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Im Land des Feindes Eine jüdische Spionin in Nazi-Deutschland von Cohn, Marthe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.03.2018
  • Verlag: Schöffling & Co.
eBook (ePUB)
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Im Land des Feindes

'Im Land des Feindes' erza?hlt die wahre Geschichte der franzo?sischen Jüdin Marthe Hoffnung Cohn, die ihr Leben aufs Spiel setzte, um in Nazi-Deutschland kriegswichtige Vorhaben auszukundschaften. Aus einer Familie in der Grenzregion stammend, die verfolgte jüdische Kinder bei sich aufnimmt und spa?ter Menschen in die Freie Zone schmuggelt, ist ihr dieses Engagement eine Selbstversta?ndlichkeit. Die Re?sistance, der sich Marthe unbedingt anschließen will, lehnt die zierliche Frau zuna?chst ab, doch aufgrund ihrer ausgezeichneten Deutschkenntnisse und ihrer unauffa?lligen Erscheinung wird sie als Spionin nach Deutschland geschickt. In hochdramatischen und gefa?hrlichen Situationen beweist sie Geistesgegenwart und ungeheuren Mut. Marthe Cohns Geschichte, gepra?gt vom leidvollen Schicksal ihrer Familie und ihres ganzen Volkes, beeindruckt durch den Kampfgeist einer Frau, die in ihrer Jugend alles riskierte und auch heute noch unermüdlich als Zeitzeugin für Gerechtigkeit und Freiheit eintritt. Marthe Cohn wurde 1920 in Metz geboren. Ihre Familie engagierte sich in der Re?sistance. Für ihren Einsatz als Spionin erhielt sie 1945 das Croix de Guerre und spa?ter hohe Ehrungen des franzo?sischen Staates. Nach dem Krieg war sie als Krankenschwester in Indochina im Einsatz. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Kalifornien. Petra Post und Andrea von Struve übersetzen seit nun mehr 30 Jahren gemeinsam Belletristik und Sachbücher aus dem Englischen, mit Schwerpunkt Biografie, Zeitgeschichte, Frauenliteratur und Thriller, darunter Werke von Morris Berman, Margaret Drabble und Raul Hilberg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 408
    Erscheinungsdatum: 06.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783731761396
    Verlag: Schöffling & Co.
    Größe: 7634 kBytes
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Im Land des Feindes

Das Lothringer Kreuz

Ich bin in Metz geboren, einer Stadt in Lothringen, die von einer mächtigen Kathedrale überragt wird, in einer Region im Nordosten Frankreichs, die auf eine komplizierte und wechselvolle Geschichte zurückblickt. Da die französisch-deutsche Grenze nur etwa 45 Kilometer weiter östlich verlief, war die Gegend schon seit tausend Jahren Ziel feindlicher Übergriffe. 1871 annektierten die Deutschen das Gebiet und hielten es fast fünfzig Jahre besetzt.

Als ich am 13. April 1920 - keine zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs - zur Welt kam, hatte sich die politische Landkarte Europas verändert und Elsaß-Lothringen befand sich erneut in französischer Hand. Da wir in dieser historisch bedeutenden Grenzregion als wahre französische Patrioten aufgewachsen waren, erfüllte es uns alle mit Stolz, als General de Gaulle im Zweiten Weltkrieg das Lothringer Kreuz mit den zwei Querbalken zum Symbol des freien Frankreich erkor.

Metz war eine geschäftige, weltoffene Stadt mit barocken Giebeldächern und klassizistischen Fassaden. In den Stahlwerken und Kohlegruben des Umlands arbeiteten Polen, Italiener und Tschechen. Da Metz eine Garnisonsstadt war, wimmelte es in den Straßen von Soldaten. Am Ostufer der Mosel gelegen, war die Stadt ein wichtiger Knotenpunkt auf der Handelsroute zwischen Paris und Straßburg. Im 12. Jahrhundert wurde Metz freie Reichsstadt und hatte sich einen ganz eigenen Charakter bewahrt: Davon zeugten das mittelalterliche französische Viertel mit der gotischen Kathedrale Sainte-Étienne im Zentrum und die elegante "Ville Allemande" mit ihren Bürgerhäusern, die unter preußischer Besatzung entstanden war. Aufgrund seiner bunten Vielfalt an Plätzen aus dem 17. Jahrhundert, italienisch anmutender Straßenzüge und deutscher Prachtbauten war Metz keineswegs der triste Ort, den seine geografische Lage und seine industriellen Wurzeln hätten erwarten lassen.

Meine Eltern waren praktisch als Deutsche aufgewachsen. Da sie den Großteil ihres Lebens in einem besetzten Gebiet verbracht hatten, war es ihnen verboten, ihre Muttersprache zu sprechen. In der Schule wurde Deutsch gelehrt und jedem, der in der Öffentlichkeit auch nur ein einziges französisches Wort von sich gab, drohte Arrest. Als ich zur Welt kam, waren beide Sprachen erlaubt. Sieben Jahre lang hatte ich in der Schule Deutsch als Zweitsprache. Wir Geschwister unterhielten uns mit unseren Schulfreunden und einigen Nachbarn auf Französisch, aber mit unseren Eltern und den meisten Angehörigen ihrer Generation auf Deutsch. Französisch war für uns eine Art Geheimsprache. Wenn wir nicht wollten, dass unsere Eltern mitbekamen, was wir im Schilde führten, schwatzten wir fröhlich auf Französisch drauflos.

Unser eigentlicher Familienname war Hoffnung Gutglück, was der Einfachheit halber zu "Hoffnung" abgekürzt wurde. Ich hieß mit Vornamen "Marthe", französisch ausgesprochen. Mein Großvater mütterlicherseits, Moishé Bleitrach, war ein wunderbarer Mann, ein angesehener orthodoxer Rabbiner und Gelehrter. Zum Zeitpunkt meiner Geburt war er fast sechzig Jahre alt und trug einen langen Bart. Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist sein dröhnendes Lachen, wenn ich daran zog.

Als ich etwa zwei Jahre alt war, hing ich wie eine Klette an meiner Mutter Regine. Sie war eine kleine, blonde, hübsche Frau, die ich geradezu vergötterte. Sie war warmherzig und lebenslustig und wirkte eher wie eine ältere Schwester. Sobald sie sich aus meinem Blickfeld entfernte, bekam ich einen hysterischen Anfall und schrie, bis ich blau im Gesicht wurde. Dann nahm mich einer meiner älteren Brüder, Fred oder Arnold, oder meine Schwester Cécile auf den Arm und schlug mir mit sichtbarem Vergnügen auf den Rücken, bis ich wieder normal atmete. Als ich mit vier Jahren begriff, dass meine Geschwister mir mein Theater übel nahmen, beschloss ich - Pazifistin, die ich schon damals war -, sie und meine a

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