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Land der Verheißung - Ort der Zuflucht Jüdische Emigration und nationalsozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920 bis 1945

  • Erscheinungsdatum: 06.06.2016
  • Verlag: Studienverlag
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Land der Verheißung - Ort der Zuflucht

Palästina nimmt durch das Aufeinandertreffen von der Fluchtbewegung für die verfolgten Jüdinnen und Juden in der Diaspora und der Verwirklichung der zionistischen Ideen im Vergleich zu anderen Emigrationsländern eine Sonderstellung in der jüdischen Migrationsgeschichte ein. Wenngleich das Land in einer zahlenmäßigen Gesamtsicht der Migration aus Europa seit dem 19. Jahrhundert sowie im Kontext der Flucht aus dem Deutschen Reich eine nachrangige Rolle spielte, so stellte es trotzdem für viele Jüdinnen und Juden den rettenden Zufluchtsort dar. Das Buch 'Land der Verheißung - Ort der Zuflucht' widmet sich der Auswanderung und Flucht österreichischer Jüdinnen und Juden nach Palästina, vorrangig in den Jahren 1938 bis 1941, und bettet diese in die Geschichte der Palästinamigration seit den 1920er Jahren ein. Im Fokus steht dabei zum einen die Zusammenarbeit von jüdischer Gemeinde, der im August 1938 eingerichteten 'Zentralstelle für jüdische Auswanderung' und des Palästina-Amtes in Wien. Zum anderen wird der Blick auf die Politik und Interessen der britischen Mandatsmacht und der Arbeit der Jewish Agency in Jerusalem gelenkt. Victoria Kumar, Mag.a Dr.in Historikerin am Centrum für Jüdische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz; 2009-2010 Doctoral Research Fellowship am Center for Austrian Studies an der Hebrew University of Jerusalem, Israel; Forschungsschwerpunkte: Jüdische Geschichte in Österreich und in der Steiermark, Zionismus, Exil, Palästina/Israel. Publikationen u.a.: Victoria Kumar: In Graz und andernorts. Lebenswege und Erinnerungen vertriebener Jüdinnen und Juden, Graz 2013; Heimo Halbrainer/Victoria Kumar (Hg.): Kriegsende in der Steiermark 1945. Terror, Kapitulation, Besatzung, Neubeginn, Graz 2015.

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Land der Verheißung - Ort der Zuflucht

Einleitung

"Die Pioniere genossen, so schien es, in jenen Tagen das höchste Ansehen. Doch sie lebten weit weg von Jerusalem, in den fruchtbaren Tälern, in Galiläa, in der Ödnis am Ufer des Toten Meeres. Ihre kräftigen und gedankenschweren Gestalten zwischen Traktor und gepflügter Scholle sahen und bewunderten wir auf den Plakaten des Jüdischen Nationalfonds.

Eine Stufe unter den Pionieren rangierte der so genannte organisierte Jischuw: diejenigen der jüdischen Bevölkerung des Landes, die im Trägerhemd auf dem sommerlichen Balkon den Davar lasen, die Zeitung der Arbeitergewerkschaft Histadrut, die Mitglieder der Histadrut und der Gewerkschaftskrankenkasse, die Aktivisten der Untergrundarmee Hagana, die Leute in Khaki, die Salat-, Spiegelei- und Dickmilchesser, die Befürworter einer Politik der Zurückhaltung, von Eigenverantwortung, solidem Lebenswandel, Abgaben für den Aufbaufonds, heimischen Produkten, Arbeiterklasse, Parteidisziplin und milden Oliven in den Gläsern von Tnuva 1 . 'Von drunten blau, von droben blau, wir bauen uns einen Hafen! Eine Heimat, einen Hafen!'

Diesem organisierten Jischuw entgegen standen die Terroristen der Untergrundgruppen wie auch die Ultraorthodoxen von Mea Schearim 2 und die orthodoxen Kommunisten, die 'Zionshasser', und ein ganzes Sammelsurium von Intelligenzlern, Karrieristen und egozentrischen Möchtegernkünstlern des kosmopolitisch-dekadenten Typs, allerlei Außenseiter und Individualisten und dubiose Nihilisten, Jeckes mit ihrem unheilbaren deutsch-jüdischen Gebaren, anglophile Snobs, reiche französisierte Orientalen, die sich in unseren Augen wie hochnäsige Butler gerierten, dazu Jemeniten und Georgier und Maghrebiner und Kurden und Thessaloniker - alle eindeutig unsere Brüder, alle eindeutig vielversprechendes Menschenmaterial, aber was kann man machen, man wird noch viel Mühe und Geduld in sie investieren müssen.

Daneben gab es noch die Flüchtlinge und die Überlebenden, denen wir im Allgemeinen mit Mitleid und auch ein wenig Abscheu begegneten: armselige Elendsgestalten - und ist es denn unsere Schuld, dass sie dort bleiben und auf Hitler warten mussten, statt noch rechtzeitig herzukommen? Und warum haben sie sich wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen, statt sich zu organisieren und Widerstand zu leisten? Und sie sollen auch endlich damit aufhören, ihr nebbiches Jiddisch zu reden und uns all das zu erzählen, was man ihnen dort angetan hat, denn das, was man ihnen dort angetan hat, macht weder ihnen noch uns viel Ehre. Und überhaupt ist unser Blick hier ja in die Zukunft gerichtet, nicht in die Vergangenheit, und wenn man schon die Vergangenheit ausgraben muss, dann haben wir schließlich mehr als genug erfreuliche hebräische Geschichte, die biblische und die hasmonäische, es besteht also keinerlei Notwendigkeit, sie mit einer derart deprimierenden jüdischen Geschichte zu verunstalten, die nichts als Nöte enthält. [...]" 3

Amos Oz erzählt in seinem 2002 im hebräischen Original und 2004 in der deutschen Übersetzung erschienenen umfangreichen Werk "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" die Geschichte seiner Familie und jene Palästinas, das spätestens seit den 1930er Jahren zum Zufluchtsort zigtausender in Europa bedrohter und verfolgter Jüdinnen und Juden wurde, aber auch das geographische wie ideelle Ziel zahlreicher Zionistinnen und Zionisten war, die ihrer Überzeugung wegen nach "Erez Israel" migrierten. Anschaulich zeichnet der 1939 in Jerusalem als Sohn zweier aus Osteuropa stammender Immigranten ein Palästina bzw. Israel nach, dessen Entwicklung er aus der Perspektive eines Kindes wahrgenommen hat, und gewährt Einblicke in Politik und Gesellschaft, wodurch die Situation der Einwanderinnen und Einwanderer und der Bevölkerung insgesamt bis zu ihrem alltäglichen Leben hin greifbar wird.

Die den ersten Seiten des Buches entnommenen Zeilen werden hier nicht nur deshalb wiederge

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