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Die Zuflucht Corrie ten Boom erzählt aus ihrem Leben 1892-1945 von Boom, Corrie ten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.02.2015
  • Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
eBook (ePUB)
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Die Zuflucht

Was machte man in Amsterdam während des Zweiten Weltkriegs, wenn ein Jude vor der Tür stand, der sich verstecken musste? Man ließ ihn herein, telefonierte und versuchte mit Code-Worten, ihn auf dem Land unterzubringen. Man hatte einen geheimen Raum im Haus, der bei Razzien übersehen wurde. Man übte, nachts aus dem Schlaf gerissen zu sagen: Man wisse von nichts. Corrie ten Boom (1892-1983) erzählt, wie sie mit ihrer ganzen Familie Verfolgten Schutz bietet, selbst zur Verfolgten wird und schließlich 1944 im KZ Ravensbrück inhaftiert wird. Anders als ihre Schwester überlebt sie die Qualen und kommt 1945 frei. Trotz alledem ist sie nach dem Krieg weltweit als Botschafterin der Versöhnung unterwegs. Für ihren Einsatz wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Von der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem erhielt sie den Ehrentitel 'Gerechte unter den Völkern', und die niederländische Königin verlieh ihr den 'Orden von Oranien-Nassau'. Der internationale Bestseller erscheint in der 31. deutschen Auflage erstmalig in einem größeren Format. Corrie ten Boom (1892 bis 1983) hielt trotz schwerer Schicksalsschläge ihr Leben lang an ihrem christlichen Glauben fest und trug Gottes Botschaft von Liebe und Vergebung in die Welt hinaus. Während der Nazi-Besatzung versteckte Corrie ten Boom zusammen mit ihrer Schwester Betsie viele Juden in ihrem Haus und bewahrte sie so vor dem Holocaust. Doch die Gestapo kam ihnen durch einen Spitzel auf die Spur. Nach ihrer Verhaftung kamen Sie ins Konzentrationslager Ravensbrück und veranstalteten dort heimlich Bibelstunden und Andachten. Corrie überlebte als einzige ihrer Familie das KZ und gründete nach dem Krieg ein Haus für Kriegsgeschädigte und reiste als 'Vagabund für den Herrn', wie sie sich selbst nannte, durch die Welt. Sie predigte das Evangelium und gab mit ihrem eigenen Leben ein beeindruckendes Beispiel für die befreiende Kraft der Vergebung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 18.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783775172691
    Verlag: SCM Hänssler im SCM-Verlag
    Originaltitel: The Hiding place
    Größe: 1543 kBytes
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Die Zuflucht

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Das Kind

Es war 1898, und ich war sechs Jahre alt. Betsie stellte mich vor den Schrankspiegel und hielt mir eine Standpauke.

"Guck bloß mal deine Schuhe an! Du hast sie ganz falsch zugeknöpft, und diese alten zerrissenen Strümpfe willst du an deinem ersten Schultag tragen? Sieh doch, wie hübsch Nollie aussieht."

Nollie und ich teilten dieses Schlafzimmer unterm Dach des Beje. Ich blickte zu meiner achtjährigen Schwester hin, von vornherein sicher, dass ihre hohen Schuhe richtig zugeknöpft waren. Widerwillig zog ich meine aus, während Betsie im Schrank wühlte.

Mit dreizehn kam mir Betsie fast erwachsen vor. Sie hatte zwar immer älter gewirkt, weil sie nicht laufen und springen konnte wie andere Kinder. Betsie litt seit ihrer Geburt an perniziöser Anämie, und darum tat sie langweilige Erwachsenendinge wie Sticken, während wir Übrigen Kriegen oder Reifenschlagen spielten oder im Winter auf den zugefrorenen Kanälen um die Wette Schlittschuh liefen. Aber Nollie spielte so wild wie alle und war nicht viel älter als ich, und es schien mir ungerecht, dass sie immer alles richtig machte.

"Betsie", sagte sie ernst, "ich werde den großen, hässlichen Hut nicht tragen, wenn ich zur Schule gehe, nur weil Tante Jans ihn bezahlt hat. Im vorigen Jahr war es der scheußliche graue, und der diesjährige ist sogar noch schlimmer."

Betsie blickte sie mitfühlend an. "Nun aber ... du kannst doch nicht ohne Hut zur Schule gehen, und du weißt, einen anderen können wir uns nicht leisten."

"Das brauchen wir auch gar nicht."

Mit einem ängstlichen Blick zur Tür hin griff Nollie unter das einzige Bett - zwei hätten in das winzige Zimmer nicht gepasst - und zog eine kleine runde Hutschachtel darunter hervor. In der Schachtel war der kleinste Hut, den ich je gesehen hatte. Er war aus Pelz und hatte ein blaues Seidenband, das unterm Kinn zugebunden wurde.

"Ach, ist der süß!" Betsie nahm ihn ehrfürchtig aus der Schachtel und hielt ihn in den schwachen Lichtschein, der der hohen Dächer ringsum wegen nur mit großer Mühe in das Zimmer dringen konnte. "Wo hast du den ...?"

"Frau van Dyver hat ihn mir geschenkt."

Den van Dyver gehörte der Hutladen zwei Häuser weiter. "Sie sah, wie ich ihn betrachtete, und später, nachdem Tante Jans diesen gekauft hatte, brachte sie ihn her."

Nollie deutete oben auf den Schrank. Ein breitrandiger brauner Hut mit einem Strauß lavendelfarbener Samtrosen ließ sofort erkennen, dass nur eine ihn ausgesucht haben konnte: Tante Jans, Mamas ältere Schwester. Sie war nach dem Tode ihres Mannes zu uns gezogen, um, wie sie sagte, "die wenigen Tage, die mir noch bleiben", bei uns zu verbringen, obwohl sie erst Anfang vierzig war.

Ihr Einzug hatte das Leben in dem alten Haus sehr kompliziert. Es war schon vorher drangvoll eng gewesen, da die beiden anderen Schwestern Mamas, Tante Bep und Tante Anna, früher schon zu uns gezogen waren. Nun hatte Tante Jans noch eine Menge Möbel mitgebracht, die für die kleinen Zimmer im Beje viel zu gewaltig waren. Sie hatte für sich die beiden Zimmer im ersten Stock des Vorderhauses beschlagnahmt, die direkt über dem Uhrenladen und der Werkstatt lagen. In dem ersten schrieb sie die glühenden christlichen Traktate, durch die sie in ganz Holland bekannt geworden war, und in dem zweiten empfing sie die "reichen" Damen, die dieses Werk unterstützten. Tante Jans glaubte nämlich, dass unser Heil im Jenseits von der Menge der hier auf Erden vollbrachten Taten abhinge. Zum Schlafen teilte sie ein winziges Stück ihres Schreibzimmers ab, das gerade so groß war, dass ein Bett darin Platz hatte. Der Tod, sagte sie oft, warte darauf, sie aus ihrer Arbeit herauszureißen, und darum war sie so tätig wie möglich und legte immer nur kurze Ruhepausen ein.

An das Leben im Beje vor Tante Jans' Einzug konnte ich mich nicht erinnern, auch n

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