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Das Kind auf der Liste Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie von Leo, Annette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2018
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Das Kind auf der Liste

Berührend und unvergesslich: Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie. Willy Blum war sechzehn Jahre alt, als er in Auschwitz Birkenau ermordet wurde. Von ihm blieb nur ein Name auf einer Liste, neben dem durchgestrichenen Namen Jerzy Zweigs, der durch Bruno Apitz` Roman 'Nackt unter Wölfen' weltberühmt wurde. Über Willy Blum und seine Familie wusste man bislang nichts. Annette Leo hat sich auf die Suche gemacht und erzählt die Geschichte der Familie Blum und zugleich auch die Geschichte des Verschweigens einer Opfergruppe in der Nachkriegszeit: die der Sinti und Roma. Mit einem Vorwort von Romani Rose. Dr. Annette Leo, 1948 in Düsseldorf geb., lebt als Historikerin und Publizistin in Berlin. Veröffentlichungen u. a.: "Leben als Balance-Akt. Wolfgang Steinitz – Wissen-schaftler, Jude, Kommunist" (2005), " "Das ist schon ein zweischneidiges Schwert hierunser KZ ...". Fürstenberger Alltag und das Konzentrationslager Ravensbrück" (2007). Zuletzt erschien im Aufbau Verlag 'Erwin Strittmatter. Die Biographie'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 09.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215413
    Verlag: Aufbau-Verlag
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Das Kind auf der Liste

Einleitung
Die Nummer 200 auf der Liste

Am Anfang gab es nur seinen Namen auf einer Transportliste nach Auschwitz, genauer gesagt, auf einem Blatt, das dieser Liste nachträglich hinzugefügt worden war. Liste und Zusatzblatt wurden am 25. September 1944 in der Häftlingsschreibstube des KZ Buchenwald getippt. Willy Blum, die Nummer 200 auf dem Zusatzblatt, so ist dort zu lesen, rückte an die Stelle der Nummer 200 auf der Liste: Stefan Jerzy Zweig. Als dieses Dokument in den 1990er Jahren der Öffentlichkeit bekannt wurde, löste es Debatten in den Medien aus und war sogar Anlass für eine gerichtliche Auseinandersetzung. Strittig waren nicht die Geschehnisse im September 1944, sondern ihre Interpretation. Der mittlerweile über siebzigjährige Stefan Jerzy Zweig, dessen Name damals gestrichen worden war, wollte der Gedenkstätte Buchenwald untersagen, den Vorgang, in dessen Verlauf Willy Blums Name an seiner Stelle auf die Transportliste gesetzt worden war, als einen "Opfertausch" zu bezeichnen. Es ist nur allzu verständlich, dass er damit die quälende Vorstellung abzuwehren versuchte, das eigene Leben dem Tod eines anderen zu verdanken. Die Listen mit den Nummern und Namen suggerierten eine direkte, persönliche Beziehung zwischen ihm und diesem Willy Blum, zwischen seiner Rettung und dessen Deportation nach Auschwitz.

Der Austausch von Namen auf einer Liste war keine ungewöhnliche Praxis im KZ -Alltag. Es handelte sich um eine der wenigen Einflussmöglichkeiten von Funktionshäftlingen, wenn sie einen Kameraden etwa vor einer Verschickung in ein gefährliches Arbeitskommando bewahren oder ihn - umgekehrt - auf eine Liste für den Transport in ein anderes Lager setzen wollten, um ihn vor einer aktuellen Bedrohung in Sicherheit zu bringen. Doch ihre Rettungsmöglichkeiten reichten nicht weit. In jedem Fall mussten die Zahlen am Ende stimmen, musste für den einen Namen der eines anderen auf die Liste gesetzt bzw. gestrichen werden.

Stefan Jerzy Zweig, der im Alter von drei Jahren zusammen mit seinem Vater Zacharias Zweig mit einem Transport aus dem Lager Skarzysko-Kamienna nach Buchenwald kam, war keineswegs das einzige Kind, das das KZ Buchenwald überlebte, aber keines wurde später so berühmt wie er. Sein Schicksal bildete die Vorlage für den millionenfach gelesenen Roman von Bruno Apitz "Nackt unter Wölfen". Darin wird die Geschichte von heldenhaften kommunistischen Kämpfern erzählt, die einen kleinen Jungen im Lager verstecken und damit der Mitmenschlichkeit auch unter unmenschlichsten Bedingungen zum Sieg verhelfen. Der überwältigende Erfolg des Romans beruhte nicht zuletzt auf der auch vom Autor unterstützten Vorstellung, es handele es sich hier um eine - literarisch zwar überhöhte, aber eben doch - authentische Geschichte. Das ging so weit, dass in der historischen Erzählung über das KZ Buchenwald die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwammen, dass der Ort der Gedenkstätte vor allem als Folie für die Romanhandlung diente und eine Erforschung der Geschehnisse auf der Grundlage der überlieferten Dokumente lange Zeit unterblieb. Das Kind von Buchenwald wurde in der DDR zum Symbol für das moralische Engagement des kommunistischen Widerstands. Zusammen mit dem Mythos von der Selbstbefreiung des Lagers stand die Geschichte seiner Rettung im Zentrum der übermittelten antifaschistischen Botschaft.

Die reale Geschichte des kleinen Stefan Jerzy Zweig verlief anders, widerspruchsvoller, jedoch keineswegs weniger dramatisch als die der Romanfigur. Deutsche politische Häftlinge, die in der Lagerverwaltung Funktionen innehatten, stellten den Jungen unmittelbar nach der Ankunft des Transports aus Skarzysko-Kamienna am 5. August 1944 in Buchenwald unter ihren Schutz. Sie nahmen ihn in ihrem Block auf und ließen ihn an ihren - im Vergl

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