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Der Erste Weltkrieg Die Geschichte einer Katastrophe - Ein SPIEGEL-Buch -

  • Erscheinungsdatum: 24.03.2014
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
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Der Erste Weltkrieg

Wie der "Große Krieg" die Welt veränderte
Angeblich mit Tränen in den Augen unterschrieb Kaiser Wilhelm II. am Nachmittag des 1. August 1914 die deutsche Mobilmachung. Was damals begann, war der erste totale Krieg der Moderne: Gekämpft wurde im Atlantik und Pazifik, in Europa, Asien und in Afrika, 38 Staaten zogen gegeneinander in die Schlacht und nutzten dabei eine industrialisierte Kriegsführung, die mit neuen Waffen die Todesrate und das Leid dramatisch erhöhte. Maschinengewehr, Panzer, Giftgas, U-Boote und Luftwaffe forderten letztlich mehr als 15 Millionen Tote, unzählige Verstümmelte, zerbombte Städte, verwüstete Regionen; Hunger und Elend grassierten.
Als der Erste Weltkrieg im November 1918 endete, waren alte Ordnungen zerstört, stabile neue vielerorts kaum in Sicht. Weitere Krisen und Umwälzungen folgten, die nicht zuletzt den Weg in das "Dritte Reich" und den Zweiten Weltkrieg bereiten sollten.
Im vorliegenden Buch bieten SPIEGEL-Autoren und renommierte Historiker eine kompakte Einführung in das Thema und zeigen eindrucksvoll, warum uns diese Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts noch immer umtreiben muss.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 24.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641129422
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Größe: 7146 kBytes
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Der Erste Weltkrieg

"Es gab keinen Alleinschuldigen"

Der Militärhistoriker Sönke Neitzel über die Totalität des Weltkriegs und das Versagen der politischen Eliten.

Das Gespräch führten Annette Großbongardt
und Uwe Klußmann.

SPIEGEL: Mit Tränen in den Augen unterschrieb Kaiser Wilhelm II . am Nachmittag des 1. August 1914 die deutsche Mobilmachung – wollte er den Krieg eigentlich gar nicht?

Neitzel: Wilhelm II . war in der Reichsleitung derjenige, der den Krieg am wenigsten anstrebte. Er wurde zu Recht oft für seine martialischen Auftritte gescholten. Aber im Sommer 1914 war er nicht Herr des Verfahrens. Das Krisenmanagement lag in den Händen des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg. Im Spiel der Kräfte war der Kaiser eher Zuschauer.

SPIEGEL: Warum aber drängte das Deutsche Reich seinen Verbündeten Österreich im Konflikt mit Serbien zum Angriff? Und erklärte dann auch noch dem mit Serbien verbündeten Russland den Krieg?

Neitzel: Das basierte auf einem Kalkül Bethmann Hollwegs. Der Reichskanzler sah eine wachsende Macht der potentiellen Gegner Deutschlands, vor allem Russlands. Für ihn war Deutschland von Feinden umringt und lief Gefahr, bald keinen Krieg mehr gewinnen zu können. Den Ausweg sah er in einer Risikopolitik: Wenn wir jetzt Druck ausüben und die Österreicher einen lokalen Krieg gegen Serbien führen, werden die Russen sich möglicherweise heraushalten. Und wenn es doch Krieg geben sollte, dann lieber jetzt als später, in einer für Deutschland ungünstigeren Situation. Damit kalkulierte er einen Krieg voll ein; ein Waffengang galt damals ja gemeinhin noch als Mittel der Politik.

SPIEGEL: Trug Deutschland aber damit die Alleinschuld am Ersten Weltkrieg, wie es die Sieger auf der Friedenskonferenz von Versailles 1919 postulierten?

Neitzel: Die Forschung hat gezeigt, dass es einen Alleinschuldigen an diesem Krieg nicht gab. Mein australischer Kollege Christopher Clark hat mit seinem neuen Buch "Die Schlafwandler", das ich sehr überzeugend finde, detailliert nachgewiesen, dass es im Sommer 1914 eine gesamteuropäische Krise gab. Jeder hatte die Chance, die Eskalation zu verhindern – und niemand nahm sie wahr.

SPIEGEL: Die Deutschen waren schließlich nicht die einzigen Imperialisten, sagt Clark.

Neitzel: Sie waren voll mitverantwortlich, aber auch die Österreicher hätten sich entscheiden können, den Krieg gegen die Serben nicht zu führen. Die Russen und die Franzosen hätten wegen Serbien nicht in den Krieg ziehen müssen. Aber es existierte kein Konsens zur Krisenlösung mehr wie noch in den Jahrzehnten zuvor.

SPIEGEL: Wäre die Krise im Juli 1914 denn diplomatisch lösbar gewesen?

Neitzel: Da alle Großmächte den Krieg als ein Mittel der Politik ansahen, war keine der fünf Mächte in Europa bemüht, den Frieden zu sichern. Erschwerend kam hinzu, dass große Teile der jüngeren Generation in ihren imperialistischen Ambitionen immer radikaler wurden. Ich habe Dokumente jüngerer Diplomaten des Auswärtigen Amtes gefunden, die 1913 der Auffassung waren: Wir sind am Ende mit der Diplomatie, wir müssen wie Friedrich der Große Krieg führen. Viele sahen den Krieg als ein reinigendes Gewitter an – nicht nur in Deutschland.

SPIEGEL: In seinem damals bahnbrechenden Werk "Griff nach der Weltmacht" hatte der deutsche Historiker Fritz Fischer vor rund 50 Jahren argumentiert, die Führung in Berlin habe einen Krieg gezielt angesteuert.

Neitzel:/

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