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Mussolini und Hitler Die Inszenierung einer faschistischen Allianz von Goeschel, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.12.2019
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Mussolini und Hitler

Zwischen 1934 und 1944 trafen sich Mussolini und Hitler insgesamt siebzehnmal - öfter als jedes andere Duo westlicher Staatschefs der damaligen Zeit. Die beiden Diktatoren sandten einander Glückwunschtelegramme zum Geburtstag, Hitler gratulierte Mussolini regelmäßig zum Jahrestag des "Marsches auf Rom". Obwohl sie sich persönlich nicht ausstehen konnten, gelang ihnen die Inszenierung einer Freundschaft. Sie sollte nach außen Einheit und Macht demonstrieren und nach innen Volksnähe vermitteln. Entlang der wichtigsten Begegnungen - von den pompösen Staatsempfängen der Anfangszeit bis zum letzten Treffen am 20. Juli 1944 in der Wolfsschanze - zeichnet Christian Goeschel die wechselvolle Geschichte dieser folgenreichen "Freundschaft" nach. Er untersucht die diplomatischen Taktiken und propagandistischen Techniken und wirft ein neues Licht auf die zerstörerische Allianz zwischen dem faschistischen Italien und Nazi-Deutschland. Am Prototyp choreographierter Diktatorenfreundschaft im Zeitalter der Massenmedien zeigt dieses Buch, was geschehen kann, wenn im Feld der Politik Performance und Macht miteinander verschmelzen. Christian Goeschel, geboren 1978, lehrt Europäische Geschichte an der Universität Manchester.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 15.12.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518762943
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Mussolini and Hitler. The Forging of the Fascist Alliance
    Größe: 7500 kBytes
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Mussolini und Hitler

1

In Mussolinis Schatten
1922-1933

I

Nach der deutschen Novemberrevolution 1918 und der Gründung der Weimarer Republik war München eine Brutstätte des politischen Extremismus. Von hier aus wollten Hitler und die Nationalsozialisten, eine von vielen rechtsextremen Randgruppen, Anfang der zwanziger Jahre die Macht in Deutschland erobern. Ihr Ziel war es, Deutschland von den Juden zu "säubern" und "Lebensraum" in Osteuropa zu schaffen. Um ihr nationales und internationales Ansehen zu stärken, streckten die Nationalsozialisten ihre Fühler zu den italienischen Faschisten aus, die Mussolini im März 1919 offiziell als nationale Bewegung in dem festen Entschluss gegründet hatte, Italiens angeblichen "verstümmelten Sieg" ( vittoria mutilata ) im Ersten Weltkrieg zu rächen und Italien zu einer Großmacht zu machen. Es ist bemerkenswert, dass die Initiative von den Nationalsozialisten, nicht von den Faschisten ausging, da es ein Schlaglicht auf die damalige Bedeutungslosigkeit der Nationalsozialisten und auf die Tatsache wirft, dass die italienischen Faschisten die offiziell erste faschistische Gruppierung der Welt waren. Während Mussolini sich auf die Eroberung der Macht vorbereitete, schickte Hitler im September 1922 den zwielichtigen Kurt Lüdecke zu dem Faschistenführer nach Mailand. Mussolini wollte allgemein gute Beziehungen zur europäischen Rechten pflegen, um Italiens Einfluss zu stärken. Daher empfing er Lüdecke, der ein Empfehlungsschreiben von Hitlers berühmtestem Unterstützer, General Erich Ludendorff, bei sich hatte. 1 Damals hörte Mussolini Hitlers Namen vermutlich zum ersten Mal. Im März 1922 hatte Mussolini Deutschland besucht, da er vermutete, es werde schon bald wieder zu einer europäischen Großmacht aufsteigen, aber Hitler war zu dieser Zeit viel zu unbedeutend für ihn. Stattdessen hatte er Beziehungen zu einer Reihe politisch vielversprechenderer Organisationen und Gruppierungen geknüpft, besonders zur Reichswehr und dem paramilitärischen Veteranenbund Stahlhelm. Wegen seiner Prominenz als aufsteigender Stern der italienischen Politik empfingen ihn auch führende Politiker wie der Außenminister Walther Rathenau, der Parteivorsitzende der liberalen Deutschen Volkspartei ( DVP ) Gustav Stresemann und sogar Reichskanzler Joseph Wirth von der katholischen Zentrumspartei. 2

Nachdem Mussolini Ende Oktober 1922 nach dem Marsch auf Rom das Amt des italienischen Ministerpräsidenten angetreten und zugleich die Leitung des Außenministeriums übernommen hatte, empfing er Lüdecke nicht mehr, weil es seine offiziellen Beziehungen zur deutschen Regierung untergraben hätte, obwohl das Auswärtige Amt Lüdecke in einer Korrespondenz mit den bayerischen Behörden, die die aufkommende nationalsozialistische Partei im Auge behielten, als unbedeutende Figur abgetan hatte. Entgegen dem faschistischen Mythos hatte die Demonstration faschistischer Stärke während des Marschs auf Rom allein nicht genügt, um Mussolini an die Macht zu bringen. Vielmehr war es König Viktor Emanuel III ., der ihn zum Regierungschef einer Koalitionsregierung ernannte. Die Kombination aus faschistischer Gewalt und einem scheinbar geordneten, konstitutionellen Machtwechsel war bemerkenswert. Mussolini konnte zu Recht für sich beanspruchen, der erste faschistische Regierungschef Europas zu sein, und es sollte noch geraume Zeit dauern, bis er mehr über den Chef der Nationalsozialisten erfuhr. 3

Es ist lohnend, sich mit Hitlers Ansicht über die aufkommende faschistische Regierung Italiens zu befassen. Einige Tage nach Mussolinis Ernennung erklärte Hitler einem rechten Aktivisten: "Man nennt uns deutsche Faschisten. Ich will nicht untersuchen, wieweit dieser Vergleich stimmt. Aber die unbedingte Vaterlandsliebe, den Willen, die Arbeiterschaft aus den Klauen der Internationale zu reiße

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