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Hakenkreuz und Rotes Kreuz Eine humanitäre Organisation zwischen Holocaust und Flüchtlingsproblematik von Steinacher, Gerald (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2013
  • Verlag: Studienverlag
eBook (ePUB)
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Hakenkreuz und Rotes Kreuz

Mit seiner 150-jährigen Geschichte gehört das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) besonders in Kriegszeiten zu den ältesten und aktivsten Hilfsorganisationen. Die wertvolle Hilfeleistung des IKRK für Millionen Verwundete und Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg steht außer Zweifel, das Schweigen zum Holocaust wird dem Roten Kreuz aber bis heute zum Vorwurf gemacht. Nicht zuletzt diese Kritik führte in den ersten Nachkriegsjahren zu einer schweren institutionellen Krise der traditionsreichen Genfer Organisation. Mitten in dieser tiefen Imagekrise verhalf das IKRK gleichzeitig Kriegsverbrechern zur Flucht. So konnten sich Adolf Eichmann und viele andere Täter mit neuer oder alter Identität und Papieren des Roten Kreuzes der Justiz entziehen. Gerald Steinacher legt in diesem Buch die Haltung der Hilfsorganisation zum Nazi-Regime, die Hintergründe des Schweigens und die Gründe der späten Hilfsmaßnahmen dar, beschreibt die institutionelle Krise und ihre Überwindung und stellt mit seinen Forschungsergebnissen erstmals die Nazi-Fluchthilfe nach 1945 und das Handeln des IKRK während des Holocaust in einen größeren Kontext.

Gerald Steinacher studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck, Trient und New Orleans. Er war von 2000 bis 2011 Historiker am Südtiroler Landesarchiv in Bozen sowie Angehöriger des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und unterrichtete auch an den Universitäten München und Luzern. Im Jahr 2006 war er als Research Fellow am United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. und arbeitete in den letzten Jahren wiederholt als unabhängiger Forscher für das Oral History Department des Museums. 2009 war er Visiting Scholar am Center for European Studies der Harvard University und arbeitete 2010-2011 als Forschungsprofessor (Joseph A. Schumpeter Research Fellow) in Harvard. Seit Sommer 2011 ist er Assistant Professor of History und Hymen Rosenberg Professor of Judaic Studies an der University of Nebraska-Lincoln. Dr. Steinacher ist Autor zahlreicher Publikationen zur Geschichte Österreichs, Deutschlands und Italiens. Sein bislang letztes Buch ist 2008 unter dem Titel 'Nazis auf der Flucht' im StudienVerlag und in englischer Übersetzung 2011 bei Oxford University Press erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 02.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783706557221
    Verlag: Studienverlag
    Größe: 2032 kBytes
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Hakenkreuz und Rotes Kreuz

Idee und Praxis des Roten Kreuzes

Das Internationale Rote Kreuz wurde 1863 auf Initiative des Genfer Kaufmanns Henri Dunant gegründet. Die Motivation zu diesem Schritt kam von einem prägenden persönlichen Erlebnis. Als Dunant 1859 auf Geschäftsreise in Italien war, wurde er Zeuge der Schlacht bei Solferino, südlich des Gardasees. Nach dem Kampf zwischen den Truppen des österreichischen und des französischen Kaisers sowie deren Verbündeten kümmerte sich, wie damals üblich, kaum jemand um die Verwundeten und Sterbenden. Sie waren sich meist selbst überlassen, denn Feldärzte gab es wenige. In manchen Fällen halfen die anwohnende Bevölkerung und Kleriker. Als Zeuge dieses Elends auf einem Schlachtfeld half Dunant spontan so gut er konnte und bat auch die Frauen der umliegenden Orte um Hilfe. Im Verhältnis zum großen Leid konnte sein improvisierter Hilfsdienst wenig ausrichten, aber in Dunant wuchs eine Idee: die Schaffung einer dauerhaften Hilfsorganisation für verwundete Soldaten. Seine Erlebnisse an jenem Tage erschienen 1862 als "Erinnerung an Solferino" und das Buch wurde sofort zum Bestseller. Eine Idee war geboren und fand Anhänger. So gelang es Dunant, andere Genfer Bürger für seine Vision zu gewinnen. Sie schlossen sich in ihrer Heimatstadt Genf zu einem privaten Verein zusammen und setzten Dunants Ideen in die Tat um. Die Idee zündete im Rahmen humanitärer Agenden des damaligen Zeitgeists – wie die Abschaffung der Sklaverei in den USA oder die Abschaffung der Folter und öffentlicher Hinrichtungen in Europa. 5 Obwohl das Rote Kreuz gerne die universelle Gültigkeit seiner Grundideen des säkulären barmherzigen Samariters unterstreicht, basierten seine Ideale ursprünglich auf Wertvorstellungen der abendländischen, jüdisch-christlichen Kultur und vor allem dem christlichen Konzept der karitativen Nächstenliebe. 6 Die Tätigkeit des Roten Kreuzes wurde von den Schweizern auch im Zweiten Weltkrieg oft noch als "Beweise christlicher Nächstenliebe" angesehen. 7 Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zählt zu den bekanntesten Gleichnissen Jesu im Neuen Testament. Jesus wird gefragt, wie man gottgefällig handeln soll. Daraufhin berichtet er von einem Reisenden, der auf der Straße überfallen, verprügelt und ausgeraubt wird. Zwei Juden, ein Schriftgelehrter und ein Priester, kommen nacheinander an dem Mann vorbei, aber sie ignorieren das Opfer einfach. Schließlich kommt ein Reisender aus Samaria, hilft dem Überfallenen und sorgt und zahlt für seine Pflege. Der Samariter ist kein Jude, kümmert sich aber im Gegensatz zu den beiden Juden, die achtlos vorübergehen, um den Verletzten. Jesus lässt offen, ob der Überfallene Jude war oder nicht, sondern spricht nur von einem Menschen. In der Geschichte geht es daher um die Sorge eines Menschen für einen anderen Menschen, nicht um die Nächstenliebe für die "eigenen Leute". Diese Beispielerzählung des Jesus aus Nazareth veranschaulicht, wie Christen handeln sollen. Nicht nur die Liebe zu Gott, sondern auch die Nächstenliebe für alle Mitmenschen ist Voraussetzung für eine christliche Lebensführung. Jesus verbindet diese Klarstellung auch mit einem Auftrag für Christen und Juden: " Geh hin und handle ebenso!" Die IKRK-Prinzipien Barmherzigkeit und Unparteilichkeit wurzeln letztlich in der Tradition des barmherzigen Samariters. Henri Dunant war tief religiös und lebte nach strengen moralischen Prinzipien. Der langjährige IKRK-Präsident Max Huber sah sich gerne als ein Nachahmer des barmherzigen Samariters. Die unparteiische Hilfe für jeden Leidenden, egal ob Freund oder Feind, ist letztlich die fundam

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