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Der Reichstagsbrand Die Karriere eines Kriminalfalls von Kellerhoff, Sven Felix (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2013
  • Verlag: be.bra verlag
eBook (ePUB)
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Der Reichstagsbrand

Den Brand des Reichstages am 27. Februar 1933 nutzten die Nazis virtuos, um ihre Diktatur zu errichten. Aber haben sie ihn deshalb auch selbst angesteckt? Darüber wird seit 75 Jahren erbittert gestritten. Wer in dem Holländer Marinus van der Lubbe den alleinigen Täter sieht, wird von jenen, die an eine Verschwörung der Nazis glauben, als 'Anhänger der Gestapo-Theorie' geschmäht. Unter Einbeziehung des nach der Wiedervereinigung zugänglichen Archivmaterials schildert Kellerhoff unvoreingenommen die historischen Ereignisse und die Hintergründe der späteren Debatten.

Sven Felix Kellerhoff, geboren 1971 in Stuttgart, studierte Geschichte und Medienrecht und absolvierte die Berliner Journalisten-Schule. Seit 1993 als Publizist vorwiegend für historische Themen tätig. Derzeit leitender Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte bei der 'Welt'. Buchveröffentlichungen: 'Deutsche Legenden' (mit Lars-Broder Keil); 'Als die Tage zu Nächten wurden. Berliner Schicksale im Bombenkrieg'; 'Attentäter. Mit einer Kugel die Welt verändern'; 'Mythos Führerbunker. Hitlers letzter Unterschlupf'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 20.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839301067
    Verlag: be.bra verlag
    Größe: 2252kBytes
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Der Reichstagsbrand

Die Brandstiftung

Der Reichstag brennt - der Täter auf frischer Tat ertappt?

Vier bis fünf Grad unter Null zeigten die Thermometer in Berlins Innenstadt am Abend des 27. Februar 1933; ein eisiger Ostwind ließ die gefühlte Temperatur noch niedriger erscheinen. Ansonsten aber schien dieser Montag ein ganz gewöhnlicher Winterabend zu sein. Nichts deutete darauf hin, dass die Ereignisse dieses Abends in die deutsche Geschichte eingehen und bis in unsere Tage Anlass zu hitzigen Debatten geben würden. Es herrschte Wahlkampf, am kommenden Sonntag sollten die Deutschen schon wieder ein neues Parlament bestimmen, obwohl seit der vorigen Wahl nicht einmal ein halbes Jahr vergangen war. Und natürlich hatte sich viel geändert, seit Adolf Hitler genau vier Wochen zuvor zum Reichskanzler ernannt worden war, als Chef einer Koalition aus NSDAP und Deutschnationalen: Mehrfach seither hatten kommunistische und sozialdemokratische Zeitungen nicht erscheinen dürfen. Tausende SA- und SS-Männer waren vom 22. Februar an zu "Hilfspolizisten" ernannt worden; viele nutzten ihren neuen Status brutal aus. Schlägereien zwischen den braun uniformierten Trupps der Nazi-Partei und Anhängern des Rotfrontkämpfer-Bundes häuften sich; mehr als ein Dutzend Menschen waren bei Ausschreitungen seit dem 30. Januar allein in der Reichshauptstadt ums Leben gekommen. Dass alle Parteien im laufenden Wahlkampf gleiche Chancen hätten, glaubte längst niemand mehr. Denn die von Hermann Göring kontrollierte preußische Polizei löste Versammlungen der Opposition bei nichtigen Anlässen auf, während die NSDAP praktisch nie auf diese Weise behindert wurde. 1

Im Reichstagsgebäude war es am 27. Februar ruhig, denn Reichspräsident Paul von Hindenburg hatte das Parlament unmittelbar nach Hitlers Ernennung aufgelöst. Die KPD nutzte ihre Fraktionsbüros im Reichstag als Ausweichsitz, nachdem die Polizei die reguläre Parteizentrale, das Karl-Liebknecht-Haus am Bülowplatz, kurz zuvor besetzt, durchsucht und gesperrt hatte. Doch noch gaben die Hitler-Gegner nicht auf: Die SPD hatte die große Versammlung zum 50. Todestag von Karl Marx im Sportpalast vom eigentlichen Stichdatum, dem 14. März, vorgezogen auf diesen Montagabend, um möglichst viele ihrer Wähler zu mobilisieren. Allerdings löste die Polizei die Veranstaltung vorzeitig auf - deshalb musste eine ungenehmigte Demonstration aufgebrachter Sozialdemokraten durch das Regierungsviertel befürchtet werden. Doch zerstreute sich die Menge friedlich; rund um den Reichstag blieb alles ruhig. 2

Allerdings nur bis gegen 21 Uhr. Um diese Zeit war der Theologie-Student Hans Flöter gerade auf dem Heimweg. Er arbeitete so oft wie möglich in der Preußischen Staatsbibliothek, und so hatte er sich auch an diesem Abend lange in den Lesesälen des Prachtbaus Unter den Linden aufgehalten. Nun ging er zügig nach Hause, in die Hindersinstraße zwischen Reichstag und Spree. Sein Weg führte ihn über den Königsplatz zwischen dem Bismarck-Nationaldenkmal und der Westseite des Reichstages, die nur mäßig beleuchtet war - der Berliner Magistrat hatte die städtischen Gaswerke angewiesen, ab dem 1. Oktober 1932 in den Laternen nur jede zweite Flamme zu betreiben. Gerade passierte Flöter den südlichen Beginn der Rampe, die hinaufführt zur Vorfahrt des Parlaments, als ihn ein scharfes Splittern aufschrecken ließ. Das Geräusch kam vom Reichstag, genauer: von einem Fenster im Hauptgeschoss direkt neben dem großen Portikus. Der Student blickte hinauf, als sich das Klirren wiederholte. Offensichtlich brach hier Glas - und das konnte kaum etwas Gutes bedeuten. Sein Eindruck bestätigte sich, als er schemenhaft eine Gestalt erkannte, die offenbar etwas Brennendes in der Hand hielt. Flöter hatte genug gesehen: Das war ein Fall für die Polizei. Weil er regelmäßig am Reichstag entlangging, wusste er, dass hier auch abends stets zwei Schupos, wie

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