text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Kultur, Bildung und Wissenschaft im 19. Jahrhundert von Kraus, Hans-Christof (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2010
  • Verlag: Oldenbourg
eBook (PDF)
21,95 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Kultur, Bildung und Wissenschaft im 19. Jahrhundert

EdG - das intelligente Lehrbuch zu Kultur, Bildung und Wissenschaft im 19. Jahrhundert

Hans-Christof Kraus analysiert die wichtigsten Entwicklungen in den Bereichen Kultur, Bildung und Wissenschaft in Deutschland während des 19. Jahrhunderts, angefangen bei Literatur, bildender Kunst und Musik, über weltanschauliche und philosophische Denkströmungen bis hin zu einzelnen Wissenschaften.

Die Geschichte der Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen steht dabei besonders im Vordergrund. Bildungsentwicklung - so eines der Resultate - zeigt sich in erster Linie als Bildungspolitik, als das Ergebnis einer auf Integration und Kontrolle, aber auch auf Ausbau, Modernisierung und Differenzierung des allgemeinen kulturellen und sozialen Lebens gerichteten Aktivität des modernen Kulturstaates.

Die Folgen der seit der Reformzeit im frühen 19. Jahrhundert in die Wege geleiteten Entwicklungen reichen bis in die unmittelbare Gegenwart. Der Studienband umfasst außerdem eine ausführliche Forschungsdiskussion und eine thematisch gegliederte Bibliographie.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 182
    Erscheinungsdatum: 01.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783486701418
    Verlag: Oldenbourg
    Größe: 546kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Kultur, Bildung und Wissenschaft im 19. Jahrhundert

II. Grundprobleme und Tendenzen der Forschung (S. 57)

Im Gegensatz zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, in dem die einschneidenden politischen Epochenwechsel unmittelbarste Folgen für die Gestaltung des geistigen und kulturellen Lebens sowie der Entwicklung der Bildung in Deutschland gehabt haben, können für das 19. Jahrhundert Abgrenzungen dieser Art nicht vorgenommen werden. Man weiß heute, dass etwa die große Reform und Erneuerung der Bildung, deren Wirkungen das weitere Jahrhundert geprägt haben, keineswegs erst um 1806/07 begonnen hat, sondern dass es vielerorts schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts Bildungsreformen vor der großen Reform [197: W. NEUGEBAUER, Bildungsreformen vor Wilhelm von Humboldt] - und zwar nicht allein in Preußen - gegeben hat.

Die Reformepoche hat in mehr als einer Hinsicht Entwicklungen abgeschlossen, die teilweise schon lange vorher angebahnt worden waren. Auch die zweite scheinbare Epochengrenze, die kleindeutsche Reichsgründung von 1871, relativiert sich bei näherem Hinsehen sehr deutlich, denn die auf starken eigenen Traditionen beruhende Kulturhoheit der Einzelstaaten gehörte auch damals zu den eifersüchtig verteidigten Reservaten des deutschen Föderalismus.

Freilich gab es bald ebenfalls Tendenzen der Annäherung und Angleichung, die der bildungsmäßigen und kulturellen Diversifizierung Grenzen zu setzen begannen - doch hierbei handelte es sich um langfristige Prozesse, die vor und um 1900 noch keineswegs abgeschlossen waren.

Eine territorial und regional stark differenzierte kulturelle - und damit auch bildungsgeschichtliche - Vielfalt gehört zu den Grundkonstanten der deutschen Geschichte, zu denen eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren und Traditionen beigetragen hat: die Gegensätze zwischen den römisch besiedelten und den östlich des Limes gelegenen Gebieten, zwischen den alten Stämmen des Westens und Südens sowie den im Osten siedelnden Neustämmen, zwischen Oberdeutschland und Niederdeutschland, zwischen protestantischem und katholischem Deutschland - sie alle haben in der deutschen Kultur-, Geistes- und Bildungsgeschichte tiefe Spuren hinterlassen, die in ihrem Ausläufern bis in die Gegenwart hineinreichen.

Diese Tatsache spiegelt sich nicht zuletzt in bestimmten Aspekten der heutigen Forschungslage, nämlich u. a. darin, dass die Kultur- und Bildungsgeschichte einzelner deutscher Regionen mit sehr unterschiedlicher Intensität aufgearbeitet worden ist. Was das 19. Jahrhundert anbetrifft, so kann man davon ausgehen, dass Preußen und Bayern die in diesem Bereich am besten erforschten deutschen Einzelstaaten darstellen, und schon diese Tatsache muss alle allgemein und generell argumentierenden Aussagen über die Entwicklung "des" deutschen Bildungswesens immer noch mit einem gewissen Vorbehalt versehen.

Neben der epochalen und der regionalen Abgrenzung ist die Forschung ebenfalls im Hinblick auf unterschiedliche wissenschaftliche Fragestellungen und Forschungsansätze zu differenzieren. Während innerhalb der Bildungsforschung lange Zeit ein (noch aus dem 19. Jahrhundert selbst stammender) allgemeiner Trend zur positivistischen Faktenanhäufung mit eher zurückhaltender Wertung und Analyse dominierte, setzte sich seit dem frühen 20. Jahrhundert unter dem nachwirkenden Einfluss W. Diltheys und seiner Schüler ein jahrzehntelang einflussreicher Trend zur spezifisch geistesgeschichtlichen Darstellung und Untersuchung durch, der die Forschung bis etwa zur Mitte der 1960er Jahre geprägt hat.

Die folgenden beiden Jahrzehnte wiederum brachten - auch als Folge der Ausdehnung der Universitäten und der Aufwertung der pädagogisch-bildungshistorischen Lehre und Forschung - zunächst eine bedeutende, vor allem quantitative Ausweitung der bildungsgeschichtlichen Arbeit mit sich, die sich nun primär als historische Bildungsforschung "jenseits des Historismus" verstand, in besonders starkem Maße (und zuweilen auch etwas einsei

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen