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Lieber für die Ideale erschossen werden, als für die sogenannte Ehre fallen Albin Köbis, Max Reichpietsch und die deutsche Matrosenbewegung 1917 von Regulski, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.01.2015
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
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Lieber für die Ideale erschossen werden, als für die sogenannte Ehre fallen

'... ICH STERBE MIT EINEM FLUCH AUF DEN DEUTSCHEN MILITÄRSTAAT.' In den sich seit Kriegsbeginn ständig verschlimmernden und schließlich unhaltbaren Zuständen auf den Schiffen der Kaiserlichen Marine wagten es zwei junge Matrosen, ihre Stimme zu erheben. Längst des sinnlosen Krieges überdrüssig, setzten sie sich für den sofortigen Frieden ein, um noch mehr Blutvergießen zu verhindern. Womit die jungen Soldaten kaum rechnen konnten, war die überaus harte Reaktion des Kriegsgerichts, das mehrere Todesurteile aussprach. Trotz massiver Bedenken der Marinejuristen wurden diese in zwei Fällen an Albin Köbis und Max Reichpietsch exemplarisch vollstreckt. In den frühen Morgenstunden des 5. Septembers 1917 starben beide Matrosen durch die Kugeln eines Erschießungskommandos auf dem militärischen Übungsplatz in Köln-Wahn. Ihr weitgehend unbekanntes Schicksal im Vorfeld der Novemberrevolution wird hier erstmals akribisch rekonstruiert.

Christoph Regulski wurde 1968 in Hagen/Westfalen geboren. Er studierte Deutsch und Geschichte an der Freien Universität Berlin und an der Ruhr-Universität Bochum. Hier promovierte er im Jahr 2000 zum Dr. phil. Seine bisherigen Veröffentlichungen behandeln die Handelsvertragspolitik des Kaiserreichs und den Ersten Weltkrieg. Zuletzt untersuchte er in 'Klippfisch und Steckrüben' die Versorgung der Frankfurter Bevölkerung 1914-1918. Der Autor lebt in der Wetterau bei Frankfurt am Main.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 05.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843804769
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 3193kBytes
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Lieber für die Ideale erschossen werden, als für die sogenannte Ehre fallen

2. DAS FLOTTENBAUPROGRAMM DES DEUTSCHEN REICHS

Deutschland war nie eine große Seefahrernation 63 . Der schmale Küstenstreifen an der Nordsee hatte lediglich lokale Bedeutung, die Entwicklungsmöglichkeiten auf der beinahe vollständig eingeschlossenen Ostsee waren äußerst begrenzt. Auch nach dem Regierungsantritt des Preußischen Königs und Deutschen Kaisers Wilhelm II. im Jahr 1888 64 trug Deutschland dem Rechnung und verzichtete auf den Aufbau einer nennenswerten Flotte 65 . Kaiser Wilhelm II. befürwortete erst nach 1894 einen massiven Schlachtschiffbau, um Deutschland von einer wichtigen Kontinentalmacht zu einer Weltmacht zu machen 66 . Durch die Lektüre des 1890 erschienenen Buches The Influence of Sea Power Upon History 1660-1783 des amerikanischen Seeoffiziers und Marineschriftstellers Alfred Thayer Mahan angeregt 67 , förderte der junge Kaiser massiv alle navalen Bestrebungen des Reiches 68 . Dieses Standardwerk erlebte 50 Auflagen und wurde in sechs Weltsprachen übersetzt 69 . Die deutsche Übersetzung durch Vizeadmiral Karl Batsch lag 1896 vor. Die grundlegende Denkschrift Nr. IX von Alfred Tirpitz 70 zum Aufbau der Seestreitkräfte vom 16. Juni 1894 geht direkt auf Mahans Überlegungen zurück 71 . Demnach sollte die deutsche Flotte offensiv ausgerichtet und dem möglichen Gegner um mindestens ein Drittel in der Schlachtstärke überlegen sein 72 . In der strategischen Überlegung kam der Entscheidungsschlacht zwischen den Flotten ein ganz zentraler Stellenwert zu 73 . Tirpitz erkannte damit von Anfang an das Schicksal einer deutschen Flotte: Sie müsse den Entscheidungskampf auf offener See suchen oder sie sei zur Untätigkeit und damit zur moralischen Selbstvernichtung verurteilt 74 .

Admiral Alfred v. Tirpitz

Das Dogma der Entscheidungsschlacht vertraten fast alle späteren Admirale wie auch Richard Scheer und Magnus v. Leventzow. Zwei Admiralstabschefs erkannten jedoch noch vor Kriegsbeginn die Gefahren des deutschen Konzeptes. Vizeadmiral Friedrich v. Baudissin und Admiral Max v. Fischel wiesen darauf hin, dass die eigene Strategie nur bei einem Angriff Englands aufgehen könne 75 . Kapitän zur See Curt von Maltzahn empfahl aus diesem Grund bereits 1898 ein ausgewogenes Defensivkonzept mit Kreuzern. Sein Konzept besaß aber gegen das Tirpitzsche Dogma keine realistische Chance 76 . In der Tat lag der Fehler des deutschen Entwurfes in der Missachtung zweier Vorbedingungen, die Mahan formulierte. Eine Seemacht benötige zwingend eine günstige geographische Lage, um über einen freien Zugang zum Meer zu verfügen 77 . Zudem sei es ausgeschlossen, dass eine Nation zugleich See- und Landmacht ersten Ranges sein könne 78 . Kritische Stimmen wurden in der Literatur bereits in den 1930er Jahren laut, als beispielsweise der Leiter des Marinearchivs Eberhard v. Manthey schrieb, Deutschland habe sich zu sehr in den Flottenbau und dabei auch in den Gedanken der offensiven Kriegsführung verrannt. Sein Mitarbeiter Herbert Rosinski betonte, durch die fixen Vorgaben sei zudem das strategische Denken stark verkümmert 79 .

Ein ganz entscheidender Fehler war es, in der eigenen Konzeption die Reaktionen des Gegners, der in diesem Fall nur England sein konnte 80 , zu vernachlässigen 81 . Selbstverständlich erkannten die englischen Offiziere die deutsche Strategie einer Entscheidungsschlacht dort, wo die deutsche Marine ihre Kraft voll entfalten konnte, umgehend. Sie wichen deshalb einer Schlacht zwischen Themse und Helgoland 82 aus und verfolgten das Konzept einer weiten Absperrung Deut

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