppe einige Wochen später angesichts eines drohenden gegnerischen Durchbruchs erneut zum Schließen einer Frontlücke eingesetzt werden sollte, führte dies zu ihrer völligen Überforderung, so dass die Rote Armee in wenigen Tagen beinahe ungehindert das Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte erreichte. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen die Männer, die zur Verstärkung der Landfront in einen aussichtslosen Kampf geschickt wurden. Mit veralteten Waffen, mangelhafter Ausrüstung und ohne Kenntnis des Landkrieges mussten die Marinesoldaten während der letzten zweihundert Kriegstage in blutige Schlachten ziehen. Viele Hundert verloren ihr Leben, Tausende kehrten verkrüppelt aus dem Krieg zurück. Eine unbekannte Zahl kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft, um nach Jahren endlich heimzukehren oder für immer verschollen zu bleiben. Die Ereignisse beginnen völlig undramatisch im Herbst 1944, als die Marineführung aus überzähligem Personal eine Marine-Schützen-Brigade für die Küstenverteidigung an der Nordseeküste aufstellen lässt. Unter den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften ist kaum jemand mit Landkriegserfahrung; der größte Teil kommt aus Ausbildungs- oder Ersatzeinheiten oder von stillgelegten Schiffen. Im Einsatzfall soll die Brigade bei einer feindlichen Seelandung die Deichlinie solange verteidigen, bis sie durch Heerestruppen abgelöst wird. Nach Beginn der sowjetischen Offensive im Januar 1945 an der Weichsel wird diese Planung zu Makulatur: Großadmiral Dönitz lässt zunächst ein Marineregiment für einen Fronteinsatz ostwärts der Weichsel in Marsch setzen und redet zur gleichen Zeit Hitler und dem OKW die Aufstellung eines Marinekorps ein.

Bernd Bölscher, Jahrgang 1947. Nach dem Abitur zunächst Bundeswehr, Offiziersausbildung und fünf Jahre Truppendienst, gefolgt von einem naturwissenschaftlichen Studium, danach Promotion, Forschungs- und Lehrtätigkeit an zwei Universitäten. Später dann Wechsel in den Schuldienst und Lehrtätigkeit an einer Gesamtschule. Ab 2013 im Ruhestand. Seit vielen Jahren an Militär- und Marinegeschichte interessiert. Vor etwa 15 Jahren Beginn der systematischen Erforschung der Thematik des vorliegenden Buches.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 380
    Erscheinungsdatum: 12.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783735768131
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 9196 kBytes
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An den Ufern der Oder

Prolog

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs wurden Zehntausende deutscher Marinesoldaten ohne Erdkampfausbildung in einen Landeinsatz geschickt; sinnlose Verluste an jungen Menschenleben waren die Folge. Um zu verstehen, wie es dahin kam, muss man in der Betrachtung einige Jahre zurückgehen bis in die erste Hälfte des Krieges. Während im deutschen Kaiserreich eine eigenständige Marineinfanterie in verschiedenen Kolonialkriegen und auf Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs eine dem damaligen Verständnis entsprechende militärische Tradition entwickelt hatte, waren in der Weimarer Republik und nachfolgend im Dritten Reich die Aufgaben der Marine auf den Seekrieg beschränkt geblieben. Als Landtruppe gab es lediglich die Marineartillerie, die im Ernstfall mit ihren Küstenbatterien gegnerische Kriegsschiffe bekämpfen und mit einer marineeigenen Flugabwehr die Häfen gegen Luftangriffe schützen sollte. Erst spät, und zwar zeitgleich mit dem Beginn von Hitlers Politik gewaltsamer territorialer Revisionen im Frühjahr 1938 begann die deutsche Kriegsmarine, eine kleine Truppe mit infanteristischem Aufgabenschwerpunkt aufzustellen, deren Zweck es war, das Heer an einer Seefront zu unterstützen. Diese Marine-Stoßtruppkompanie bestand aus gut ausgebildeten Erdkampfspezialisten. Von dort war es jedoch noch ein langer Weg bis zu den Marineregimentern und -divisionen des Jahres 1945. Die Marineführung unter den Großadmiralen Raeder und Dönitz war auf den Seekrieg als ihre ureigene Aufgabe fixiert und wurde letztendlich erst durch Hitler und seine Paladine im OKW zu einem Paradigmenwechsel genötigt. Eine entscheidende Zäsur sollte das Frühjahr des vierten Kriegsjahrs bringen, - eine Zeit also, als sich die Achsenmächte noch als die kommenden Sieger wähnten.

Großadmiral Erich Raeder war für den Abend des 13 . April 1942 in das Führerhauptquartier befohlen worden. Hitler hatte der Kriegsmarine Versagen vorgeworfen, - Versagen bei der Abwehr eines britischen Kommandounternehmens gegen den deutschen Unterseeboots-Stützpunkt St. Nazaire. Der Oberbefehlshaber der Marine sollte dazu Rede und Antwort stehen.

Zwei Wochen vorher hatte die Royal Navy mit ihrer Operation 'Chariot' die Verwundbarkeit der deutschen Küstenverteidigung an der französischen Atlantikküste aufgezeigt. Fehlendes Gefahrenbewusstsein in einigen Marinestäben im Verbund mit einem Mangel an Kräften zur Aufklärung und frühzeitigen Bekämpfung gegnerischer Landungsversuche hatten es dahin kommen lassen, dass der uralte britische Zerstörer 'Campbelltown' bei Dunkelheit unbehelligt in die Mündung der Loire einlaufen und bis zum äußeren Schleusentor des Kriegshafens St . Nazaire vorstoßen konnte. Kommandotruppen waren an Land gesetzt worden, hatten die Schleuse unbrauchbar gemacht und waren in das Hafengebiet eingedrungen. In erbitterten Straßen- und Häuserkämpfen konnten sie durch Truppenteile der Marine und des Heeres schließlich aufgerieben, ihre Reste gefangen genommen werden. 1

Obwohl der Angriff somit letztendlich ohne Schaden für die Seekriegsführung abgewiesen worden war, hatte Hitler die Kriegsmarine mit dem Vorwurf der Nachlässigkeit und mangelnden Verteidigungsbereitschaft konfrontiert und noch am gleichen Tag die Schaffung einer Marinelandtruppe angeordnet. 2 Der Wehrmachtführungsstab hatte dem OKM Befehl erteilt, mit sofortiger Wirkung eine Marine-Festungsbrigade zur Sicherung der Bretagneküste aufzustellen. Das Oberkommando der 7.Armee war vom OB West völlig überstürzt angewiesen worden, schleunigst zu melden, wo erste Teile dieser Marinebrigade eingesetzt werden sollten. Die Seekriegsleitung ließ konkrete Vorschläge für die Bereitstellung des erforderlichen Personals ausarbeiten. Zu diesem Zweck sollten die Marinedienststellen in Frankreich entbehrliche Offiziere und Mannschaften abgeben. 3

Einige Tage später hatte die Seekriegsleitung bereits konkrete Eckdaten für die Aufstellung der

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