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Das Wunder von Berlin 1936: Wie neun Ruderer die Nazis in die Knie zwangen von Brown, Daniel J. (eBook)

  • Verlag: Riemann
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Das Wunder von Berlin

Der Millionenseller aus den USA

Von Beginn an ist es eine Reise mit unwahrscheinlichem Ausgang: Neun junge Männer aus der amerikanischen Provinz machen sich 1936 auf den Weg nach Berlin, um die Goldmedaille im Rudern zu gewinnen. Daniel James Brown schildert das Schicksal von Joe Rantz, einem Jungen ohne Perspektive, der rudert, um den Dämonen seiner Vergangenheit zu entkommen und seinen Platz in der Welt zu finden. Wie er und seine Freunde vor den laufenden Kameras Leni Riefenstahls den Nazis ihre Propagandashow stehlen, ist ein atemberaubendes Abenteuer und zugleich das eindringliche Porträt einer Ära. Eine unvergessliche wahre Geschichte von Entschlossenheit, Überleben und Mut.

Daniel James Brown, geboren und aufgewachsen an der Bucht von San Francisco, lehrte Kreatives Schreiben in Stanford und an der San Jose State University, bevor er sich als Schriftsteller und Lektor selbstständig machte. Als Sachbuchautor wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Heute lebt er mit seiner Familie in der Nähe von Seattle. Sein Buch "Das Wunder von Berlin" stand monatelang auf Rang 1 der New-York-Times-Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641093303
    Verlag: Riemann
    Originaltitel: The Boys in the Boat
    Größe: 9596kBytes
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Das Wunder von Berlin

Kapitel 2

Diese Baumriesen sind ein eindrucksvoller Anblick. Einige stehen seit tausend Jahren hier, und sie alle zeugen von einem jahrhundertelangen Überlebenskampf. Die Jahresringe im Holz verraten, was für Zeiten sie durchgemacht haben. In manchen Jahren sind sie fast eingegangen und kaum gewachsen, in anderen war das Wachstum viel ausgeprägter.

- George Yeoman Pocock

Der Weg, den Joe Rantz an diesem Nachmittag 1933 über den Campus und zum Bootshaus zurücklegte, war nur der letzte Abschnitt eines viel längeren, härteren und zeitweise auch dunkleren Wegs, den er in seinem bisherigen, noch jungen Leben gegangen war.

Dabei hatte es durchaus verheißungsvoll angefangen. Joe war der zweite Sohn von Harry Rantz und Nellie Maxwell. Harry war großgewachsen, deutlich über ein Meter achtzig, mit großen Händen und Füßen und muskulösem Körper. Er hatte ein offenes Gesicht mit nicht weiter auffälligen, aber freundlichen und regelmäßigen Gesichtszügen. Frauen fanden ihn attraktiv. Er sah sein Gegenüber ernst und ruhig an, doch hinter dem ruhigen Blick verbarg sich ein ungewöhnlich lebhafter Geist. Harry war ein unverbesserlicher Tüftler und Erfinder, ein Liebhaber technischer Spielereien, der alle möglichen Maschinen und Vorrichtungen erfand und große Träume hegte. Er stellte sich mit Vorliebe schwierigen Aufgaben und war stolz auf neue Lösungen und Ideen, die anderen Menschen nicht in einer Million Jahre eingefallen wären.

Für Harry Rantz lag auf der Hand, dass man mit genügend Grips und Tatkraft so gut wie alles fertigbringen konnte. Noch vor Jahresende hatte er ein eigenes Auto entworfen und gebaut und fuhr damit vor den staunenden Blicken seiner Nachbarn stolz die Straße entlang. Zum Lenken benützte er statt eines Steuerrads eine Pinne.

Im Jahr 1899 hatte er telefonisch geheiratet, nur weil es so aufregend neu war, sich mittels der spektakulären neuen Erfindung des Telefons von zwei verschiedenen Städten aus ein Eheversprechen zu geben. Nellie Maxwell war Klavierlehrerin und Tochter eines Priesters der Disciples of Christ. Der erste Sohn des Paars, Fred, wurde Ende 1899 geboren. 1906, auf der Suche nach einer angemessenen Wirkungsstätte für Harry, verließ die junge Familie Williamsport in Pennsylvania, brach nach Westen auf und ließ sich in Spokane im Bundesstaat Washington nieder.

Spokane war damals in vielerlei Hinsicht noch nicht weit von der unzivilisierten Holzfällerstadt entfernt, die es im 19. Jahrhundert gewesen war. Der kalte, klare Spokane River stürzte weiß schäumend einige niedrige Wasserfälle hinunter, die Umgebung bestand aus Kiefernwäldern und offenem Gelände. Die Sommer waren glühend heiß, die Luft war trocken und duftete nach dem Vanillearoma der Kiefernrinde. Im Herbst fuhren von den endlosen Weizenfeldern im Westen her manchmal braune Staubstürme über das Land. Die Winter waren bitterkalt, das Frühjahr dauerte nur kurz und kam erst spät. An Samstagabenden versammelten sich das ganze Jahr über Cowboys und Holzarbeiter in den Bars und Spelunken der Stadt, tranken Whiskey und torkelten anschließend schimpfend nach Hause.

Harry, Fred, Nellie und Joe Rantz, um 1917

Doch nach Ankunft der Northern Pacific Railway Ende des 19. Jahrhunderts, die zum ersten Mal Zehntausende von Amerikanern in den Nordwesten brachte, war die Bevölkerung von Spokane rasch auf über 100000 gestiegen, und so entstanden neben der alten Holzarbeiterstadt vornehmere Viertel. Am Südufer des Flusses entwickelte sich ein blühendes Geschäftszentrum einschließlich prächtiger Hotels, stattlicher Banken und einer Vielzahl vornehmer Kaufhäuser und Geschäfte. Nördlich des Flusses entstanden Wohnviertel mit kleinen Holzhäusern auf gepflegten Rasenstücken. Harry, Nellie und Fred Rantz zogen in ein solches Haus in der Nora Avenue Nr. 1023, und hier wurde im März 1914 Joe geboren.

Harry eröffnete eine Werkstatt, in der er Autos baute und reparierte. Er konnte so gut

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