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Der Preis der Herrlichkeit Erlebte Zeitgeschichte. Erweiterte Neuauflage mit einer Einführung von Steffen Bruendel und einem Nachwort von Klaus von Schirach von Schirach, Henriette von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.02.2016
  • Verlag: Herbig
eBook (ePUB)
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Der Preis der Herrlichkeit

Das Leben der oberen Zehntausend im 'Dritten Reich' Begonnen hatte alles in der Münchner Schellingstraße: Dort lernte die achtjährige Henriette im Fotoatelier ihres Vaters Adolf Hitler kennen. Ein 'Drittes Reich' gab es damals in Deutschland noch ebenso wenig wie einen 'Führer'. Und so unglaublich es heute klingt: Hitler wurde ihr väterlicher Freund und blieb es bis zum April 1943, als sie ein Tabu brach und ihn auf die brutalen Judendeportationen ansprach, die sie in Holland beobachet hatte. Henriette von Schirachs Erinnerungen an Jugend, NS-Zeit und unmittelbare Nachkriegszeit fehlt die historische Distanz. Sie sieht sich selbst als eine der durch die nationalsozialistische Ideologie in die Irre Geleiteten, versucht aber auch nicht, sich nachträglich zur Regimegegnerin hochzustilisieren. Dennoch oder gerade deshalb ist dies ein besonderes Zeitdokument, dessen Einordnung in den historischen Kontext die Einführung des Historikers Dr. Steffen Bruendel ermöglicht. Henriette von Schirach wurde 1913 in München als ältestes Kind von Heinrich Hoffmann, ab 1923 Hitlers 'Leibphotograph', geboren. 1932 heiratete sie den Reichsjugendführer und späteren Gauleiter von Wien, Baldur von Schirach. 1947 musste sie sich vor der Spruchkammer verantworten und wurde als minderbelastet eingestuft. Bis zu ihrem Tod 1992 lebte die Mutter von vier Kindern in München, wo sie als Unternehmerin in der Filmbranche und als Autorin tätig war. Dr. Steffen Bruendel ist Historiker und Direktor des Forschungszentrums Historische Geisteswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Klaus von Schirach, 1935 geboren, eines der vier Kinder von Henriette und Baldur von Schirach, promovierter Jurist mit Rechtsanwaltskanzlei in München, und Drehbuchautor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 18.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783776682427
    Verlag: Herbig
    Größe: 20694 kBytes
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Der Preis der Herrlichkeit

Im Bann der falschen Herrlichkeit
Historisch-kritische Einordnung

Von Dr. Steffen Bruendel

Henriette von Schirachs Erinnerungen erschienen erstmals 1956. Bis 2003 folgten sieben Auflagen. Es handelte sich also um einen beachtlichen Verkaufserfolg. Als Tochter von Hitlers "Leibfotografen" Heinrich Hoffmann und Ehefrau des Reichsjugendführers Baldur von Schirach gehörte sie zum engsten Zirkel der Macht und kannte Hitler seit ihrer Kindheit persönlich. "Wir waren jung und hatten noch nichts Böses erlebt, wir sahen in Hitler nur das, was uns gefiel", schrieb sie in ihren Memoiren. [1]

Das Thema "Hitler und die Deutschen" [2] ist untrennbar mit der Frage verbunden, die sich jeder Generation von Neuem stellt: "Wie war Hitler möglich?" [3] Ungebrochen sind das wissenschaftliche und das öffentliche Interesse am "Führer". [4] Bei der Vermittlung historischen Wissens setzen gerade die Medien gerne auf "die suggestive Kraft der Zeitzeugenschilderung". Zeitzeugen unterscheiden sich vom Tat- oder Augenzeugen dadurch, dass sie keine Geschehnisse beglaubigen, sondern durch ihre Erzählungen eine eigene Geschehenswelt begründen. Sie vermitteln eine subjektive Sicht auf die Vergangenheit, erheben aber nicht selten einen Anspruch auf Objektivität. [5]

In den 1950er- und 60er-Jahren zeigte sich dies an den verharmlosenden Kriegserinnerungen ehemaliger Offiziere. [6] Das gilt auch für die oft unkritischen Memoiren von Mitarbeitern [7] und Ehefrauen [8] einstiger Funktionsträger, die das kommunikative Gedächtnis prägten. Es umfasst biografische Erfahrungen und damit Ereignisse in relativer Nähe zur Gegenwart, wohingegen sich das kulturelle Gedächtnis auf weiter in der Vergangenheit liegende Geschehnisse bezieht. Wie sie erinnert werden, hängt von den Rahmenbedingungen der Gegenwart ab. Erinnerungen an den Nationalsozialismus sind sowohl für Täter als auch für Opfer hochgradig gefühlsbeladen. Die Weitergabe oder Nicht-Weitergabe früherer Erfahrungen prägt die nachfolgenden Generationen und geht teils mit Abwehr, teils mit Faszination einher. [9] Sie erfolgt durch innerfamiliäre Gespräche oder bezieht - etwa bei Memoiren - die Öffentlichkeit mit ein.

Sowohl die hohe Literatur als auch die Trivialliteratur sind Medien gemeinsamen Erinnerns. Als Teil der sozialen Kommunikation beeinflussen beide die Entstehung kollektiv geteilter Erinnerungen. [10] In der Literaturwissenschaft wird der nicht-fiktionalen Form des Erzählens häufig ein geringer Wert beigemessen, wobei eine Diskrepanz besteht zwischen dem Publikumsinteresse auf der einen und dem wissenschaftlichen Desinteresse auf der anderen Seite. Dies wurde in den 1990er-Jahren kritisiert, gelte es doch, die "Literatur der Lebenszeugnisse" zu erforschen. Hierzu zählten auch Henriette von Schirachs Erinnerungen, zumal der Autorin attestiert wurde, gut schreiben zu können. [11]

Seit dem Generationswechsel zu den Enkeln der Kriegsgeneration geht es nicht mehr um die Bewältigung der NS-Vergangenheit, sondern um ihre Bewahrung als öffentliches Thema. In den 1990er-Jahren hat sich eine primär selbstkritische, dem apologetisch ausgerichteten kommunikativen Gedächtnis der 1950er-Jahre entgegengesetzte Erinnerungskultur etabliert. Das Ableben der letzten Zeitgenossen verfestigt diesen Trend. [12] Zuletzt sind die Frauen im Nationalsozialismus von der Forschung verstärkt beachtet worden. Zwar bekleideten sie keine hohen Führungspositionen, hatten aber als Verehrerinnen und Wählerinnen Hitlers eine größere Bedeutung als bisher angenommen. Häufig waren sie die "gläubigsten" seiner Anhänger, wie Hitler selbst 1934 bemerkte, und dementsprechend als mitwissende Ehefrauen oder nachgeordnete Funktionsträgerinnen belastet. [13]

Henriette "Henny" von Schirach kam am 3. Februar 1913 als erstes Kind des Fotografen Heinrich Hoffmann und dessen erster Ehefrau in München

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