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Der Aufstand von Treblinka Revolte im Vernichtungslager von Wójcik, Michal (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.08.2020
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Der Aufstand von Treblinka

Am 02. August 1943 kam es im Vernichtungslager Treblinka zu einem unglaublichen und heute fast vergessenen Ereignis: Etwa 700 überwiegend jüdische Häftlinge nahmen an einem bewaffneten Aufstand teil. 300 von ihnen entkamen den Grauen des Lagers, etwa 85 überlebten den 2. Weltkrieg. Der renommierte polnische Historiker und Journalist Micha? Wójcik erzählt in seinem Buch die Geschichte eines Ausbruchs aus dem brutalen Alltag des Lagers, in dem innerhalb eines Jahres über eine Millionen Menschen getötet wurden. Gestützt durch zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen und Archivrecherchen malt er das Bild einer hoffnungslosen Situation, in der einige mutige Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Eine beeindruckende historische Erzählung. Micha? Wójcik ist Historiker, Journalist und Autor historischer Bücher. In Polen schrieb er mehrere Bestseller und wurde 2015 mit dem renommierten Geschichtspreis der Polityka ausgezeichnet. Sein neues Buch über den Aufstand in Treblinka wurde von der polnischen Newsweek zum 'Buch des Jahres' erkoren.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 03.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492996440
    Verlag: Piper Verlag
    Originaltitel: Treblinka 43 Bunt w fabryce smierci
    Größe: 25864 kBytes
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Der Aufstand von Treblinka

Prolog. Das Lachen des Kommandanten

Der Kommandant des Konzentrationslagers Treblinka, SS-Hauptsturmführer Franz Stangl, warf einen Blick auf die gedruckten Buchstaben, knüllte den Brief zusammen und warf ihn in das schwarze Loch vor seinen Füßen. Der Brief der Deutschen Reichsbahn landete im Mülleimer.

"Als ob ich denen etwas zahlen würde!", schnaubte er.

Das Schreiben bezog sich auf eine Auseinandersetzung, die sich schon über mehrere Monate hinzog: Die Transporte mit den "Umsiedlern" (die Deutschen hatten schon immer eine Vorliebe für Euphemismen) fuhren bis zum Bahnhof Treblinka. Von dort aus wurden die Waggons - nachdem die Lokomotive abgekoppelt wurde - in das eigentliche Lager weitergeschoben, ungefähr zwei Kilometer entfernt. Sobald die Wagen dort angelangt waren, wurden sie auf ein Nebengleis umgeleitet - wiederum knapp hundert Meter weiter. Und ebendiese Strecke war von der Deutschen Reichsbahn verlegt worden. Die Reichsbahn stellte auch die Waggons für das Konzentrationslager Treblinka zur Verfügung.

Die Investition war zwar nicht sonderlich groß gewesen, doch die Kosten waren nun mal entstanden. Dennoch sahen weder Hauptsturmführer Stangl noch seine Vorgesetzten in Berlin darin ein Problem und wollten keinesfalls für die Nutzung zahlen. Der Kommandant pflegte Mahnungen nicht zu beantworten. Derweil wurde der Verkehr auf diesem kurzen Stück immer intensiver. Die Nachzahlungsforderungen und die Zinsen liefen immer weiter auf - und Geschäft ist doch Geschäft: Wenn man etwas nutzt, muss man dafür zahlen.

Die unangenehme Aufgabe, mit Kommandant Stangl zu verhandeln, erhielt der polnische Bahnhofsvorsteher. Das Problem war nur, dass diesem kein Zugang zum Lager gewährt wurde. Und das unerlaubte Eindringen ins KZ wurde mit dem Tod bestraft. Da dies dem Bahnhofsvorsteher sehr wohl bewusst war, wandte er sich an zwei deutsche Maschinisten, die zum Arbeiten hierher versetzt worden waren. Sie hatten die Pflicht, die Waggons vom Bahnhof über das Nebengleis bis zum Lager zu schieben. Die Männer versuchten die Situation zu klären, doch leider endete auch dies in einem Fiasko. Niemand konnte Kommandant Stangl zur Vernunft bringen.

Der Bahnhofsvorsteher bat also seinen Vorgesetzten um Hilfe, den Vorsteher aus Sokolów Podlaski, sowie einen Herr Teufel, der vonseiten der Reichsbahn für die gesamte Strecke zuständig war. Der polnische Beamte hoffte, dass ein so hoher Besuch den Lagerkommandanten beeindrucken würde.

Ein paar Tage später stiegen die Entsandten am Knotenpunkt Sokolów Podlaski auf eine motorisierte Draisine und fuhren bis vors Tor des Lagers. Dort sollten sie allerdings eine Überraschung erleben: Vom Wachturm her rief ihnen der Wachhabende zu, dass er sie nicht hereinlassen werde - er habe seine Befehle, da könne er nichts tun.

Die Gesandten fluchten insgeheim und sahen keine andere Möglichkeit, als wieder beizudrehen. Doch sie ließen bei dem polnischen Bahnhofsvorsteher ein Schreiben zurück, mit einem eindeutigen Befehl: Dieses Mal müsse der Brief den Kommandanten erreichen, und sie bestünden auf einer Antwort. Ordnung muss ja schließlich sein!

Für die Aufgabe, das Schreiben zuzustellen, wurde der polnische Eisenbahner Artur Pronicki ausgewählt, der rangniedrigste Mitarbeiter des Bahnhofs Treblinka.

Der Mann war nicht dumm. Er wusste ganz genau, was in dem nahe gelegenen Lager vor sich ging. Alle wussten es. Schließlich schickte sein Vorgesetzter Hunderte Waggons voller Menschen hinter das Tor - und heraus kamen sie leer. Somit war alles klar. Das Problem war nur, dass Pronicki das Schreiben nicht einfach in seine Eisenbahnertasche stecken und das Konzentrationslager betreten konnte. So beschloss er, zusammen mit dem nächsten Gefangenentransport hinters Tor zu gelangen.

Eines schönen Tages richtete Pronicki also seine Uniform und stieg zu den beiden deutschen Maschinisten in die Lokomotive. Diese sol

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