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Europäische Krise und Erster Weltkrieg Beiträge zur Militärpolitik des Kaiserreichs, 1871-1914 von Schulte, Bernd F. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2017
  • Verlag: Books on Demand
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Europäische Krise und Erster Weltkrieg

Dieser Sammelband behandelt, vor dem Hintergrund der dem Jubiläums "100 Jahre Kriegsbeginn 1914" andauernden Kontroversen um den Ausbrauch des Ersten Weltkrieges, die diplomatisch-politischen, aber auch sozialgeschichtlichen und insbesondere militär- und rüstungspolitischen Interdependenzen der deutschen Politik vor 1914. Dass in diesem Zusammenhang den Krisenkonferenzen im November - Dezember 1912, innerhalb des Entscheidungsprozesses, auch innerhalb der politischen Reichsleitung, für einen Krieg in absehbarer Frist, ein hervorragender Stellenwert beizumessen ist, belegen die hier vorgelegten Quellen. Inzwischen hat die internationale Forschung dieses aufgenommen. Das Spektrum des innenpolitischen Kräftespiels im Kaiserreich erhält unter dem dezidiert entwickelten Blickwinkel des Sicherheitsaspektes im Innern, angesichts von Staatsstreich-, Anarchismus-,Streik-, Revolutions- und Bürgerkriegsdrohung, aus der Sicht der Militärbehörden neue Konturen - und beleuchtet auch den Kriegsausbruch 1914 neu. Jahrgang 1947. Offizier (Olt.d.Res.)bis 1972. Studium in Würzburg, München und Hamburg der Neueren Geschichte, Politikwissenschaft sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Promotion bei Fritz Fischer 1976. Schriften u.a.: Die deutsche Armee 1900-1914 (1977), Vor dem Kriegsausbruch 1914. Deutschland, die Türkei und der Balkan(1980), Die Verfälschung der Riezler-Tagebücher(1985). Tätigkeit an der HSBw Hamburg (bis 1985), Produzent, Realisator und Regisseur für ARD, ZDF und Industriefilm. Historisch-politische Dokumentation(u.a. Kuwaitkrieg, Deutsche Wende, Autos die Geschichte machten, Audi-mobil. Fortschritt im Wandel der Zeit). Seit 1997: Hrsg. Extra Blatt (www.forumfilm.de). Seit 2000: Hrsg. der Hamburger Studien zu Geschichte und Zeitgeschehen (inzw. 4 Bände).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 16.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744824378
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 482 kBytes
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Europäische Krise und Erster Weltkrieg

EINLEITUNG

Der Diplomat Harry Graf Kessler notierte in der Rückschau unter dem 21. November 1918 in seinem Tagebuch:

"Der Krieg war schließlich eine ungeheure Spekulation, deren Mißlingen alles andere mitriß; der größte Krach aller Zeiten." 1

Auch der enge Vertraute Bethmann Hollwegs, Kurt Riezler, reflektierte bereits im Mai 1915 den spielhaften Charakter des deutschen diplomatisch-politischen Kalküls bei Ausbruch des Krieges. Unter dem unmittelbaren Eindruck des Mißerfolgs der deutschen Armee an der Marne unterstreicht er, wie umfassend alles auf eine Karte gesetzt wurde; was militärisch bedeutete, daß sich der Krieg mit dem deutschen Sieg über Frankreich entschiede. Riezler notierte in seinem Tagebuch unter dem 25.5.1915:

"Die ganze ursprüngliche Rechnung ist durch die Schlacht an der Marne ins Wanken geraten. Schließlich kann sich für die Entstehung dieses Krieges Bethmann auf die Not der Konstellation berufen, die er übernahm, und auf die Antwort, die Moltke Anfang Juli gab. Er sagte eben ja, wir würden es schaffen." 2

Wie es im einzelnen zum Kriege kam, soll hier nicht der Gegenstand der Analyse sein. Diese Problematik allein erfordert eine eigene detaillierte Analyse. Doch kann nicht übersehen werden, daß diese Frage eine bis auf den heutigen Tag andauernde Kontroverse innerhalb vor allem der deutschen, aber auch der internationalen Geschichtswissenschaft entfacht hat.
1. Zur Fischer Kontroverse der sechziger Jahre

Die neueren Tendenzen der Diskussion um die sogenannte "Kriegsschuld" - insbesondere des Deutschen Reiches am Ersten Weltkrieg - sollen hier berührt werden. Die "Kriegsschulddebatte", die in der Fischer Kontroverse ihre Fortsetzung erlebte und die in letzter Zeit über außen- und innenpolitische wie sozial- und strukturgeschichtliche Aspekte hinaus auch die militärgeschichtliche Seite des Problems einbezieht, entwickelt sich zunehmend unter dem Einfluß des weithin proklamierten komparatistischen Ansatzes zu einer übergreifenden Behandlung dieses tiefen Einschnittes in der neueren europäischen Geschichte.

Es erscheint von Bedeutung, daß erst jüngst die Rolle auch der deutschen Armee vor und im Ersten Weltkrieg erneut und unter verschiedenen Gesichtspunkten in das Blickfeld der Forschung geriet und damit ein Strang der Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg und seinen Ursachen wieder aufgenommen wurde, der durch Gerhard Ritters Werk "Staatskunst und Kriegshandwerk" bereits abgeschlossen schien 3 . Obwohl Ritter 1959 betont hatte, daß eine weiterführende Arbeit an dem Heeresproblem des Kaiserreiches kaum mehr aussichtsreich erscheine, da die Aktenbestände der preußisch-deutschen Armee (1867-1918/45) mit dem Reichs- oder Heeresarchiv in Potsdam (im April 1945) durch englische Brandbomben vernichtet worden seien, stellte sich dennoch Anfang der siebziger Jahre heraus, daß durchaus neue Einsichten in die Vorstellungen der obersten Militärbehörden, vor allem an Hand der Aktenbestände der Bundesstaaten des Deutschen Reiches (außer Preußen), nämlich Bayerns, Württembergs, Sachsens und Badens, erzielbar sind 4 . Darüber hinaus war es überfällig, die Ergebnisse der Diskussion um die Politik des Kaiserreichs vor und im Ersten Weltkrieg, die bereits die militärgeschichtliche Behandlung der Reichswehrthematik und vor allem der Wehrmacht befruchtet hatte, nun auch für eine Durchleuchtung der Militärpolitik des wilhelminischen Reiches zu nutzen.

Da die Arbeiten Fritz Fischers 5 - im Gegensatz zu Gerhard Ritters großem Alterswerk - die Totalität der gesellschaftlichen Kräfte und Gruppierungen einbezogen, erschien ein nicht mehr nur ausschließlich kriegs- oder organisationsgeschichtlicher, sondern vor allem der Sozialgeschichte verpflichteter Ansatz überfällig. Es ist zu bedauern, daß vor allem auf dem Gebiet der Militärgeschichte heute zunehmend derartige Arbeiten außerhalb der offiziösen Geschichtswissenschaft

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