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Jüdische Publizistik und Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2016
  • Verlag: Studienverlag
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Jüdische Publizistik und Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs

Die Folgen des ersten Weltkriegs für die jüdische Bevölkerung in Europa Trotz der großen Zahl von Neuerscheinungen wissenschaftlicher Studien zum Ersten Weltkrieg findet man - auch international- bisher kaum Publikationen, die die Bedeutung dieses katastrophalen Geschehens für die jüdische Bevölkerung in Europa thematisieren. Dieser Band, zum Teil aus dem internationalen und interdisziplinären Forschungskolloquium Deutschsprachig-jüdische Publizistik zur Habsburgermonarchie im Zeichen des Ersten Weltkriegs. Medialität, Ästhetik, Sinnvermittlung hervorgegangen, versammelt erstmals literatur- und geschichtswissenschaftliche Beiträge, die sich am Beispiel zeitgenössischer jüdischer Publizistik aus einer länderübergreifenden zentraleuropäischen Perspektive mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Habsburgermonarchie sowie auf Deutschland und Italien. Wahrnehmung und Auswirkung - ein differenziertes Bild Die Autorinnen und Autoren knüpfen an die Prämissen der Kriegsliteraturforschung an, indem sie sich auch auf dokumentarische und nichtfiktionale Texte beziehen. So ist es möglich, die Situation der jüdischen Bevölkerung in unterschiedlichen Kronländern der Habsburgermonarchie und in Deutschland während der Kriegsjahre näher zu beleuchten. Mit Beiträgen von Caspar Battegay, Petra Ernst, Katalin Fenyves, Hans-Joachim Hahn, Dieter J. Hecht, Amália Kerekes, Gerald Lamprecht, Eleonore Lappin-Eppel, Marta Marková, Michael Nagel, Ruth Nattermann, Eva Edelmann-Ohler, Nurit Pagi, Madleen Podewski, Marsha L. Rozenblit, Katalin Teller und Markus Winkler. Die Herausgeberinnen Petra Ernst, Priv.-Doz. Dr., Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz, Lehrbefugnis für Neuere deutsche Literatur. Eleonore Lappin-Eppel, Priv.-Doz. Dr. PhD, Mitarbeiterin und Lehrende u.a. an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und am Centrum für Jüdische Studien der Universität Graz.

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Jüdische Publizistik und Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs

Madleen Podewski

Krieg in 'kleinen Archiven':
Überlegungen zum Umgang mit der Medienspezifik der Zeitschrift

Medienordnungen: Zeitschriften als 'kleine Archive'

In den Literaturwissenschaften beginnt sich die Einsicht, dass Zeitungen und Zeitschriften zentrale Orte für literatur- und kulturgeschichtliche Entwicklungen sind, allmählich und auch nachhaltig durchzusetzen. 1 Schwierig geblieben ist gleichwohl die Konzeptualisierung dieser Medien, was ganz sicher sehr viel mit dem komplexen Material selbst zu tun hat. Denn dem ist mit den kurrenten Interpretationsmodellen ganz offensichtlich nicht so recht beizukommen: Das gilt für den (traditionelleren) Fokus einer Sozialgeschichte der Literatur, der Zeitungen und Zeitschriften schon seit längerem für einen Zugriff auf das Sozialsystem Literatur nutzt - auf die Prozesse der Produktion, Distribution, Rezeption und Speicherung von Literatur also -, der aber den Zusammenhang mit dem Symbol-system literarischer Bedeutungskonstitution weitgehend ausgespart lässt. 2 Das gilt aber auch für Ansätze, die stattdessen von einem ganz unmittelbaren funktionalen Zusammenhang zwischen (Massen-)Medien und literarischen Themen und Schreibverfahren ausgehen. Partiell ist hier immer noch das alte kulturkritische Argument im Schwange, dass Massenkulturen - und mit ihnen auch die populären Publikumszeitschriften, in denen Literatur erscheint - heteronome Kulturen sind: Die Literatur, die hier abgedruckt wird, sei - genau wie die Zeitschrift auch - Unterhaltungsbedürfnissen und dem "Schraubstock moderner Marktmechanismen" unterworfen, 3 wogegen sich autonome, ästhetisch "wertvolle" Literatur von solchen Bedingungsfaktoren freihalten könne. Dass diese Aufteilung in zwei Literaturen eine Fiktion ist, die für den Bereich der kanonisierten autonomen Literatur auf einer eklatanten Medienvergessenheit der Literaturwissenschaft beruht, ist jüngst gezeigt worden. Allerdings behält auch hier das Modell eines direkt-funktionalen Zusammenhangs zwischen Zeitschriften und Literatur weiterhin seine Geltung, wenn auch nun ohne die alten kulturkritischen Implikationen und deren Unterscheidung von autonomen und heteronomen Kultursegmenten: Literatur erscheint nun durchweg spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als so sehr an den Zeitschriftenmarkt gebunden, dass von einem eigenständigen Literatursystem nicht mehr die Rede sein kann. Und damit ist sie in Gänze - also nicht nur die so genannte Schema- oder Formelliteratur - den Selbstreproduktionslogiken des Massenmediums Zeitschrift unterworfen; deren Code, Programm und Funktionen determinieren die Textstrukturen ebenso wie die Werk- und Autorkonzeptionen. 4

Es zeichnen sich also für den Umgang mit dem Zusammenhang zwischen Literatur und Zeitschriften zwei Grundtendenzen ab. In der einen Richtung wird Literatur von ihrem medialen Erscheinungskontext distanziert bzw. gänzlich abgelöst: Die Zeitschrift als einer ihrer wichtigen Publikationsorte bleibt hier entweder von vornherein irrelevant oder sie hat als Teil des Sozialsystems mit der Bedeutungsorganisation der Texte selbst nicht unmittelbar zu tun, oder aber diese Bedeutungsorganisation behauptet sich - allerdings nur im Fall ästhetisch "wertvoller" Literatur - als eine strikt autonome gerade gegen die heteronomen Zentralfunktionen der im Grunde als kunstfremd gedachten populären Medien. In der anderen Richtung lassen sich dagegen Verfahren der Homogenisierung ausmachen: Zeitschriften werden dabei als kohärente Einheiten modelliert, deren Zusammenhang auf einem grundlegenden, auf alle Elemente der Zeitschrift gleichermaßen durchschlagenden Prinzip basiert. Das gilt vor allem für die Funktion der "Unterhaltung", die für Massenmedien als konstitutiv angesetzt wird, das betrifft aber auch die Modellierung von Zeitschriften als Medien der (Volks-)Bildung und Identitätsstiftung. Und es zeigt sich in Versuch

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