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Hitler-Jugend von Kater, Michael H. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2011
  • Verlag: Primus
eBook (ePUB)
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Hitler-Jugend

Michael H. Kater gibt zunächst einen profunden Überblick über Entstehung und Entwicklung der Hitler-Jugend und ihrer nach Alter und Geschlecht gegliederten Gruppen (wie Bund Deutscher Mädel oder Jungvolk). Darüber hinaus stellt Kater die Frage nach Auswirkung und Bedeutung, nach den 'Folgeschäden': Welchen Zielen diente die HJ? Was motivierte Jugendliche zum freiwilligen Beitritt? Wie wurden die Jugendlichen in der HJ kontrolliert, wie funktionierte die Organisation, wie entstand das verzweigte Netzwerk der Indoktrination? In welcher Weise ging Hitler-Jugend beiderlei Geschlechts im Kriegsgeschehen auf und wurde dort großenteils zerrieben? Stellt sich eine Schuldfrage zu Verbrechen des NS-Regimes? Aber es geht nicht nur um NS-konforme Jugendliche, es geht auch um die Jugendlichen, die sich verweigerten oder sogar Widerstand leisteten (wie z.B. die 'Weiße Rose'). Eindrucksvoll schildert der Autor immer wieder Einzelschicksale, an denen pars pro toto Zusammenhänge deutlich werden. Michael H. Kater wurde 1937 in Deutschland geboren und wanderte Anfang der 50er-Jahre nach Kanada aus. 1966 wurde er in Heidelberg bei Werner Conze promoviert. Er ist einer der international hochgeachteten Historiker zur Geschichte des 'Dritten Reichs', der insbesondere mit Büchern zur Kulturgeschichte auch in Deutschland bekannt geworden ist.: 'Die mißbrauchte Muse. Musiker im Dritten Reich' (1998), 'Hitler-Jugend' (2005). 'Culture in Nazi Germany' ist sein Alterswerk und stellt die Summe seines Historikerlebens dar.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 01.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783896789761
    Verlag: Primus
    Größe: 1349 kBytes
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Hitler-Jugend

Monopol- und Uniformitätsbestrebungen

Die Hitler-Jugend ging aus dem stark polarisierten Spektrum der Jugendbünde in der Weimarer Republik hervor und bestand zunächst aus einer Gruppe junger Leute, die sich der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) verbunden fühlte. Soweit glaubhaft, gehen die Ursprünge der HJ auf Anfang 1925 zurück, als Adolf Hitler, der nach dem gescheiterten Bierkeller-Putsch vom November 1923 gerade erst aus der Landsberger Festungshaft entlassen worden war, die NSDAP von neuem aufbaute. Initiator der Jugendgruppe war ein Jurastudent und Hitler-Bewunderer namens Kurt Gruber, der aus Plauen in Sachsen stammte, wo viele Arbeiter lebten. Daher lagen die Anfänge der nationalsozialistischen Jugendorganisation im proletarischen Milieu, und zumindest bis zu Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 pflegten die Gruppen ihren Arbeiternimbus. Als allerdings mit der Zeit immer mehr Jugendliche aus der Mittelschicht eintraten, wurde das proletarische Image der Jugendorganisation zunehmend fadenscheinig. Die Bezeichnung 'Hitler-Jugend' (abgekürzt HJ) erhielten die Gruppen, als sie im Juli 1926 Hitlers SA unterstellt wurden. Der 'Führer' selbst hatte an ihnen zunächst kein besonderes Interesse, weil es ihm damals auf Wählerstimmen ankam und er sich deshalb ausschließlich auf Erwachsene konzentrierte. 3

Bis 1930 blieb die HJ im Vergleich zur Bündischen Jugend unbedeutend. Politisch standen die Bündischen (auch im Hinblick auf ihren Antisemitismus) soweit rechts, dass sie für deutsche Jugendliche, die die Weimarer Republik verabscheuten, mehrheitlich attraktiv waren. Im Unterschied zur HJ waren die Bündischen allerdings nicht auf einen einzigen Führer fixiert und in ihrer sozialen Zusammensetzung viel stärker von Angehörigen der Mittel- und Oberschicht geprägt. Als die Nazis nach der Wahl vom 14. September 1930 die zweitgrößte Reichstagsfraktion stellten, zählte die Bündische Jugend rund 50 000 Mitglieder. Die HJ hatte im Vorfeld der Wahl einen sprunghaften Anstieg der Mitgliederzahl auf 18 000 verzeichnet, und neben proletarischen Jugendlichen kamen nun auch immer mehr mittelständische Gymnasiasten, die sich Gedanken über ihre Aufstiegsmöglichkeiten in der Industrie, der staatlichen Verwaltung sowie in den akademischen Berufen machten. Zu dieser Zeit wurde in der HJ eine Unterorganisation für weibliche Mitglieder geschaffen: der 'Bund Deutscher Mädel' (BDM). Außerdem richtete man für - später als 'Pimpfe' bezeichnete - Jungen von 10 bis 14 Jahren das 'Deutsche Jungvolk' (DJ) ein und für die Mädchen dieser Altersstufe den 'Jungmädelbund' (JM). Ende 1930 reichte das Altersspektrum der HJ bei beiden Geschlechtern von 10 bis 18 Jahren. 4

Im Oktober 1931 wurde Baldur von Schirach von Hitler zum Reichsjugendführer der NSDAP bestimmt. Schirach leitete bereits den NS-Schülerbund und seit 1928 den NS-Studentenbund, gab aber bald beide Ämter auf, um sich ausschließlich der Hitler-Jugend zu widmen. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund ( NSDStB ) bestand weiter, während der Schülerbund in der HJ aufging. 1931 hatte die HJ schon knapp 35 000 Mitglieder, darunter immer noch 69 Prozent junge Arbeiter, 12 Prozent Schüler und 10 Prozent junge Angestellte. Schätzungen zufolge war damals, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, etwa die Hälfte der Eltern dieser jungen Leute erwerbslos. 5

Der gut aussehende, wenn auch immer etwas aufgeschwemmt wirkende Baldur von Schirach war von seiner Abstammung her drei Viertel Amerikaner und ein Viertel Deutscher. Sein Urgroßvater Karl Benedikt von Schirach, ein deutscher Richter, war 1855 in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Dessen Sohn Karl Friedrich kämpfte als Major im Bürgerkrieg auf der Seite der Unionsstaaten und gehörte, nachdem er in der Schlacht von Bull Run ein Bein verloren hatte, 1865 bei Präsident Lincolns Begräbnis zur

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